Der „Mahle-Motor“ ist ins Stocken geraten. Aus diesem Grund wurde das zukunftsweisende Neubauprojekt an der Pragstraße auf Eis gelegt. Foto: dpa - dpa

Der Mahle-Konzern befindet sich in einer schweren Krise. Aus diesem Grund wurde das richtungsweisende Zukunftsprojekt, eine neuer Verwaltungsbau für rund 1600 Mitarbeiter an der Pragstraße, auf Eise gelegt.

Bad CannstattEs hat sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet: Der Mahle-Konzern, der sich in einer massiven Krise befindet, hat sein wegweisendes Zukunftsprojekt „Mahle Future“ auf Eis legen müssen. Und das ein Jahr vor seinem großen Jubiläum, denn 2020 wird das Traditionsunternehmen 100 Jahre alt. „Die Planungsaktivitäten für den Verwaltungsneubau an der Pragstraße wurden nach intensiven Prüfungen ausgesetzt“, sagt Unternehmenssprecher Ruben Danisch gut zwei Wochen vor der Bilanzpressekonferenz, in der der Vorstandsvorsitzende Jörg Stratmann die Gründe nochmals im Detail erläutern will.

Die Zeitschiene sah 2015 noch ganz anders aus: Damals hatte Mahle gerade das benachbarte Eckardt-Grundstück erworben und wenig später auch noch das brachliegende Epple-Areal. Der Grund: Auf den neuen Flächen soll ein moderner und kommunikationsfördernder Büro-Campus realisiert werden, den das Unternehmen dringend braucht. Wegen der Zukäufe im Inland , unter anderem kamen Behr (Feuerbach) und Letrika (Freiberg/Neckar) hinzu, mussten jede Menge externe Büroflächen im Stuttgarter Stadtgebiet für fast 700 Mitarbeiter angemietet werden. Neben den Mietkosten war das auch verwaltungstechnisch für den Konzern nicht optimal. Das Ziel war, möglichst viele Arbeitsplätze von den angemieteten Flächen zurück in zusammenhängende Mahle-Gebäude zu integrieren. Damals hegte man sogar noch die Hoffnung, dass der 100. Geburtstag im Jahr 2020 bereits mit der Einweihung in den neuen Räumen gefeiert werden könnte.

Doch spätestens seit der Pressemitteilung Ende März steht eigentlich fest: Die Dieselkrise und die weltweite wirtschaftliche Unsicherheit mit dem Brexit und drohenden Handelskonflikten machen dem Autozulieferer Mahle so zu schaffen, dass für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang gerechnet wird. Aus diesem Grund hat der Konzern, der weltweit fast 80 000 Menschen beschäftigt, damals angekündigt, seinen 2018 angestoßenen Sparkurs auszubauen. Selbst ein Stellenabbau am Standort Deutschland (knapp 14 000 Mitarbeiter) stehe zur Debatte. Die sind zwar dank einer Beschäftigungssicherung vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt – allerdings nur bis Jahresende. Angesichts dieser Konstellation war es eigentlich klar, dass der Neubaukomplex für fast 1600 Mitarbeiter auf Eis gelegt wird. „Wir haben den Betriebsrat und die Mitarbeiter darüber informiert“, bestätigt Danisch.

Wie lange das Zukunftsprojekt ruht, kann der Mahle-Sprecher nicht sagen. Dass dennoch auf den ehemaligen Eckardt-Flächen gearbeitet wird und ein großes Zelt an der Quellenstraßen steht, hat einen anderen Grund. „Wir haben das Gelände gekauft und müssen deshalb den Aushub untersuchen, um ihn dann fachgerecht entsorgen zu lassen“, so Danisch.

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