Nach dem Fischsterben wird Angeln im Max-Eyth-See kaum noch möglich sein. Das Hafengebiet wäre eine Alternative. Foto: dpa/ Franziska Kraufmann - dpa/ Franziska Kraufmann

Der Württembergische Anglerverein will nach dem großen Fischsterben im Max-Eyth-See nun verstärkt im Neckarhafen fischen und hat deshalb die Firmen dort angeschrieben.

UntertürkheimNach dem großen Fischsterben im Max-Eyth-See im September will der Württembergische Anglerverein (WAV), sein bestehendes Fischereirecht am Stuttgarter Neckarhafen intensivieren. „Wir haben einen Teil von der Hafen GmbH und einen weiteren Teil vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt gepachtet“, erklärt Hans-Hermann Schock, der Vorsitzende des WAV. Im Augenblick würden etwa zehn Personen am Tag im Hafenbereich angeln. Es könnten in der nächsten Zeit aber deutlich mehr werden, meint Schock.

Deshalb hat er nun die Anrainer-Unternehmen im Hafen – fast 20 Stück – angeschrieben, um sie über das Fischereirecht des WAV in diesem Bereich aufzuklären. Bei aller Problematik eines Hafens mit Geschäftsbetrieb müsse der Zugang zum Wasser für die Angler möglich sein, meint Schock. „Dies sollte im Stuttgarter Hafen eigentlich unproblematisch sein, da nur wenige der Firmen Warenumschlag auf der Wasserseite betreiben und demzufolge die Bermen nicht genutzt werden.“ Bermen sind die sich an der Kaimauer befindenden schmalen Wege am Neckar, auf denen die Angler stehen und ihre Rute auswerfen können. Konfliktpotenzial sieht er nicht: Die Angler kämen hauptsächlich am Wochenende, würden also keinen Betrieb stören und könnten selbst ungestört angeln.

Der Neckar sei im übrigen ein hervorragendes Fischgewässer, speziell der Stuttgarter Neckarhafen. „Das wissen auch die Kormorane“, sagt Schock. Es gebe dort ein großes Spektrum an Fischen, zum Beispiel Karpfen, Zander und Welse. Ab und zu werde auch mal ein Aal herausgeholt, Hechte hingegen seien eher selten. Derzeit beste Stellen zum Angeln seien in Obertürkheim an der Brücke und beim Rhenus-Gelände sowie gegenüber der Daimler-Logistik am Mittelkai, verrät Schock.

Im Zuständigkeitsbereich des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes (WSA) sei das Angeln unproblematisch, so Schock. Die gepachtete Fläche reiche vom Kraftwerkseinlauf bis zur Staustufe, wo die Eisenbahnbrücke ist. Der Württembergische Anglerverein habe zudem ein eigenes Fischereirecht von der Schleuse Obertürkheim zirka einen Kilometer flussabwärts. Schock sieht das Angeln als eine Aufwertung für das Gewässer am Hafen. Es sei ein guter und verkehrsgünstig gelegener Ersatz für den Max-Eyth-See. Eine solche Alternative sei wichtig, damit der WAV nicht mehrere hundert Mitglieder verliert. In den letzten Wochen hatte der Verein bereits große Probleme, weil er weniger Angelscheine ausgeben konnte. Dadurch drohen ihm herbe Einnahmeverluste. Zuletzt hatte der WAV bei der Stadt die Aussetzung der Pachtgebühren für den Max-Eyth-See gefordert. Eine Antwort hierzu steht noch aus.

Durch das große Fischsterben im September gibt es im Max-Eyth-See fast keine Fische mehr. Darauf macht Schock auch in seinem Schreiben an die Hafen-Firmen aufmerksam. Er erklärt zudem, dass die Mitglieder des WAV selbstverständlich informiert seien, dass sie nicht ohne weiteres umzäunte Grundstücke betreten dürfen, sondern dafür eine Genehmigung des Grundstücksinhabers erforderlich sei. In der Regel müssten die Betriebsgrundstücke nur durchquert werden, um an die Bermen am Wasser zu kommen. Laut Schock würden die Angler Verständnis für die Sicherheitsanforderungen der Firmen haben. Er geht davon aus, dass auch die Unternehmen ihnen wohlgesonnen gegenüberstehen – in den vergangenen Jahrzehnten sei man ja friedlich miteinander ausgekommen. Das Gesetz zur Betretung des Ufers für die Angler stammt übrigens vom 14. November 1979.

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