Pfarrer Martin Staib geht in den Ruhestand. Er wird am 24. März im Gottesdienst in der Andreäkirche verabschiedet. Foto: Frey - Frey

Martin Staib geht nach 37 Jahren Pfarrdienst in den Ruhestand. Die letzten zehn Jahre war er in der Andreägemeinde tätig, die nun seit Januar zu Lenore-Volz-Gemeinde gehört. Am 24. März wird er verabschiedet.

Bad Cannstatt Martin Staib geht mit großer Dankbarkeit in den Ruhestand. Der 65-jährige gebürtige Beutelsbacher war die letzten zehn Jahre Pfarrer in der Andreägemeinde, die nun seit diesem Jahr zur Lenore-Volz-Gemeinde gehört. Er ist dankbar über die vielen Erfahrungen, die er gemacht hat. Wer sich mit ihm unterhält, spürt noch immer die Begeisterung für seinen Beruf, der ihn ganz eingenommen hat. Seine drei Kinder haben sich ebenfalls kirchlich engagiert und ihn unterstützt. Dennoch haben sie ihn mit dem Kirchenleben geteilt. Das ist er sich bewusst. Seine Frau arbeitet noch bis Sommer als Lehrerin und geht dann auch in den Ruhestand. Staib freut sich, dass er dann mehr Zeit hat. Auch für seine zwei Enkel.

Von Berufs wegen hat er mit allen Generationen zu tun: bei Trauergesprächen, Hochzeiten, mit Konfirmandeneltern, aber auch Taufgesprächen. Wie es ist, im Ruhestand, das konnte er im November vergangenen Jahres spüren, als er acht Wochen krank war. „Der Pfarrerberuf ist wahnsinnig erfüllend.“ Ihm hat es gefallen, Menschen unterschiedlichen Alters und aller Schichten zu treffen. Er freut sich über die Vielzahl von Ehrenamtlichen, die die Kirche mit ausmachen.

Das 60-Jahr-Jubiläum der Andreäkirche hat er 2016 mit erlebt. Sie ist 1956 gebaut worden. Danach wurden innerhalb von zehn Jahre drei weitere Kirchen gebaut: die Wichern-, die Stephanus- und die Sommerrainkirche. Heute rücken alle wieder zusammen, in der frisch gegründeten Lenore-Volz-Gemeinde. Staib freut sich über den Namen der neu gegründeten fusionierten Gemeinde. „Ich habe gerade das Buch über Lenore Volz gelesen.“ Sie war die erste Frau in Württemberg, die Pfarrerin in Bad Cannstatt wurde und sich dafür eingesetzt hat. Seit 1968 dürfen in der evangelischen Kirche auch Frauen Pfarrerin werden.

Die Gemeindefusion hat Staib intensiv begleitet. Vor einem Jahr wurde der Name der Kirchengemeinde aus 18 Vorschlägen gewählt. Ein neuer Gemeindebrief wurde konzipiert. Auch mit dem ist er sehr zufrieden. „Eine ansprechende Gestaltung und praktikables Format“, so Staib. Und er freut sich, dass dieses Heft vier Mal im Jahr in alle Haushalte der evangelischen Kirchengemeindemitglieder verteilt wird und hofft, dass es dort wahrgenommen wird. Gerade auch in Zeiten des Mitgliederschwundes: Gründe für die Kirchenfusion sind Wegzug, Austritt und Tod. Im Standort Andreä hat die Zahl der Gemeindeglieder abgenommen, von 2000 auf 1750. Der Pfarrplan wurde den Zahlen entsprechend angepasst. Deshalb wird, wenn Staib in den Ruhestand geht, seine Stelle nicht mehr besetzt. Im April werden, wie berichtet, die vier Kirchengemeinden (Andreä, Wichern, Sommerrain und Stephanus) neu zugeschnitten. Drei Pfarrer betreuen die vier Gemeinden und die Pfarrsekretärinnen Anke Fritz und Brigitte Wirth jeweils zwei Gemeinden, Fritz die Andreä- und die Stephanus-Gemeinde und Wirth die Wichern- und Sommerraingemeinde.

Bevor er nach Bad Cannstatt kam, war Staib in Birkmannsweiler, Höfen-Baach tätig und damals als Notfallseelsorger beim Amoklauf von Winnenden, dessen zehnter Jahrestag am 11. März begangen wurde. „Es ist völlig unfassbar, wie so etwas passieren konnte.“ Man merke, dass man sich nicht davor schützen könne. Es sei ein Erlebnis, das man nicht mehr aus dem Kopf bekomme. 2009 kam er nach Bad Cannstatt in einen völlig neuen Kontext und hat den Stadtbezirk als seine Heimat angenommen, auch wenn er sich als Pfarrer als Begleiter sieht. Er freut sich, dass der Standort Andreä keine überalterte Gemeinde ist. Bei den jährlichen Kinderbibelwochen seien meist 50 bis 70 Kinder dabei. Jeden Sonntag wird hier Kinderkirche gehalten. Von den Konfirmanden seien vier bis fünf dabei. „Es gibt einen guten Stamm ehrenamtlich Tätiger“, sagt Staib.

Das Besondere des Standorts Andreä: Sie hat eine eigene kirchliche Gemeindebücherei, die einzige in Bad Cannstatt und vermutlich in Stuttgart. Die Kirchenfusion sei schon länger klar gewesen. Bei Beratungen habe sich gezeigt, dass die Andreä- und die Wichernkirchen zu zweit keine sinnvolle Größe gewesen seien. Dies jetzt sei eine vernünftige Entscheidung gewesen. Auch für die Gottesdienste sei eine gute Lösung gefunden worden. Ab April ist Staib im Ruhestand, zieht nach Weinstadt in ein eigenes Haus. „Wir müssen uns verkleinern.“ Der begeisterte Leser muss auch seinen Bücherbestand reduzieren. Doch eins wird er mitnehmen: die vielen Begegnungen mit Menschen.

Am Sonntag, 24. März, wird Pfarrer Martin Staib um 10 Uhr in der Andreäkirche in den Ruhestand verabschiedet.

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