Das Vereinsheim des Musikvereins Bad Cannstatt wird zum Monatsende geschlossen. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Der Musikverein Bad Cannstatt gibt Gelände und Vereinsheim auf. Das Vereinsheim ist marode und müsste aufwändig saniert werden. Geld, das der aufstrebende Musikverein nicht aufbringen kann.

Bad CannstattZum Monatsende ist Schluss. Dann ist das Kleinod am Sigmund-Lindauer-Weg Geschichte. Die Grünanlage mit Vereinsheim und Gartenterrasse, Anbau, Spielplatz und Hasengehege des Musikvereins Bad Cannstatt soll der Stadt übergeben werden. Das Gelände ist in Erbpacht dem Verein überlassen. Diese endet aber erst in mehr als zehn Jahren. Die Vorstandschaft hat einstimmig beschlossen, sich vom Gelände zu trennen. Der Grund: Das Vereinsheim „Frei-Weg“ ist marode. Eine Sanierung würde mindestens 100 000 Euro kosten. Geld, das der Musikverein nicht aufbringen kann.

„Es ist uns nicht möglich, das Vereinsheim zu halten“, bedauert Melanie Beil, die Vorsitzende des Musikvereins Bad Cannstatt. Leicht sei die Entscheidung dem Vorstand wahrlich nicht gefallen. „Das tut uns schon sehr weh“, gibt Beil zu. „Die Diskussion ging über Monate. Wir haben es uns nicht leicht gemacht.“ Immer wieder sei Geld in den Erhalt des Vereinsheims gesteckt worden. Zuletzt 8000 Euro für die Heizung. Aber dies sei nur Stückwerk. Jetzt müssten das Mauerwerk und vor allem das undichte Dach saniert werden.

„Wir haben ein Sachverständigen-Gutachten erstellen lassen.“ Das Ergebnis: Eine Sanierung würde mit mindestens 100 000 Euro zu Buche schlagen. „Eine utopische Summe. Das Geld haben wir nicht.“ Ebenso wenig für Abriss und Neubau. Das Vereinsheim läuft als „wirtschaftlicher Totalschaden“. Und da der Verein auch eine Verkehrssicherheitspflicht innehat, trenne man sich vom Objekt. „Bevor noch etwas passiert und wir dann haften müssen.“

Genutzt wird das Vereinsheim nur noch als Gaststätte. „Wir proben seit Jahren in Cannstatter Schulen.“ Zuvor sei auch einiges dort gelagert worden. „Das haben wir jetzt anderweitig untergebracht.“ Und es sei nicht Zweck des Vereins, ein Vereinsheim zu unterhalten. Jugendarbeit sei wichtiger. „Wir vergrößern uns ständig, werden immer besser und erhalten mehr Auftritte.“ Darin müsse das Geld fließen. Und nicht in ein marodes Vereinsheim. „Die Vernunft muss siegen.“ Der aufstrebende Musikverein Bad Cannstatt umfasst 165 Mitglieder, davon 90 Aktive, die Hälfte ist unter 18 Jahre alt.

Dem Wirt des Vereinsheimes sei auf 31. August gekündigt worden. Dies sei jedoch unabhängig einer Sanierung erfolgt. „Das Vertrauensverhältnis war gestört und die Situation nicht mehr tragbar.“ Jetzt soll so schnell wie möglich Gelände samt Vereinsheim der Stadt Stuttgart übergeben werden.

Nicht alle Mitglieder sind damit einverstanden. „Ohne die Mitglieder zu befragen, was möglich wäre, muss das Vereinsheim weg“, kritisieren Renate Cramer und Gisela Schmid. Sie sind beide lange Jahre schon Mitglied im Musikverein Bad Cannstatt, wohnen in der Nähe und nutzen die Anlage und das Vereinsheim „sehr gerne. Wie viele andere Gäste auch“. Die beiden haben sich bereits ans Bezirksamt und das Amt für Liegenschaften und Wohnen gewandt. „Aber keiner fühlt sich zuständig.“ Sie haben Angst, dass das Kleinod künftig nicht mehr genutzt werden kann. „Das wäre jammerschade.“ Die Vorstandschaft hat Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler informiert. „Er hat unser Vorhaben nachvollziehen können“, berichtet Melanie Beil.

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