Mit der Wallheckenschere werden die Straßenränder „rasiert“ und das vorgeschriebene Lichtraumprofil geschaffen. Foto: Kuhn - Kuhn

Die Grünrückschnittarbeiten im Auftrag des Tiefbauamts haben auf der Wangener Höhe begonnen. Mit Spezialmaschinen werden Äste und Zweige, die in die Feldwege und Wirtschaftsstraßen ragen, entfernt.

WangenSpaziergänger und Autofahrer standen am Dienstag oberhalb des Wangener Friedhofs verdutzt vor einer Schranke. Drei Stunden lang war der Schleichweg über den Wangener Höhenweg und zur Waldebene Ost gesperrt. In der Ferne hörten Spaziergänger das Knacken von Holz und Motorengeräusche. Grünrückschnittarbeiten haben begonnen. Die Stadt hat ein Spezialunternehmen beauftragt. Mit überdimensionalen Heckenscheren und Schneidern rasieren die Mitarbeiter die Fahrbahnränder ab. Zweige und Äste knicken um wie dünne Streichhölzer, es wird lichter.

„Vermehrt erhielten wir Beschwerden über Äste, Sträucher und Büsche, die in die Feldwege ragen und Fahrzeuge beschädigen“, sagt Alma Osmanagic vom Tiefbauamt. Das Ärgerliche: Zwar muss sich das Tiefbauamt um die Befahrbarkeit der Straßen und Feldwege in den Außenbereichen kümmern, bei den störenden Ästen und Büschen sind Osmanagic und ihren Mitarbeitern aber zunächst die Hände gebunden. Sie stehen in angrenzenden Grundstücken, die überwiegend Privatpersonen gehören. Ein Dilemma, gegen das die Stadt seit Jahren kämpft. Die Rechtslage ist klar: Die Gartenbesitzer sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Verkehrsteilnehmer nicht beeinträchtig werden. Überhängende Zweige und Äste müssen so entfernt werden, dass das Lichtraumprofil gewahrt wird. Das bedeutet, auch ein vier Meter hohes Fahrzeug muss ungestreift auf dem Weg fahren können. „Wir erleben immer wieder, dass unsere landwirtschaftlichen Fahrzeuge zerkratzt oder beschädigt werden“, erzählte Obertürkheims Stadtrat und Wengerter Konrad Zaiß bei einer Rundfahrt vor Ort. Ähnliche Probleme hat die Feuerwehr. Mit ihren großen Löschfahrzeugen kommt sie kaum mehr durch das Dickicht neben den Straßen.

Die Stadt hat der „grünen Hölle“ in den Außenbezirken den Kampf angesagt. Allerdings muss sie den Rechtsweg einhalten. „Wir haben deswegen die Grundstücksbesitzer angeschrieben, die ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, und sie aufgefordert überhängende Äste und Zweige zurückzuschneiden“, sagt Osmanagic. Die Resonanz war mau. „Rund 60 Briefe wurden verschickt. Nur fünf bis sieben Besitzer haben reagiert“, sagt Osmanagic. Die Gründe sind unterschiedlich. Oftmals leben die Besitzer weit entfernt oder eine Erbengemeinschaft lässt das Grundstück verwildern.

Deswegen greift das Tiefbauamt nun zu einer radikalen, aber effektiven Maßnahme: Sie hat die Obertürkheimer Firma Ecotech engagiert, das Grün auf den Hauptfeldwegen und in den Weinbergen zurückzuschneiden. Schwerstarbeit für die vier Mitarbeiter der Firma. Sie starteten mit dem Wangener Höhenweg oberhalb des Friedhofs. Zwei Spezialfahrzeuge schleichen die Straße empor. Geschäftsführer Tobias Bubeck ist für die dicken Äste zuständig. „Mit dem großen Heckenschneider entfernen wir Äste bis zu einer Dicke von 13 Zentimetern“, sagt Bubeck. Problemlos zerhacken die Messer knöcheldicke Äste. Dahinter folgt das mächtige Mulchfahrzeug mit einer Wallheckenschere. Feinschliff: Sie raspelt die dünneren Zweige, Büsche und Hecken ab. „Rigoros, aber es muss sein, sonst ist die Straße in drei Monaten wieder zugewuchert“, zeigen zwei Hundebesitzerinnen Verständnis. Sebastian Engel und Andreas Hezel schieben den Grünschnitt zusammen. Mit der Kehrmaschine wird danach die Straße gereinigt. „Der Grünschnitt wird gehäckselt“, sagt Hezel. In den kommenden Wochen ist das Quartett noch in Rohracker, Hedelfingen, Unter- und Obertürkheim, Bad Cannstatt und Münster unterwegs. Die Gartenbesitzer, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllt haben, kommen übrigens auch nicht ungeschoren davon. „Wegen der Kosten werden wir auf die privaten Gartenbesitzer zukommen“, kündigt Osmanagic an.

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