Klaus Eggert sammelt Ordenszeichen – wie das an Foto:  

Untertürkheims Ex-Schulter Klaus Eggert hat ein spannendes Hobby: Er sammelt Orden und recherchiert dann die Lebensgeschichten des Geehrten.

Untertürkheim - In seiner Funktion als Bezirksvorsteher von Untertürkheim hat Klaus Eggert einige Verdienstnadeln ans Revers der Geehrten heften oder andere Auszeichnungen überreichen dürfen. Da ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass der Pensionär in seinem Ruhestand eine Leidenschaft entdeckt hat: das Sammeln von Orden und Ehrenzeichen, die Phaleristik. In einigen hochoffiziellen, mit dem Bundesadler verzierten Schachteln liegen di e Bundesverdienstorden, in weiteren Etuis hat Eggert die Ehrenzeichen anderer Staaten: golden- oder silberglänzende Orden mit oder auch ohne imposantes Band, dazu meist eine Verleihungsurkunde, Anstecknadeln und andere Accessoires. Ein Orden imposanter als der andere. Für Phaleristen hat jedes Detail eine Bedeutung. Eggert geht es weniger um das glänzende Ehrenzeichen als um die Geschichte dahinter. Wie bereits als Bezirksvorsteher geht es ihm um den Menschen. „Ich belasse es nicht dabei, Auszeichnungen zu erwerben, um sie in den Schrank zu legen, ich will mehr über den oder die Geehrte und deren Verdienste erfahren“, so Eggert.

Natürlich mache sein Sammlerherz einen Hüpfer, wenn er bei einer Auktion oder über einen professionellen Händler ein neues glänzendes Schmuckstück am Band erwerben kann, aber Eggert weiß: Jetzt beginnt das Recherchieren. Bei prominenten Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik bringen Online-Suchmaschinen Eggert auf die Spur. Bei Normalbürgern wird es aufwendiger: Anfragen ans Bundespräsidialamt, ans Bundesarchiv oder auch an das verleihende Ministerium, auf Antworten warten und immer wieder neu nachforschen. Fakten zusammentragen, Mosaikstein für Mosaikstein zu einem Lebensbild zusammenstellen. Spannend.

Etwa bei Eugenio Ponzana. Eggert konnte die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland samt Urkunde mit Originalunterschrift des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss erwerben. Wer war der Mann? Wieso wurde er geehrt? „Er bekam die Verdienstmedaille auf Vorschlag des Auswärtigen Amtes anlässlich eines Staatsbesuches des Bundespräsidenten,“ sagt Eggert. Er forschte weiter. Bei dem Staatsbesuch verteilte Heuss die Auszeichnung an mehr als 50 Persönlichkeiten: an Vizepräfekten, Uni-Rektoren, Bürgermeister, Botschafter und unter Nummer 47 an Ponzana, einen Bürger aus Rom. „Vielleicht einer der ersten italienischen angeworbenen Arbeiter in Deutschland“, vermutet Eggert.

Anders verhält es sich bei der Auszeichnung für Heinz-Herbert Karry. Die Recherche wird zu einer politischem Zeitreise. Der FDP-Politiker war unter anderem hessischer Wirtschaftsminister. 1981 wurde er vermutlich von einem Kommando der Revolutionären Zellen in seinem Bungalow ermordet. 1974 erhielt der damalige Wirtschaftsminister den „Ordre National du Dahomey“ verliehen. „Vermutlich als Dank für die von Hessen geleistete Entwicklungshilfe“, vermutet Eggert. Wegen des Ordens war er in die Geschichte des westafrikanischen Staates eingetaucht. Dahomey war ein Königreich. 1960 gründete sich unter Bezugnahme auf das alte Königreich der moderne Staat Dahomey. „Zwei Jahre nach der Ordensverleihung wurde dieser Staat in Volksrepublik Benin umbenannt. Faszinierend, sagt Eggert.

Spannend ist auch die Lebensgeschichte von Josef Hermann Dufhues. Der CDU-Politiker war Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Bekannt wurde Dufhues 1963 auch aufgrund seiner durch die Spiegel-Affäre ausgelösten Auseinandersetzung mit der Gruppe 47. Im gleichen Jahr, am 18. Juli 1963, verlieh ihm Bundespräsident Heinrich Lübke das große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband an den „Staatsminister a. D.“

Nicht nur den „Order of the British Empire“ sondern eine Sammlung mit Zeitungsartikeln, Briefen und Dokumenten konnte Eggert aus dem Nachlass von Dr. Adam Fuhry erstehen. Als Polizeiarzt in der Bundeshauptstadt Bonn war er Jahre lang für die Gesundheit von Staatsgästen wie König Hussein von Jordanien, den Schah von Persien oder eben auch für das britische Königspaar verantwortlich, wie etliche Fotos zeigen. Beim zweiten Besuch der Queen verlieh sie ihm den Orden und ernannte ihn damit zum Commander of the British Empire, wie eine von Prinz Philipp unterzeichnete Urkunde bezeugt, die auch eine von Queen Elisabeth handschriftlich gemachte Anmerkung ziert. „Eine seltene Ehre für eine faszinierende Persönlichkeit“, sagt Eggert. Seine Recherche hat er zu einem Vortrag zusammengetragen, den der Untertürkheimer bei der Mitglieder- Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde gehalten hat.

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