Die Bergung des Verletzten war schwierig und nur mit einer Drehleiter möglich. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat - 7aktuell.de/Simon Adomat

Riesenglück für einen 19-Jährigen. Er war zu Fuß entlang der Gleise zwischen dem Cannstatter Bahnhof und dem Halt Neckarpark unterwegs und wurd dabei von einem Zug erfasst. Er überlebte den schwer verletzt.

Bad CannstattRiesenglück hatte ein 19-jähriger Frühlingsfestbesucher am Freitagabend. Er war gegen 22.30 Uhr im Gleisbereich zwischen dem Bahnhof Bad Cannstatt und der S-Bahn-Haltestelle Neckarpark unterwegs, als er von einem Zug erfasst und „nur“ verletzt wurde. „Der junge Mann kann froh sein, dass er noch am Leben ist“, sagte gestern Daniel Kroh. „Normalerweise enden solche Zusammenstöße anders“, sagte der Pressesprecher der Bundespolizei und erinnerte an das Unglück vor einem Jahr. Damals wurde ebenfalls ein Frühlingsfestbesucher in unmittelbarer Nähe vom Cannstatter Bahnhof auf den Gleisen von einem Zug erfasst. Der 50-Jährige hatte damals wenig Glück und wurde getötet.

Doch wie gelangte der 19-Jährige auf seinem Heimweg in unmittelbaren Bereich der Zuggleise? „Wir können dazu noch nichts sagen – die Untersuchungen laufen noch“, so der Bahnsprecher. Allerdings soll der junge Mann stark alkoholisiert gewesen sein, als er von der Regionalbahn, die in Richtung Tübingen unterwegs war, gegen 22.30 Uhr erfasst wurde. Der Zugführer hatte zwar noch eine Schnellbremsung eingeleitet – doch vergebens. Da der 19-Jährige jedoch nicht auf, sondern neben den Gleisen unterwegs war, überlebte er den Zusammenprall mit dem tonnenschweren Gefährt. Er erlitt eine offene Ellenbogenfraktur sowie Abschürfungen im Gesicht und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Verletztenbergung mit Drehleiter

Um den Verletzten bergen zu können musste die Feuerwehr eine Drehleiter von der Straße hoch zum Bahndamm einsetzen. Bei der Notbremsung verletzte sich keiner der etwa 130 Reisenden. Sie konnten gegen 23.30 Uhr mit einem Anschlusszug am Haltepunkt Neckarpark ihre Reise nach Tübingen fortsetzen. Aufgrund der umfangreichen Rettungsmaßnahmen waren die S-Bahngleise zwischen Stuttgart und Plochingen in der Zeit von 22.36 bis 23.46 Uhr und die angrenzenden Ferngleise zwischen Bad Cannstatt und Untertürkheim von 22.51 bis 23.17 Uhr gesperrt. Hierdurch kam es zu Beeinträchtigungen im Bahnbetrieb, insbesondere die Besucher des Frühlingsfestes waren betroffen. Die Bahnsteige am Bahnhof Bad Cannstatt waren kurzzeitig überlastet.

Wie viel Glück der 19-Jährigen hatte, zeigt auch ein Zugunfall vor zwei Wochen. Um ihren Weg abzukürzen, ist eine 22 -Jährige in der Nacht vom 16. auf den 17. April über die Gleise am Ditzinger Bahnhof gelaufen. Dabei wurde sie gegen 1 Uhr von einem Güterzug erfasst und getötet. Tödlich endete auch eine Zusammenstoß Anfang November des vergangenen Jahres in Kernen im Rems-Murr-Kreis, als ein Mann von einer S-Bahn erfasst wurde. Auch in Fellbach wurde drei Monate zuvor einem Mann der morgendliche Spaziergang auf den Gleisen zum Verhängnis: Er wurde von einer Bahn überfahren und getötet. Und vor fast genau einem Jahr verunglückte der eingangs erwähnte 50-Jährige in der Nähe des Bahnhofs Bad Cannstatt auf den Gleisen tödlich. Der Mann, der sich geschäftlich in der Landeshauptstadt aufhielt, war mit Kollegen auf dem Frühlingsfest gewesen, auf dem Heimweg trennten sich die Wege des Mannes und seiner Begleiter. Am nächsten Morgen wurde seine Leiche etwa 100 Meter vom Cannstatter Bahnhof gefunden. Von dem Unfall hatte niemand etwas mitbekommen. Im Oktober 2016 war ein 33-jähriger Franzose nach dem Besuch des Volksfestes auf den Gleisen zwischen Bahnhof Bad Cannstatt und der Haltestelle Neckarpark tot aufgefunden worden. Und im September 2011 wurde ein 24 Jahre alter Student, der sich auf seinem Heimweg verirrt haben musste, von einem Güterzug vor der Haltestelle Ebitzweg getötet – ebenfalls nach einem Volksfestbesuch.

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