War der Traum vom Eigenheim vor Jahrzehnten noch dadurch erfüllbar, dass man seine Ansprüche heruntergeschraubt hat, scheint man heute Millionär sein zu müssen, um ein Haus kaufen und bezahlen zu können. Foto: Unsplash.com © Tierra Mallorca CC0 Public Domain

Wer in den vergangenen Jahren nach Eigentumswohnungen, Ein- oder Mehrfamilienhäusern Ausschau gehalten hat, der hat die rasante Preisentwicklung live erlebt. Doch warum scheinen die Preise für praktisch alle Immobilien anhaltend zu explodieren? Sind es die Niedrigzinsen und die Flucht in Sachwerte oder können sich immer mehr Menschen Eigentum leisten? Auch Lage und Lebenshaltungskosten sowie die Mietentwicklung spielen als Faktoren eine wichtige Rolle.

Unterschiedliche Preise in verschiedenen Regionen

Wer einmal Kontakt zu einem Immobilienmakler hatte, der hat vermutlich deren Mantra bereits einmal gehört. Denn auf die Frage, worauf es bei einer Immobilie ankommt, hören Interessenten meist die folgende Antwort: „Es kommt auf die drei L an: Lage, Lage und nochmal Lage“.

Der Wert einer Immobilie bemisst sich also zu großen Teilen alleine an ihrem Standort. So kann ein altes, sanierungsbedürftiges Haus, dessen Wert sich eigentlich seit der Anschaffung eher minimiert haben müsste, aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen stark steigen. Entwickelt sich beispielsweise ein ehemals schlechter Stadtteil in eine neue Richtung, explodieren dann Mieten und Kaufpreise nahezu sofort.

Auch freistehende Häuser in kleineren Städten können alleine dadurch ihren Wert erhalten und steigern, weil sie in einem begehrten Stadtteil liegen. Denn selbst wenn der Wert der Immobilie selbst nur noch wenige zehntausend Euro beträgt, begehren Käufer das Grundstück. Hier wird dann kalkuliert, was das Gebäude, der Abriss, das Grundstück und ein Neubau kosten.

Neben diesen Faktoren hat auch die Mietpreisentwicklung in Städten einen Einfluss auf die Preisentwicklung von Wohneigentum. Denn gut verdienende Menschen, die einen Großteil ihres Gehaltes in Miete investieren müssen oder einfach keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden, wollen für einen ähnlichen Betrag häufig Eigentum erwerben und sich von Mieten unabhängig machen. Da ein Kauf innerhalb der Großstadt finanziell oft nicht mehr stemmbar ist, treibt es immer mehr Menschen an den Stadtrand, die Peripherie oder ganz aufs Land. Diese Verschiebungen sorgen wiederum dafür, dass auch die Preise im Speckgürtel von Großstädten teilweise dramatisch steigen.

Wer über den Kauf einer Immobilie nachdenkt, der sollte dabei einige zeitlos wichtige Punkte beachten. Immer häufiger werden irrwitzige Preise für Häuser bezahlt, denen eigentlich kein echter Wert gegenübersteht.

Warum junge Menschen und Familien die Stadt verlassen

So attraktiv das Leben in einer modernen Großstadt wie Stuttgart auch ist, immer mehr junge Menschen zieht es in die Speckgürtel rundherum. Durch den Wohlstand der Stadt und die guten Einkommen werden die Mieten immer teurer und bezahlbarer Wohnraum wird selten. Wer nun sein Einkommen nicht allein in die Miete stecken will, der sucht sich alleine deswegen häufig eine Wohnung in der Peripherie. Die Menschen nehmen dann längere Fahrzeiten in Kauf, investieren mehr Geld in die Mobilität und verzichten auf das Leben in der Großstadt.

Auch Wanderungsbewegungen über die Peripherie hinaus sind zu beobachten, wo es Menschen aus dem Stadtgebiet Stuttgarts nach Göppingen, Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg oder in den Rems-Murr-Kreis zieht.

Junge Familien oder Paare, die sich Kinder wünschen, hinterfragen obendrein den Lebensstil innerhalb einer Großstadt. Denn was jungen Erwachsenen großen Spaß macht, ist für junge Familien oft purer Stress: Es ist laut, die Kinder sind immer mitten im Straßenverkehr und die Luft ist verschmutzt. Hier scheint ein Leben etwas weiter draußen dann deutlich attraktiver.

Wer nun unglücklicherweise in Oberbayern lebt und sucht, der muss sich auf Preise von bis zu einer Million für ein Einfamilienhaus einstellen. Auch hier zeigen sich die Auswirkungen der Landflucht rund um München. Einen guten Überblick über die regional unterschiedlichen Preise veranschaulicht ein aktueller Artikel.

Rund um Cannstatt den Bodenrichtwert beachten

Greift man einmal den wichtigen Bodenrichtwert auf, kann man regionale Unterschiede bei den Grundstückspreisen gut veranschaulichen. Anhand einiger Angaben lassen sich beim Portal BORIS dann Rückschlüsse auf den Bodenrichtwert ziehen.

Für Stuttgart wirft das Portal stattliche 953 Werte aus, die den Kaufpreis pro Quadratmeter in bestimmten Parzellen ausweisen. Im Zentrum gibt es Werte, bei denen 9.500 Euro pro Quadratmeter gemischter Baufläche kalkuliert werden müssen. In Bad Cannstatt liegen die Werte hingegen zwischen 1.160 und 2.490 Euro.

Schaut man nun in die benachbarten Regionen, erkennt man die Unterschiede noch deutlicher. Leider sind in dem genannten Portal nicht alle Daten einzusehen. In Esslingen kann man gut erkennen, dass die Preise pro Quadratmeter deutlich geringer sind. Selbst im Zentrum steigen die Preise kaum auf 8100 Euro pro Quadratmeter, während am Stadtrand schon für 90 Euro pro Quadratmeter gehandelt wird.

In einigen vergleichenden Berichten gelten die Städte Stuttgart, Heidelberg und Freiburg innerhalb von Baden-Württemberg als Hotspots mit den höchsten Immobilienpreisen. Wo man in Thüringen für ein ähnliches Einfamilienhaus im Durchschnitt 75.000 Euro einkalkulieren muss, kostet das „gleiche“ Haus in Stuttgart stolze 879.000 Euro.

Ein großer Preistreiber für die Immobilienpreise sind auch die anhaltend niedrigen Zinsen. Da Sachwerte besser vor Inflation schützen, investieren immer mehr Menschen in „Steingold“.