Stadt, Land und mehr gibt es bei der Galerie Keim noch bis 22. Juni zu sehen. Foto: Iris Frey - Iris Frey

Die Galerie Keim zeigt derzeit Landschaftsbilder von Werner Fohrer, Michael Haußer, Ingeborg van Loock und Hannes Steinert in einer reizvollen Zusammenstellung.

Bad CannstattOb Stadt oder Land, beides hat seine Attraktivität – malerisch gesehen. Das lässt sich auch bei der aktuellen Ausstellung der Galerie Keim sehen, die derzeit Werke von Werner Fohrer, Michael Haußer, Ingeborg van Loock und Hannes Steinert präsentiert. Unter dem Motto „Stadt_Land_mehr: Eine Reise ins Unendliche“ dürfen die Betrachter bei Werner Fohrer in amerikanisches Stadtleben eintauchen, inspiriert das Internet durch virtuelle google maps-Vorlagen mit „streetview“. Gleich mehrfach geschichtet zeigt er die Menschen von heute, wie sie aufs Handy schauen und warten oder durch die Straßen gehen. Zebrastreifen, Schaufenster, Spiegelungen, vorbeifahrende Busse. Fohrer zeigt den urbanen Lebensraum bereits seit den achtziger Jahren, wie Galerist Thomas Niecke weiß.

Die „Street-view“-Bilder mit Menschen, deren Gesichtszüge verschwommen sind, stehen für die Anonymität im Großstadtleben. Es sind Parallelwelten, die der Künstler hier darstellt, durch die Passanten, die scheinbar durch die anderen flanieren. Auch Hannes Steinert, der große Linolschnitt-Künstler, blickt in die Stadt: New York, Times Square, schwungvoll gezeichnet in Schwarz-weiß. Auch dieses Motiv gibt es nochmals bei Michael Haußer großformatig im ersten Stock der Galerie, diesmal die vielen bunten Lichter mit dem Pinsel einfangend – und seien es die vielen Werbetafeln, die eindrücklich sich zu stapeln scheinen, wenn man an der Kreuzung Broadway und Seventh Avenue steht und in das berühmte Theaterviertel schaut. Von Steinert sind in der Ausstellung auch südliche Landschaften zu sehen in original Mischtechnik, leicht, locker, luftig gestaltet: Boote, Strand und Meer. Doch auch in Öl grünsatte Landschaften mit Feld, Wald und Einsamkeit oder ein schönes gelbes Rapsfeld locken ebenso wie eine Landschaft mit dörflichem Charakter. Dazu hat Niecke Ingeborg van Loocks Werke gruppiert, die stark abstrahiert auf die Farbe abheben und so die Landschaftsstimmungen einfangen. Bei Temperaturen über 30 Grad kann ihr „Red summer“ sehr gut nachempfunden werden oder auch „Cloud“, die Wolken. Claudia Bögner weiß, dass bei van Loock das Gegenständliche Interpretationssache bleibt. „Die aus der Überlagerung einzelner Farbschichten entstandenen Werke vermitteln die Kraft des Zufalls“, so Bögner. Sporadisch auftretende Horizontlinien sind sowohl bei van Loock, als auch bei Steinert zu finden. Von iSteinert, der bei Rudolf Schoofs an der Kunstakademie Stuttgart studiert hat, gibt es frühe Bleistiftzeichnungen: eine beeindruckende Waldszenerie, die den typischen Strich beim Kreieren offenbart. Thematisch befasste sich Schoofs durchgehend mit den Themen Landschaft und Figur im Raum. Michael Haußer zeigt nicht nur Öl auf Papier im Großformat, sondern auch Öl auf Leinwand, in der er üppig mit der Farbe umgeht: So entstanden Surfer beim Wellenreiten, aber auch Motorradfahrer, die durch die Landschaft düsen, das Licht prismatisch farblich aufgefächert. Mitreißend eben.

Die Ausstellung „Stadt_Land_mehr: Eine Reise ins Unendliche“ ist noch bis zum 22. Juni in der Galerie Keim zu sehen, Marktstraße 31, Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 9.30 bis 18 Uhr und Mittwoch, 9.30 bis 13 Uhr, Samstag, 9.30 bis 14 Uhr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: