Fynn Kliemann ist Youtuber, Musiker und Geschäftsmann. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Seit Wochen braute sich um den Influencer und Musiker Fynn Kliemann etwas zusammen. Jan Böhmermann legte im Netz Spuren, ließ nun die Bombe platzen und berichtete über umstrittene Schutzmasken-Deals.

Berlin - Leute, die noch nie was von Fynn Kliemann gehört haben, reden jetzt über ihn. Der Influencer, Geschäftsmann und Musiker ist in die Kritik geraten.

Fans sind wütend, enttäuscht, und viele andere sind verwirrt. In Jan Böhmermanns ZDF-Satireshow wurde der Verdacht gestreut, dass Infos beim Geschäft mit Schutzmasken verschleiert worden sein könnten: Wurden diese zu Billiglöhnen in Bangladesch produziert und wurde dann vor Geschäftspartnern eine europäische Herkunft vorgetäuscht? Der Fall ist zu einem Kampf um Glaubwürdigkeit geworden.

Der Influencer mit den Do-It-Yourself-Videos

Kliemann hat eine Riesenfangemeinde im Rücken. Aber seine Art polarisiert auch. Er präsentiert sich als Self-Made-Typ und Freigeist. Jemand, der Dinge anpackt. Der auch für die gute Sache kämpft und jede Menge Leute mobilisieren kann. Neben seiner Musikkarriere ist das wohl bekannteste Projekt das "Kliemannsland". Das ist ein Bauernhof im niedersächsischen Ort Rüspel. Dort hat er eine Art Abenteuerspielplatz für Erwachsene gebaut. Es wird gebastelt, geschraubt, Musik gemacht - man kann Workshops buchen. Kliemann kennt man auch durch seine Do-it-Yourself-Clips auf Youtube, wo ihm Hunderttausende folgen. Kliemann ist ebenso ein Geschäftsmann. Er ist an Firmen beteiligt. Er ist auch Geschäftsführer des Mode-Online-Shops "Oderso", wo es laut Webseite "faires Zeug aus Europa" gibt.

Satiriker Böhmermann parodierte Kliemann im Netz schon seit Wochen. Auf einem schnöden Parkplatz präsentierte Böhmermann ihn als Typen, der seine Mitarbeiter gängelt und rumbrüllt. Dass sich was zusammenbraute, konnte man auch daran sehen, dass Kliemann einen Fragenkatalog der Redaktion von Böhmermanns Show "ZDF Magazin Royale", die freitagabends im öffentlich-rechtlichen ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlt wird, auf Instagram veröffentlichte und dazu Stellung nahm. Böhmermann wartete dann dieses Mal mit seiner Show nicht bis Freitagabend ab - sondern stellte den TV-Beitrag schon in der Nacht zu Freitag auf Youtube.

Es gibt viele Aspekte in dieser Geschichte

Der Fall ist detailreich. Für den Außenstehenden ist das in der Kleinteiligkeit schwer sortierbar. Vieles muss von Beteiligten noch genau überprüft werden. Was stimmt, was stimmt nicht? Neben den Fragen zur Herkunft der Masken sprach Böhmermann auch über Masken, die an Geflüchtete gespendet wurden. Sie sollen fehlerhaft gewesen sein. In den Recherchen ging es auch um den Umgang mit Spendengeldern. Kliemann reagierte nach dem Böhmermann-Beitrag mit einem langen Statement, in dem er Fehler einräumte, aber auch um einen differenzierten Blick auf die Details bat.

Darin hieß es zum Beispiel: "Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun "auf den ersten Blick" enttäuscht und geschockt sind." Zum Thema Maskenherkunft teilte er mit: "Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte." Weiter hieß es: "Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung." Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht. Der Fall führte bereits zu Konsequenzen. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis erkannte Kliemann eine Auszeichnung aus dem Jahr 2020 ab.

Interessant wird sein, wie sich das Detail um das umstrittene Masken-Geschäft weiterentwickelt. Der Online-Händler About You mit Sitz in Hamburg hat in einem ersten Schritt Masken der Marke "Oderso" offline genommen. Man wolle sich ein genaues Bild von dem Sachverhalt verschaffen. Nach Kliemanns Statement gab es zudem Widerspruch von About-You-Chef Tarek Müller. Kliemann, der in Beziehung zum Textilhersteller Global Tactics mit Sitz in Nordrhein-Westfalen steht, hatte behauptet, About You habe Bescheid gewusst, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern stammten, auch außerhalb Europas. About-You-Co-Chef Tarek Müller schrieb darauf auf Twitter: "Das stimmt nicht."

Woher stammen die Masken?

Er führte weiter aus: "Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen." Der Textilhersteller habe angegeben, dass die Masken aus Europa stammen. "Nach den uns vorliegenden Informationen hat uns Global Tactics weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert, oder uns darauf hingewiesen, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt werden."

Der Gründer von Global Tactics, Tom Illbruck, hatte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur gesagt: Masken seien in dem betreffenden Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert worden, nicht nur in Europa. Wenn zum Beispiel ein Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, "haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen".

Nachgefragt zu About You sagte Illbruck: "Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden." About You wurde 2014 als Otto-Tochter gegründet. 2021 ging der Online-Modehändler an die Börse. Otto ist nach wie vor größter Anteilseigner bei About You.