Am Wochenende wurde die Staatsgalerie in Stuttgart zur Tanzfläche. Bei der 80er Jahre Party gab es neben mehreren DJs auch Kunst zu bestaunen.
Am Freitagabend drehen sich die Lichtpunkte der glitzernden Diskokugel durch den Vortragssaal der Staatsgalerie, pinke Neonprojektionen wandern über die Wände. Um 20.30 Uhr ist die Tanzfläche noch locker gefüllt, einige Personen wiegen sich vorsichtig im Takt zu den Beats von DJ Kiti Arsa. Doch die Szene bleibt nicht lange verhalten: Spätestens gegen 21 Uhr verdichtet sich das Geschehen sichtbar.
Mit dem „Weekend Warm-up like a Stirling!“ verwandelt die Staatsgalerie ihre Räume temporär in eine Mischung aus Museum, Performancefläche und Club. Die Veranstaltung war im Vorfeld ausverkauft, eine Abendkasse gab es nicht. Auffällig ist die Altersstruktur: Ein Großteil der Gäste ist jener Generation zuzuordnen, die die 1980er-Jahre bewusst erlebt hat. Vereinzelt mischen sich auch Jüngere darunter. „Meine Mutter und ihre Freunde haben gefragt, ob ich mitkommen möchte. Mir gefällt’s super. Mit den 80ern verbinde ich vor allem gute Musik“, sagt Besucher Ole Friesch.
„Das ist die Musik unserer Jugend“
In einem eigenen Bereich der Stirling-Halle wird die Zeitreise in die 1980er-Jahre räumlich sichtbar: An den Wänden markieren popkulturelle Verweise — von Pac-Man bis Jane Fonda — zentrale Momente des Jahrzehnts. Auch musikalisch weckt der Abend Erinnerungen. „Ich find’s toll, das ist die Musik unserer Jugend. Da fühlt man sich direkt zurückgeworfen“, sagt Besucherin Monika Schuster.
Andere zeigen sich zunächst abwartend. Suse und Jürgen Rüdt sind in auffälliger 80er-Vollmontur in die Staatsgalerie gekommen. „Wir sind überrascht, dass hier so wenige in echter 80er-Kleidung unterwegs sind. Wir haben gedacht, das ist eine Mottoparty. Wir haben sogar eine Perücke gekauft“, sagt Suse Rüdt. Ihr Mann Jürgen ist ebenfalls skeptisch: „Eigentlich würde ich an einem Freitagabend lieber in meiner Stammkneipe sitzen und Fußball schauen.“
Beide geben sich jedoch offen, sich im weiteren Verlauf noch positiv überraschen zu lassen — der Dancefloor steht für später auf dem Plan. Mehrfach am Abend sorgt die Tanzschule Rytmico mit einer Aerobic-inspirierten Performance für Bewegung im Publikum.
Musikalisch vielschichtig – Gäste tanzen bis in die Nacht
Musikalisch gestaltet sich der Abend vielschichtig: Neben DJ Kiti Arsa stehen auch DJ Jens Herzberg und DJ Uwe Sontheimer an den Decks und entführen in eine andere Zeit. Mit fortschreitender Stunde füllen sich die Tanzflächen zunehmend; bis in die Nacht hinein wird getanzt.
Parallel setzt die Staatsgalerie auf Beteiligung. An der DIY-Station „All you need is Art“ entstehen Liebeserklärungen an das Museum und Freundschaftsarmbänder. Die Walking Acts Sascha Diener, Jörg Pauly und Pauline Großmann mischen sich als muntere Cicerones unter die Gäste und sorgen für zusätzliche Stimmung.
Bei vergleichsweise milden Temperaturen gibt es Gyros im Innenhof
Im runden Innenhof sorgt warmes orangefarbenes Licht für eine ruhigere Atmosphäre; dort wird bei vergleichsweise milden Temperaturen Gyros serviert. Wer dem Trubel entgehen möchte, findet in den Sammlungsräumen 27 bis 42 einen Kontrast: Werke von Picasso bis Munch treffen auf ein Publikum in neonfarbenen Stirnbändern und Trainingsjacken. Zusätzlich ist die Ausstellung „This is Tomorrow“ geöffnet. Die Reihe steht im Kontext des 100. Geburtstags des Architekten James Stirling im Jahr 2026.