Foto: Mathias Kuhn - Mathias Kuhn

Die Obertürkheimer Bezirksbeiräte gaben Grünes Licht für die Verlängerung der Buslinie 109 von Rüdern über die Tiroler Straße um Obertürkheimer Bahnhof. Ein Poller soll Schleichverkehr verhindern.

UhlbachAm Ende der zweistündigen Debatte fiel die Entscheidung des Obertürkheimer Bezirksbeirats einstimmig aus: Die Lokalpolitiker gaben Grünes Licht für die vorübergehende Verlängerung der Buslinie 109 von Rüdern über die Tiroler Straße nach Obertürkheim. Grundlage für die im Endeffekt auch von der Mehrheit der Anwohner akzeptierte Lösung waren Zugeständnisse, die die Esslinger Stadtverwaltung machte. Die Obertürkheimer leisten dafür Nachbarschaftshilfe. Esslingen muss die Kanalisation in der Geiselbachstraße erneuern. Dafür muss die wichtige Verbindungsstraße von Rüdern, Sulzgries, Krummenacker und Neckarhalde nach Esslingen komplett gesperrt werden. Die Vollsperrung und damit auch die Interimsbuslinie nach Obertürkheim und zurück soll im kommenden März beginnen und bis Juni 2021 dauern. 15 Monate, in denen die Bewohner der Esslinger Stadtteile umständliche Umleitungen in Kauf nehmen müssen. Experten befürchten Staus. Damit möglichst viele Anwohner aufs Auto verzichten, will Esslingen ihnen eine attraktive Busverbindung ins Neckartal anbieten. Ihr Vorschlag: Die Buslinie 109 soll von Rüdern aus über die Tiroler Straße zum Bahnhof Obertürkheim verlängert werden.

Bushaltestelle für Uhlbacher

Beim Bekanntwerden der Pläne vor einem Jahr liefen die Uhlbacher Sturm. Sie fürchteten noch mehr Schleichverkehr, Lärm sowie Schäden an ihren Häusern. Im voll besetzten Saal des evangelischen Gemeindehauses stellte Uwe Heinemann, der Leiter des Esslinger Tiefbauamts, am Mittwochabend den Bezirksbeiräten und Bewohnern vor, was geplant ist, um Beeinträchtigungen gering zu halten. Damit nur die Busse, einige Gartenbesitzer und landwirtschaftlicher Verkehr die Straße zwischen Rüdern und Uhlbach nutzen können, wird ein Poller die Durchfahrt versperren. „Hundert Meter oberhalb der letzten Häuser in Uhlbach, auf der Gemarkungsgrenze, werden wir einen hydraulisch-elektrisch bedienbaren Poller installieren“, berichtet Heinemann. Mit einer Fernbedienung können die Busfahrer den Poller senken und sich freie Durchfahrt verschaffen. Auch Gartenbesitzer, die ein Grundstück an der gesperrten Straße haben, landwirtschaftliche Betriebe und berechtigte Personen wie Ärzte mit Patienten im Nachbarort können einen Transponder beantragen. „Die berechtige Person erhält einen Transponder kostenlos. Wir werden aber restriktiv vorgehen, um Missbrauch mit den Transpondern zu verhindern“, erklärte Ulf Weidle vom Stuttgarter Ordnungsamt. Als Dank für das Entgegenkommen der Uhlbacher wird der Poller auch nach Ende der 15-monatigen Interimszeit erhalten bleiben. „Und den lange gehegten Wunsch der Anwohner der Tiroler Straße erfüllen, den Schleichwegverkehr einzudämmen“, so Weidle.

Die Buslinie 109 wird in den Hauptverkehrszeiten von 6 Uhr bis 9 Uhr und von 15 bis 20 Uhr im 15-Minuten-Takt verkehren. Von 9 Uhr bis 15 Uhr fahren die Busse dann alle 30 Minuten, wobei von 9 bis 12 Uhr nur ein 7,5-Meter großer Minibus eingesetzt wird. Damit wird ein weiterer Wunsch der Uhlbacher erfüllt.

Wermutstropfen für die Anwohner: Damit die Busse auf der Tiroler- und der Luise-Benger-Straße verkehren können, werden 31 Parkplätze am Fahrbahnrand entfallen. „Im engen Kurvenbereich der Luise-Benger-Straße wird zudem eine Lichtsignalanlage aufgestellt. Sie soll Behinderungen durch Gegenverkehr verhindern“, sagt Heinemann.

Obertürkheims Bezirksbeiräte begrüßten die Kompromisslösung, regten aber noch einige Verbesserungen an. So wünschten sich viele Anwohner je eine Zusteigemöglichkeit in die Interimslinie 109 in der Tiroler Straße und am Uhlbacher Platz. „Es wäre ein Witz, wenn der Bus an den Uhlbachern vorbeifährt und diese müssten ins Auto steigen, um zum Einkaufen zu fahren“, meinte Bezirksbeirat Eckhart Jäger (SPD).

Außerdem fürchten Ortskundige, dass der Schleichverkehr durch den Poller nicht aufzuhalten ist. „Die Autofahrer suchen andere Möglichkeiten über Feldwege“, meinte Markus Nanz. Freie Wähler-Bezirksbeirat Christian Zaiß richtet das Augenmerk auf die Feldwege, die von Rüdern in Richtung Asangstraße führen. „Auf denen herrscht heute bereits reger Schleichverkehr. Dieser wird sich verstärken. Das birgt für uns Wengerter, die in den Reben arbeiten, und für Spaziergänger immer wieder Unfallgefahren.“ Die Bezirksbeiräte forderten deswegen dort bauliche Änderungen oder mehr Kontrollen. „Wenn wir feststellen, dass sich der Verkehr von März an verlagern wird, werden wir reagieren und beispielsweise die Feldwege mit einem Felsen sperren“, versprachen Weidle und Heinemann.

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