Die Bewegung ist für die Schpler, die aus zwölf verschiedenen Ländern kommen, ein gemeinsamer Nenner. Foto: /Sebastian Gall

Benachteiligten Schülern wird an der Martin-Luther-Schule durch ein besonderes Projekt geholfen: Sie lernen die deutsche Sprache bei sportlicher Bewegung.

Bad Cannstatt - Kinder, die neu in Deutschland sind, haben viele Hürden zu meistern. Ein davon ist die Sprache. In Vorbereitungsklassen wie solchen, die es an der Martin-Luther-Schule am Uff- Kirchhof gibt, versucht man die Schüler an die weiterführenden Klassenstufen vorzubereiten – dafür ist der Deutschunterricht essenziell. Der ist im Klassenzimmer allerdings mitunter etwas trocken.

Um Abhilfe zu schaffen, hat das Gemeinschaftserlebnis Sport (GES), ein Programm in Trägerschaft der Stadt Stuttgart und des Sportkreises Stuttgart, das Projekt „Bewegung Plus – Sprachförderung in Bewegung“ ins Leben gerufen. Benachteiligten Kindern und Jugendlichen wird die Sprache innerhalb sportlicher Übungen vermittelt. Die 16 Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis zwölf Jahren der zweiten Vorbereitungsklasse am Martin Luther Schule versammeln sich bevor es losgeht erst einmal im Kreis, um sich vorzustellen. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr, eine Stunde vor dem üblichen Beginn des Unterrichts. „Die Sportstunden des GES bieten wir zusätzlich an, sie sind aber verpflichtend“, sagt Rektor Markus Dölker. Für ihn sind diese Zusatzeinheiten ein Riesengewinn. „Die Schüler der Klasse kommen aus zwölf verschiedenen Ländern, auch einige Flüchtlingskinder sind dabei, da ist die Bewegung ein gemeinsamer Nenner.“ Das erkennt man auch am ersten Spiel: Körperteilezombieball. Die Jungen und Mädchen müssen sich in einem Feld gegenseitig mit einem weichen Ball abwerfen. Wer getroffen wird, muss zur Lehrkraft und dort das Körperteil benennen, das getroffen wurde. „Wir bauen immer die Inhalte, die in den anderen Fächern gerade unterrichtet werden in unseren ein“, sagt Gabriele Frenzel, Projektleiterin bei GES. Und so geht es weiter mit Übungen zum menschlichen Körper. Ein Schüler legt sich auf eine Matte, aufgereiht auf der anderen Seite der Halle steht der Rest. Sie müssen nun nacheinander zum Spieler auf der Matte sprinten und auf dem Weg dorthin Zettel mitnehmen, auf denen die Körperteile benannt sind, um sie an die richtige Stelle zu legen. Hilfe bekommen sie von den beiden anwesenden Lehrkräften. In drei Einheiten der Woche bekommen die Schüler die Sprachförderung, neben den beiden Vorbereitungsklassen an der Martin-Luther-Schule noch an der Rosenschule in Zuffenhausen. „Neben der deutschen Sprache lernen die Kinder so auch etwas über die deutsche Spielkultur“, sagt Gabriele Frenzel.

Für Rektor Martin Dölker ist die Verzahnung von Sport und Sprache ideal: „Diese freien Bewegungsräume sind für die Schüler wichtig. Sie sind außerdem nach einer Sportstunde am Morgen den restlichen Tag über aufnahmefähiger“, nennt er die Vorzüge. Und auch bei den Kindern herrsche Begeisterung für den zusätzlichen Sportunterricht.

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