Die Chinesen zeigen die weltgrößten Ikarischen Spiele. Foto: Barbara Bamberger (z) - Barbara Bamberger (z)

Der Weltweihnachtscircus gastiert zum 27. Mal auf dem Cannstatter Wasen. Er bietet Spannung und Nervenkitzel mit waghalsiger Artistik, aber auch Clownereien.

Bad Cannstatt Zum 27. Mal gastiert der Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen und sorgt mit neuen Rekorden und waghalsiger Artistik für Spannung im neu gestalteten Zelt mit glizerndfunkelndem Namenszug über dem neuen roten Vorhang mit Sternen. Ein wiederum spannungs- wie abwechslungsreiches Programm haben Henk und Elisa van der Meijden mit Gia Eradze in der Regie zusammengestellt.

Es gibt Clownereien, Pferde, klassische Artistik in der Luft, an der Stange und am Todesrad zu erleben. Zu den gefährlichsten Nummern zählt die Vorführung der Werner-Guerrero-Truppe aus Kolumbien mit ihren sieben Fahrrädern. Dass diese Vorführung hochriskant ist, zeigte sich bei der Generalprobe, als diese Weltrekord-Nummer mit ihren sieben Fahrrädern auf drei Etagen fast zu Ende war und ein Artist aus dem Gleichgewicht geriet. Vier der sieben Artisten fielen in Luftkissen, zwei Artisten wurden leicht verletzt. Für die Premiere des Weltweihnachtscircus wurde deshalb die Nummer verändert und die Werner-Guerrero-Truppe ist trotzdem mit einer angepassten Version aufgetreten. Damit blieb die größte Hochseil-Truppe der Welt Teil des Premierenprogramms.

Keine Wildtiere mehr

Produzent Henk van der Meijden hatte am Ende der Generalprobe erklärt, dass der Unfall zeige, dass alles live passiere und die Nummern im Zirkus natürlich nicht ohne Gefahr seien. Für Spannung sorgt auch das Todesrad, an dem Star-Clown Bello Nock aus den USA den Zuschauern zeigt, dass ihn die Gefahr reizt, wenn er sich in schwindelerregende Höhen begibt. Kein Wunder, so hing er einst schon kopfüber schwebend an einem Seil am Hubschrauber in New York über der Freiheitsstatue, wie er einmal berichtete. Doch Nock ist auch der Spaß mit dem Publikum wichtig. Und das ist zu erleben.

Da Stuttgart keine Wildtiere mehr in Zirkussen erlaubt, gibt es dieses Jahr nur Pferde. Doch die trumpfen auf, etwa mit der weltgrößten Ungarischen Post von Kevin und Florian Richter mit 23 Pferden in der Manege, die Kevin an den Zügeln führt. Und noch eine Pferdegruppe sorgt für Aufsehen: Die Kosakenreiter von Violetta Alexandrova Serzh mit überwiegend Reiterinnen. Sie zeigen ebenfalls nicht ungefährliche Reitkünste auf dem galoppierenden Pferd, hängen sich an deren Tierkörper, kriechen darunter galoppierend durch oder springen vom sich rasend schnell bewegenden Tier herunter und wieder drauf. Spektakulär. Für atemberaubende Luftartistik ist mit den Lira Girls aus Las Vegas gesorgt. Am Reifen und Seil in harmonischer Kombination begeistern Marina Luna und Madi McKay voller Eleganz und Einheit. Weitere Poesie fehlt nicht unter der Zirkuskuppel. Diese wird dargeboten mit viel Eleganz am Mast von Juliia und Igor. Sie überwinden die Schwerkraft scheinbar mühelos und nutzen die Anziehungskraft, um ihre Liebesgeschichte zu erzählen. Ein Liebesgedicht in der Luft bildet das Paar Oleksii und Marina Grigorov mit dem Auftritt „Secrets auf my Soul“. Er trägt sie in der Luft hängend verbunden über ein Seil im Mund. Sie hängt nur an seinen Füßen. Am Ende darf das Produkt ihrer Liebe mit auftreten: ihre kleine Tochter.

Jongleure der ganz besonderen Art sind Strahlemann & Söhne. Mit zwei Koffern kommen sie in die Manege in chicen Anzügen, wie kurz vor dem Antritt zu einer Reise. Doch dann fliegen drei Keulen. Und die Artisten werfen sie sich nicht nur gekonnt zu, nebenbei entkleiden sie sich auch noch bis auf die Unterwäsche und ziehen sich wieder an, dabei jonglieren sie gleichzeitig weiter. Statt Keulen fliegt eine Weihnachtsbraut durch die Manege bei Anastasias großer Hochzeitsfeier und zahlreichen Salti auf der dicken Matte. Ein fröhliches Spektakel. Apropos fliegen: Die größte Ikarische Nummer der Welt präsentieren in diesem Jahr die Chinesen: Sie haben sich ihre Brettgrundlage auf den Rücken geschnallt und so können sie sich ganz flink und flexibel zu Gruppen formieren und Türmen stapeln, um sich mit den Füßen gegenseitig in die Luft zu schleudern. Eine gelungene Vorführung, die viel artistisches Können zeigt.

Besonderen Zauber versprüht eine Frau, die zunächst als hässliches Fratzengesicht mit Maske wie eine alte Hexe auftritt. Im Nu fliegt die Verkleidung weg und heraus schält sich eine wunderhübsche Frau mit langen blonden Haaren, die Schwerter schluckt und sich dabei blitzschnell bewegt. Sie überzeugt höllisch, dem Namen entsprechend: „Lucky Hell“ – die einzige weibliche Schwertschluckerin der Welt.

Immer höher immer weiter geht es mit der Yarovs-Gruppe: Sie nutzt die langen Perche-Stangen für ihre halsbrecherische Aktobatik. Die Artisten werfen sich die mit jeweils einer Person besetzten Perche-Stangen zu und sie fliegen eindrucksvoll von Stange zu Stange. Auch Kraft spielt eine Rolle im Programm, verbunden mit Equilibristik höchsten Ranges bei dem Duo Balance aus Rumänien. Die beiden Kraftakrobaten Constantin Ciobotaru und Dan-Florian Tazlauanu, Gewinner des Silbernen Clowns, zeigen nun eine Deutschlandpremiere. Sie setzen die Schwerkraft außer Kraft auf höchstem Niveau. Clown Bello Nock bildet einen gelungenen Übergang, indem er im Muskelkostüm die Bewegungen nachahmt und schließlich eine kleine Puppe herauszieht, die genauso aussieht wie er. Unter großen Kraftanstrengungen stemmt er sie hoch – und verschenkt sie mit seinem bezaubernden Lächeln an eine Zuschauerin.

Noch ein Jongleur setzt seine Zeichen in der Manege: Zuerst einmal mit einer leuchtenden Kugel und dann weiteren Bällen, die er unter beeindruckenden Bewegungen des Körpers jongliert. Seine Vorstellung beendet er, in dem er das Licht der Kugel auspustet. Der Russische Barren ist im Einsatz bei den Dandy’s, die mit viel Humor ihre Luftsprünge präsentieren. Johnny Gasser, Kirill Ivanov und Yury Kreer werden zum Internationalen Circus Festival nach Monte Carlo im kommenden Jahr eingeladen. In Moskau haben sie bereits Gold erzielt beim Nikulin Circus Festival. Einmal mehr bietet die Gruppe farbenfroh gekleidet, humorvoll und komisch präsentiert Salti auf dem Russischen Barren, in leichter Manier mit viel Können. Der Weltweihnachtscircus in seiner 27. Auflage bietet ein buntes Potpourri klassischer Artistik, musikalisch treffend unterstützt vom Live-Orchester um Chef Markus Jaicher. Das Orchester sitzt jetzt übrigens nach der Zelt-Erneuerung ein paar Meter tiefer, dafür unter edlem, rotem Samtvorhang.

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