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Der Jahreswechsel wird vielerorts mit Raketen und Böllern gefeiert. Darüber, dass diese Tradition auch viele negative Auswirkungen hat, will die Hedelfingerin Gabi Schulz aufklären.

HedelfingenDas Jahr neigt sich dem Ende zu, Silvester steht an. Der Jahreswechsel wird vielerorts mit Raketen und Böllern gefeiert. Darüber, dass diese Tradition auch viele negative Auswirkungen hat, will die Hedelfingerin Gabriele Schulz aufklären. Sie engagiert sich im Aktionskreis „Stuttgart Böllerfrei“, verteilt im Stadtbezirk Flyer und informiert auf Veranstaltungen. Einerseits sei die Schadstoffbelastung, die in Stuttgart bekanntermaßen über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, problematisch. An keinem anderen Tag sei die Feinstaubbelastung so hoch wie an Neujahr: Bundesweit belasten dann laut Umweltbundesamt rund 4500 Tonnen Feinstaub durch Raketen und Böller die Luft. Diese Menge entspreche in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. Wie schnell die Feinstaubbelastung nach dem Feuerwerk abklinge, hänge vor allem von den Wetterverhältnissen ab. Kräftiger Wind helfe, die Schadstoffe rasch zu verteilen. Bei wenig Wind reicherten sie sich über viele Stunden in den unteren Atmosphärenschichten an.

Auch die Produktion der Feuerwerksartikel sehen Schulz und ihre Mitstreiterin Inga Ritter kritisch. Feuerwerkskörper würden hauptsächlich in China und Indien produziert, wobei Kinderarbeit dabei Alltag sei. Außerdem kommen die Kinder und die Erwachsenen täglich mit hochgiftigen Substanzen in Kontakt, die auch den Boden und das Grundwasser verunreinigen. Denn zur Herstellung würden Substanzen wie Strontium, Cäsium, Kobalt, Arsen und Blei verwendet.

Auch die Überbleibsel der Silvesternacht beziehungsweise der Raketen und Böller, belasten die Umwelt. Denn die bestehen meist aus Plastik und verrotten daher nicht, liegen noch Monate später im Wald, auf Feldern oder in Hinterhöfen. Eben überall dort, wo die Straßenreinigung nicht hinkommt. Die Raketen und Böller, insbesondere der damit verbundene Lärm, können auch für Tiere zum Problem werden.

Für Hunde, Katzen aber auch Wildtiere, Vögel oder Igel sei Silvester „eine fürchterliche Tortur“ und mit Stress und Angst verbunden, sagt Schulz, die auch beim Naturschutzbund aktiv ist. Verbieten wollen die Mitglieder des Aktionskreises Feuerwerk übrigens nicht, „aber schönere Alternativen aufzeigen“, sagt Schulz. Denkbar sei zum Beispiel eine Veranstaltung mit Lichtershow oder ähnlichem auf dem Hedelfinger Platz. Aber auch ein Fackellauf, wie zum Beispiel in Esslingen seit Jahrzehnten veranstaltet wird, können sich die Verantwortlichen des Aktionskreises gut vorstellen.

Auch auf dem Schlossplatz in der Innenstadt gibt es in diesem Jahr kein Feuerwerk. Das hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats beschlossen. Stattdessen will die Stadt eine Lichtshow, Videoleinwände, Live-Musik und Comedy anbieten. Die Kosten für die Veranstaltung schätzt die Verwaltung auf rund 500 000 Euro. In allen anderen Teilen der Stadt dürfen Silvesterraketen dagegen gezündet werden. Wesentlicher Grund für das Verbot ist die Sicherheit. In den vergangenen Jahren seien Menschen immer wieder durch Böller verletzt worden.

Auch andere Städte sollen folgen, zumindest wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geht. Die Organisation hat mehrere baden-württembergische Kommunen mit hoher Feinstaubbelastung im Jahresdurchschnitt aufgefordert, Silvester-Feuerwerke in ihren Innenstädten zu verbieten. Sie drängt die Bundesregierung, Städten ein solches Verbot zu erleichtern.

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