Igel können zu verschiedenen Jahreszeiten Hilfe benötigen. Foto: dpa/Armin Weigel

Igel können in vielen Situation auf menschliche Unterstützung angewiesen sein. Anette Lampart von der Igelstation Esslingen gibt Tipps, wie man den stacheligen Tieren in Not richtig helfen kann.

Stuttgart -

Igel sind auch in Baden-Württemberg häufig in Gärten zu Hause. Die beliebten Stacheltiere können allerdings zu verschiedenen Jahreszeiten in Not geraten. Ab August ist gerade der Nachwuchs manchmal auf Hilfe angewiesen. Was sollte man tun, wenn man einen Igel in Not findet? Anette Lampart, die eine Igelstation in Esslingen betriebt, erklärt, wann die stacheligen Tiere Hilfe benötigen – und wie man dann richtig vorgeht.

Igel können laut ihr aus verschiedenen Gründen auf Unterstützung angewiesen sein. „Wenn ein Igel tagsüber herumrennt oder in der Sonne liegt, kann man davon ausgehen, dass er Hilfe braucht“, so Lampart. Das könne beispielsweise im Frühjahr nach dem Winterschlaf passieren, wenn die Tiere noch keine Nahrung finden. „Den Igeln, die sowieso schon vor dem Winter ein bisschen abgemagert waren, geht die ganze Energie aus und sie bekommen eine Unterkühlung“, schildert sie. Das erkennt man laut Lampart auch am zittrigen und torkeligen Gang.

Diese Igel brauchen in den Sommermonaten Hilfe

Aber auch der Sommer birgt für die stacheligen Tiere Gefahren und kann sie in Not bringen: Denn dann arbeiten viele im Garten und bringen mit Mährobotern oder Sensen den Rasen in Form. „Das ist ein ganz großes Problem“, erklärt die Betreiberin der Esslinger Igelstation. Es gebe extrem viele Igel, die durch diese Geräte verletzt werden und großflächige Wunden davontragen. Auch sie sind auf Hilfe angewiesen.

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Im August und September kann man außerdem auf Igelbabys stoßen, die zu dieser Zeit zur Welt kommen. „Sie haben außerhalb des Nestes eigentlich nichts zu suchen“, erklärt Anette Lampart. Beobachtet man draußen über längere Zeit Igelbabys mit rosafarbener Haut, deren Augen noch geschlossen sind, sollte man sich deshalb um sie kümmern.

Das sollte man als Erstes tun

Ist das hilfsbedürftige Tier gesichert, sollte zunächst überprüft werden, ob der Igel sich kalt oder warm anfühlt, so die Ehrenamtliche. Ist ein erwachsener Igel oder ein Baby unterkühlt, brauche er als erstes Wärme. Dazu kann man laut ihr zum Beispiel eine Wärmflasche befüllen und diese in ein Handtuch packen. „Außerdem lässt sich auch ein Latexhandschuh verwenden, der mit warmem Wasser gefüllt ist“, schildert sie. Wird ein Igel von großen Fliegen umkreist, sollte man ihn zudem mit einem Kissenbezug abdecken. „Die Fliegen legen vor allem an geschwächten Tieren gerne ihre Eier ab“, sagt Lampart. Nach diesen Schritten sollte dann vor allem bei Igeln in kritischem Zustand und Babys schnellstmöglich eine Igelstation kontaktiert werden.

„Wenn man Igelbabys hat, muss man sie schnellstens abgeben, sie gehören in erfahrene Hände“, so die Betreiberin aus Esslingen. Denn die Pflege der Jungtiere sei aufwendig und sehr zeitintensiv. Wer nicht sofort die Igelbabys zu einer Auffangstelle bringen kann, sollte laut Lampart versuchen, ihnen einen Tropfen Fencheltee oder Wasser einzuflößen – allerdings erst, wenn sie aufgewärmt sind. Sonst könnten sich die kleinen Stacheltiere verschlucken. Dazu sollte man einen Finger in die Flüssigkeit tauchen und am Schnäuzchen des Igels abstreifen. Alternativ lässt sich auch ein Stofflappen anfeuchten und an der Schnauze auswringen. Auch erwachsenen Tieren sollte nur etwas zu Trinken gegeben werden, wenn sie aufgewärmt wurden.

Was ist bei fitteren Tieren zu beachten?

Macht der gefundene Igel einen relativ fitten Eindruck oder hat er nur eine leichte Verletzung, sollte zunächst trotzdem seine Körperwärme überprüft werden. Hat er keine Unterkühlung, kann ihm etwas Wasser in einer Schale gegeben werden. „Man kann auch ein bisschen Honig reinmachen, das gibt dem Tier Energie“, sagt Anette Lampart. Außerdem könne der Finder dem Igel auch Katzenfutter oder ungewürztes Rührei als Futter anbieten. Dass es um einen Igel nicht ganz so schlimm bestellt ist, merke man daran, dass er wacher umherschaut und sich schneller zusammenrollt.

Um hilfsbedürftige Igel schließlich zum Tierarzt oder zu einer Igelstation zu transportieren, kann man einen Katzenkorb oder eine Kleintierbox verwenden. „Ansonsten tut’s auch eine alte Schuhschachtel oder ein Eimer“, schilder Lampart. In das Behältnis sollte man dann einen alten Lappen oder eine dicke Lage Küchenpapier legen. „Da liegen die Igel wärmer.“ Bei Igelbabys sollte auch die Wärmflasche oder der mit heißem Wasser gefüllte Handschuh mitgenommen werden. Denn wenn das kleine Tier aufgewärmt ist, könne man an der entsprechenden Anlaufstelle sofort mit der Versorgung loslegen, wie die Betreiberin der Igelstation erklärt.

Das ist wichtig, wenn Sie nachts einen Igel finden

Die richtigen Ansprechpartner zu erreichen, ist tagsüber relativ einfach. Aber was kann man tun, wenn man nachts einen Igel in Not findet? „Es ist schwierig, jemanden in der Nacht zu erreichen“, sagt Lampart. Wenn ein Tier schwer verletzt ist, sollte man laut ihr prüfen, ob es in der Umgebung einen tierärztlichen Notdienst gibt. „Sind die Wunden aber nicht so dramatisch oder hat der Igel nur ein dickes Füßchen, reicht es, wenn man ihn zu Hause erstversorgt.“ Auch dann sollte man dem Igel wenn nötig eine Wärmequelle geben und ihn in eine hohe Kiste setzen, die mit Zeitungspapier ausgelegt ist. Außerdem sei es wichtig, dem Tier Essen und Trinken anzubieten. „So kann er dann übernachten“, schildert Lampart. Am nächsten Morgen sollte man allerdings eine Anlaufstelle kontaktieren.

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