Der Sicherungsplan für den Felssturzbereich am Zuckerberg in der Hofener Straße steht noch nicht. Die Naturschutzbehörde hatte Einwände. Foto: Iris Frey - Iris Frey

Eigentlich wollte die Stadt bereits mit den Grundstücksbesitzern am Zuckerberg sprechen wegen des Sicherungskonzepts gegen Felssturz. Doch die Naturschutzbehörde hat Bedenken im derzeitigen Plan.

Bad CannstattDer Felssturz am Zuckerberg beschäftigt Wengerter wie Stadtverwaltung seit drei Jahren. Zuletzt wollte die Stadt sich mit den Grundstücksbesitzern abstimmen, was die Sanierung betrifft. Doch dies ist noch nicht geschehen. Wie Stadtplaner Wolfgang Maier auf Nachfrage erklärt, habe es von der Naturschutzbehörde neue Vorschläge gegeben. Die Naturschutzbehörde sei nicht einverstanden gewesen mit den aktuellen Plänen. Nun werde noch nach Alternativen gesucht.

Ein Problempunkt seien die Sicherheitsnetze über den Felsen. Die Naturschützer hätten Bedenken gehabt, dass die Netze das Biotop zerstören. Nun seien Gutachter dabei, es mit anderen Netzweiten zu probieren. Doch sei dann unter Umständen ein Fangzaun notwendig, so Maier. Dies habe er im August erfahren. Nun habe sich das Ganze um ein Vierteljahr verzögert.

Wie berichtet, gab es vor drei Jahren am Zuckerberg in den Weinbergen einen größeren Felssturz. Seitdem war unklar, wie damit verfahren werden soll und ob eine Gefahr besteht. Die Stadt Stuttgart, die in dem Gebiet einen Weinberg unterhält und den Weinbauern über die Biotopverbundplanung bestimmte Auflagen für ihre Weinbergbewirtschaftung macht, hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches Anfang dieses Jahres in den gemeinderätlichen Ausschüssen vorgestellt wurde. Es besagte, dass keine akute Gefahr von den Weinbergen ausgehe, schlug aber verschiedene Maßnahmen vor, die durchgeführt werden könnten, um weiteren Felsstürzen entgegenzuwirken. Dann wurden Planer für die Ausarbeitung der Sanierungsplanung beauftragt. Sie sollten bis Herbst Ergebnisse vorlegen. Zudem war vorgesehen, dass im Laufe des Sommers Abstimmungen mit den Grundstücksbesitzern und Grundstücksnutzern respektive Pächtern stattfinden.

Bei den geplanten Maßnahmen, die nun erfolgen sollen, handelt es sich ersten Angaben zufolge um eine „Mischung“ aus Fangzaun (kleiner Abschnitt), Vernetzung, Unterfütterung und Räumung, wie es in den Gremien vorgestellt wurde. Konkret werde das aber erst mit den nun beauftragten Planungen, so Maier. Was genau dann gemacht wird, kann erst nach der Abstimmung und Fertigstellung der Planung gesagt werden.

Maier hatte auch das Gutachten Anfang des Jahres im Gemeinderat vorgestellt. Daraus ergab sich, dass weitere Gesteinsabgänge jederzeit möglich sind. Doch seien laut Gutachten weder Passanten noch Rad- und Autofahrer in der Hofener Straße gefährdet. Die Stadt hat erklärt, sie habe keine Verpflichtungen, die Verkehrssicherungspflicht liege bei den Grundstückseigentümern. Eine Absicherung der gefährdeten Bereiche müssten die Wengerter bezahlen. Das Gutachten wies dafür eine Summe von 400 000 Euro aus. Wolfgang Maier vom Stadtplanungsamt schätzte Berichten zufolge die Summe auf 500 000 Euro. Er hatte auch erklärt, das kein Handlungszwang bestehe, jeder Wengerter müsse für sich und seine Mitarbeiter die Gefahrenlage selbst einschätzen. Die Sanierungsmaßnahme soll laut Stadt an allen Stellen, die betroffen sind, durchgeführt werden und nicht nur stückweise in bestimmten Bereichen.

Als Schutz ist im Gutachten von unterschiedlichen Maßnahmen die Rede, seien es Schutzmauern oder Fangnetze. Die Sanierungsmaßnahmen greifen in das Biotop ein. So ist der Bereich am Zuckerberg mit im Biotopverbund, welcher besondere Anforderungen an die Pflege stellt. Deshalb würden dann Ausgleichsmaßnahmen in Form von Schutz- und Pufferstreifen erforderlich sein. In der Folge bedeutet das, dass einige Wengerter einen Teil ihrer Reben aufgeben müssten.

Die Stadt hatte eigenen Angaben zufolge alle Grundstückseigentümer angeschrieben und ihnen die Lage erläutert, dass sie die Verkehrssicherungspflicht hätten. Jetzt erfolgt erst einmal die Abstimmung mit den Grundstücksbesitzern, doch erst, wenn die Einwände mit der Naturschutzbehörde geklärt sind. Bei der Vorstellung des Gutachtens hatten die Fraktionen angesichts der großen Sanierungssummer erklärt, dass die Stadt die Wengerter nicht im Regen stehen lassen dürfe. Ein paar Wengerter hatten bereits erklärt, dass sie solche hohen Summen nicht aufbringen können. Die Verwaltung hatte eine Finanzierung der Felssturz-Sicherung über das Trockenmauerprogramm abgelehnt. Diskutiert wurde, wenn eine finanzielle Unterstützung erfolgen solle, dann als „Sonderfinanzierung“ auf der Grundlage der Ergebnisse des Sanierungsgutachtens. Diese Sonderfinanzierung müsse dann im Rahmen der Haushaltsberatungen beschlossen werden. Noch ist dies offen.

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