Bereits zwei Turnhallen in Göppingen sind nahezu belegt. Kommunen im Kreis müssen 1400 Menschen in der Anschlussunterbringung aufnehmen. Im Blick auf die kommenden Wochen und die Zahl der Flüchtlinge ist die Lage kritisch.
Das Landratsamt Göppingen schlägt Alarm: Es gibt quasi keine Kapazitäten für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen mehr. Und das, obwohl wegen rasant steigenden Flüchtlingszahlen in der vergangenen Woche eine zweite Sporthalle – die zweite Halle am Berufsschulzentrum Öde in Göppingen – als Notunterkunft in Betrieb genommen wurde. Zwar sei diese Halle aktuell erst mit 40 Personen belegt – bei einer Kapazität von 160 bis 180 Personen – erläutert die Pressesprecherin der Behörde, Clarissa Weber, auf Nachfrage. „Aber mit Blick auf die kommenden Wochen und die Zahl der Geflüchteten, die wir in den nächsten Tagen und Wochen im Landkreis Göppingen erwarten, ist die Lage kritisch und es ist definitiv so, dass die Kapazitäten nahezu ausgeschöpft sind.“
Zahl der Gemeinschaftsunterkünfte von 26 auf 39 aufgestockt
Weber schildert die Situation so: „Nicht nur die Zahl der ukrainischen Geflüchteten war in den vergangenen Wochen und Monaten sehr hoch, sondern auch die Zahl an Geflüchteten aus anderen Ländern.“ Die Landkreisverwaltung habe die Anzahl von 26 Gemeinschaftsunterkünften mit etwa 875 Plätzen (Stand Anfang 2022) auf nun 39 Unterkünfte mit knapp über 2200 Plätzen erhöht. „An weiteren Kapazitätserhöhungen arbeitet die Verwaltung unter Hochdruck“, bekräftigt Weber.
Vom Land würden dem Kreis für den Monat Oktober allein mehr als 100 Asylsuchende, die nicht aus der Ukraine kommen, zugewiesen. „Dazu kommen unter anderem Geflüchtete aus der Ukraine – jede Woche etwa 50 Personen – und afghanische Ortskräfte“, berichtet Weber.
Ob weitere Sporthallen im Landkreis belegt werden müssten, sei derzeit unklar und hänge davon ab, wie sich die Flüchtlingszahlen weiter entwickelten und wie schnell andere Kapazitäten geschaffen werden könnten, schreibt Weber in einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung. Eine weitere Folge der Platznot sei, dass die Fläche pro Person in den aktuell betriebenen Gemeinschaftsunterkünften verringert werde. „Statt der bisher sieben Quadratmeter Wohn- und Schlafraum pro Person wird auf 4,5 Quadratmeter reduziert. Durch diese Reduzierung können die Kapazitäten in den Gemeinschaftsunterkünften erhöht werden“, erläutert Weber.
Sporthallen müssen zur Unterbringung genutzt werden
In der Pressemitteilung wird auch der Göppinger Landrat Edgar Wolff zitiert: „Die aktuelle Flüchtlingskrise verlangt uns auf allen Ebenen viel ab. Wir haben mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass wieder Sporthallen als Notunterkünfte fungieren müssen, da das unter anderem den Schul- und Vereinssport beeinträchtigt. Bevor wir aber den Geflüchteten kein Dach über dem Kopf bieten können, müssen wir leider auf Sporthallen zurückgreifen.“
Es fehlt laut Wolff aber nicht nur an Unterbringungsmöglichkeiten, sondern auch am Personal für die Ausstattung der Gemeinschaftsunterkünfte, für die Betreuung der Geflüchteten und für die Gewährung der Sozialleistungen. Edgar Wolff zieht deshalb dieses Fazit: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“
1400 Menschen kommen in die Anschlussunterbringung
Die Landkreisverwaltung bemühe sich intensiv, weiteres Personal für diese Aufgabe zu generieren, erklärte der Landrat. Dies sei aufgrund des aktuell herrschenden Fachkräftemangels jedoch äußerst schwierig. Edgar Wolff: „Die Zusatzbelastungen werden derzeit mit hohem Engagement von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der betroffenen Bereiche aufgefangen, das darf nicht zu einem Dauerzustand werden. Die Flüchtlingskrise verlangt auch uns als Verwaltung einiges ab“, betont Wolff.
Da rund 1400 Menschen für eine Zuweisung in die Anschlussunterbringung in die Kommunen anstünden, so der Landrat in seiner Stellungnahme, hätten auch die Gemeinden im Landkreis große Probleme.
Wohnraum dringend gesucht
Wohnraum
Weiter fehlt es an Wohnraum für Geflüchtete in den Gemeinden des Landkreises. Nach sechs Monaten müssen die ukrainischen Geflüchteten im Rahmen der sogenannten Anschlussunterbringung den Kommunen zugewiesen werden. Die ersten sechs Monate seit Kriegsbeginn sind verstrichen und dementsprechend steigt der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten auch im Bereich der Anschlussunterbringung, sagt das Landratsamt.
Anschlussunterbringung
Bis Ende März stehen rund 1400 Personen für die Zuweisung in die Anschlussunterbringung an.