Die PSA-Tochter Opel hat den Zuschlag für eine Zwei-Milliarden-Euro-Investition am Standort Kaiserslautern bekommen. Schritt für Schritt soll hier eine große Batterieproduktion aufgebaut werden.
Kaiserslautern - Der Automobilhersteller Opel will mit der geplanten Batteriezellenfabrik in Kaiserslautern nicht nur die Arbeitsplätze in dem bisherigen Motorenwerk sichern, sondern darüber hinaus auch einen Beitrag zur europäischen Elektroinitiative der Branche leisten. „Kaiserslautern ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer strategischen Initiative. Der PSA-Aufsichtsrat hat neben Kaiserslautern auch ein weiteres Werk dieser Art in Nordfrankreich genehmigt“, sagte Opel-Chef Michael Lohscheller bei der Vorstellung des Projekts.
Gemeinsam mit der in Nordfrankreich geplanten Fabrik der Opel-Mutter PSA werde man zwischen zehn und 15 Prozent des erwarteten europäischen Marktes abdecken können, zusammen kommen beide Anlagen auf eine Kapazität von 48 Gigawattstunden. Knapp eine halbe Million Fahrzeuge jährlich könnten zukünftig mit Batteriezellen „made in Kaiserslautern“ versorgt werden.
Fünf Milliarden Investitionen geplant
Man könne daher zu Recht von einer Gigafabrik sprechen, sagte Lohscheller. Gemeinsam mit der Total-Tochter Saft werden PSA und Opel in beide Werke rund fünf Milliarden Euro investieren, zwei Milliarden davon in der Pfalz. 1,3 Milliarden Euro werden öffentlich durch Frankreich, Deutschland und die Europäische Union gefördert. „Wir wollen die besten und nachhaltigsten Batterien in Deutschland und Europa bauen“, erklärte der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor den Beschäftigten des Opel-Werkes. Er sei überzeugt, dass Batteriezellen aus Kaiserslautern „neue Maßstäbe bei der CO2-Bilanz und bei der Nachhaltigkeit“ setzen könnten. Die Bundesregierung habe aus Brüssel die Genehmigung bekommen, sich mit einem „beachtlichen dreistelligen Millionenbetrag“ an dem Projekt zu beteiligen, die Einzelheiten werde man in den nächsten Wochen klären. Für die Bundesregierung sei es vorrangig, hier nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen.
Lohscheller betonte, dass auch nach dem Aufbau der Batteriefertigung wie bisher Dieselmotoren und Komponenten in Kaiserslautern gebaut werden sollen. Es sei aber nicht absehbar, wie sich die Nachfrage in diesen Bereichen entwickeln werde. Geplant sei, durch die Batteriefertigung 2000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wie viele der bisherigen 2200 Jobs auf Dauer erhalten bleiben könnten, werde die Zukunft zeigen. 2023 soll der Umbau beginnen, Ende 2024 der erste Abschnitt in Betrieb gehen. Aus Arbeitnehmersicht sei die Ansiedlung „wie ein Sechser im Lotto für das Land, für die Region, für die Stadt, aber auch insbesondere für den Opel-Standort Kaiserslautern und seine Beschäftigten“, sagte Thorsten Zangerle, Betriebsratsvorsitzender in Kaiserslautern. „Heute ist mal ein schöner Tag“, so Zangerle. Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach von einer „Sternstunde“ und einem „außerordentlich bedeutsamen Tag“ für das Land Rheinland-Pfalz als Industriestandort.
Es gibt gute Argumente
Es habe einige gute Argumente für den Standort Kaiserslautern gegeben, sagte Opel-Chef Lohscheller. Dazu gehörten geeignete Flächen, die zentrale Lage und die Nähe zu Frankreich, ein hoher Anteil an erneuerbaren Energien sowie hervorragend ausgebildete Fachkräfte. „Wir haben uns auch für den Standort Kaiserslautern entschieden, um Ressourcen zu schonen und vorhandene Kompetenzen zu nutzen. Das Werk ist so groß, dass sich die Batteriefertigung neben der bisherigen Produktion aufbauen lässt“, sagte der Opel-Chef. Die dort gefertigten Batteriezellen würden auch für andere Hersteller verfügbar sein, betonte Lohscheller. Außerdem sei man grundsätzlich offen für weitere Partner.
Damit sei zudem ein weiterer Opel-Standort in dem PSA-Konzern neben Rüsselsheim und Eisenach gesichert, auch wenn es zu der geplanten Fusion mit Fiat-Chrysler kommen sollte. Opel hat sich nach der Übernahme durch die Franzosen positiv entwickelt und erzielt auch erstmals seit Jahrzehnten wieder Gewinne. Dennoch ist die Lage noch nicht stabil. Obwohl die Mitarbeiterzahl bereits deutlich verringert wurde, hatte das Unternehmen im Januar angekündigt, innerhalb der nächsten zwei Jahren über freiwillige Maßnahmen wie Vorruhestand, Altersteilzeit oder Abfindungen in Deutschland 2100 weitere Stellen abzubauen. Außerdem hält sich der Konzern die Option offen, die Mitarbeiterzahl in weiteren Schritten um 2000 zusätzliche Arbeitsplätze zu verringern.