Einblick in die Ausstellung „Nach der Natur“, die vom 20. Juli an eine der sechs Eröffnungsschauen im Humboldt Forum ist. Foto: dpa/Jens Kalaene

Lange erwartet eröffnet am Dienstag, 20. Juli, das Humboldt-Forum in Berlin mit sechs unterschiedlichen und hintergründigen Schauen die Ausstellungszeit. Wir geben einen Überblick.

Berlin - Selten zuvor ist eine so bedeutende Kultureinrichtung in Berlin mit so großen Hindernissen eröffnet worden. Sind es oft unvorhergesehene Bauentwicklungen, die zu einer Verzögerung der Pläne führen, so hatte die Stiftung Humboldt-Forum mit den Fährnissen der Coronapandemie zu kämpfen, die dazu führten, dass das spektakuläre Gebäude zwar bereits Ende 2020 digital eröffnet werden konnte und seither zu besichtigen ist. Die inhaltlichen Schätze und Sichtweisen des gänzlich neuen Berliner Ausstellungs- und Begegnungskomplexes sind aber erst jetzt in vollem Umfang zugänglich. Ab sofort also haben die Berlinerinnen und Berliner sowie ihre Gäste die Möglichkeit, sich diesen einzigartigen Ort in Mitte zu erschließen und anzueignen. Der Eintritt ist frei.

Dabei startet das Humboldt-Forum mit sechs ganz unterschiedlichen und hintergründigen Schauen in die Ausstellungszeit – ein Überblick:

1 Schrecklich schön Elefant – Mensch – Elfenbein Die Faszination des Elfenbeins hat die Menschen seit Jahrhunderten beschäftigt, in der Kunst und im Musikinstrumentenbau spielt es eine bedeutende Rolle als Werkstoff. Der Beliebtheit des Materials aber stehen das Unrecht und die Brutalität gegenüber, mit der Menschen auf ausbeuterische Weise versuchen, sich der Stoßzähne von Elefanten zu bemächtigen. Eine der ersten programmatischen Ausstellungen im Humboldt-Forum widmet sich der Ambivalenz der Geschichte des Elfenbeins zwischen Kolonialismus und Kolonialität.

2 Nimm Platz (Ausstellung für Kinder) Aus den Fragen, wann Menschen stehen und warum und wie sie sitzen, lässt sich eine umfangreiche Kulturgeschichte entwickeln, die nicht zuletzt wichtige Antworten über das Verhältnis der Menschen zur Macht gibt, aber auch zur Gemeinschaft und dem Bedürfnis nach Schönheit. Unter dem Titel „Nimm Platz“ unternimmt das Humboldt-Forum nicht nur den Versuch, einen Ort für Kinder bereitzustellen, sondern darin zugleich das Anliegen des ganzen Hauses zu veranschaulichen.

3 Berlin Global Das Humboldt-Forum befindet sich nicht nur in der Mitte Berlins, es erhebt auch den Anspruch, die Geschichte des Ortes auf vielfältige Weise zur Geltung zu bringen. Die Ausstellung „Berlin global“ nimmt die Stadt zum Ausgangspunkt einer Erkundung in die vernetzte Welt. Verschiedene Themenräume handeln von Revolution, Freiraum, Grenzen, Vergnügen, Krieg, Mode und Verflechtung. Aspekte, die sich auch in anderen Metropolen finden lassen, doch in dieser Kombination exemplarisch sind für Berlin.

4 Schlosskeller „Grabe, wo Du stehst“, lautet eine Formulierung, die seinerzeit der Leitspruch für eine historische Selbsterkundung war, die sich nicht länger auf eine Geschichtsschreibung von oben verlassen wollte. In einem ganz buchstäblichen Sinn wird dieses Motto nun im Humboldt-Forum aufgegriffen. Im Schlosskeller finden sich die ältesten Objekte zur Geschichte des Ortes. Die Ausstellung im einzig erhaltenen Bereich des Berliner Schlosses bietet einen Rundgang vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

5 Nach der Natur Vieles im Humboldt-Forum wird im Dienst der Idee entfaltet, das Verhältnis zur Welt auf der Basis geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse zu betrachten. Dabei war es Namensgeber Alexander von Humboldt, der sehr früh das Gespür für einen ganzheitlichen Blick auf den Zusammenhang von Natur und Geschichte entwickelt hat. Die Ausstellung „Nach der Natur“ zeigt, wie die Verbindungen zwischen politischen Ordnungen und der Natur für diesen Wandel verantwortlich sind und wie Umwelt- und Ressourcenfragen umgekehrt immensen Einfluss auf alle politischen Systeme haben.

6 Einblicke: Die Brüder Humboldt Auf der anderen Seite thronen Wilhelm und Alexander von Humboldt in gravitätischer Ruhe vor der Universität, die ihren Namen trägt. Aber wer waren die Brüder, was trieb sie an, was verband, was trennte sie in ihren unterschiedlich ausgerichteten Forschungsinteressen? Die Ausstellung gibt Einblicke und wirft Schlaglichter auf das Wirken der Brüder Humboldt, die Zeitumstände, in denen sie sich bewegt haben, und sie schafft Verbindungslinien zu den Prinzipien und Inhalten des Humboldt-Forums.

Eintritt und Extras

Kostenlos
Von Dienstag, den 20. Juli an, öffnet das Humboldt-Forum seine Pforten. Der Eintritt ist frei.

Open-Air-Events
Vom 6. August bis zum 11. September lädt das Humboldt-Forum über sechs Wochen lang zu einer Open-Air-Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Performances und mehr immer freitags und samstags in den Schlüterhof ein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: