Leni mit ihrem Brief an OB Kuhn. Foto: Hort am Stadtteilbauernhof (z) - Hort am Stadtteilbauernhof (z)

Nach dem Schuljahr 2021/2022 soll in Stuttgart die flächendeckende Ganztagsschule kommen. Für selbstverwaltete Horte, wie das am Stadtteilbauernhof Bad Cannstatt endet damit die Städtische Bezuschussung. Die Kinder wehren sich.

Bad CannstattDer Stadtteilbauernhof in Nachbarschaft zum Krankenhaus Bad Cannstatt ist ein Kleinod. Die kleinen Besucher können dort aus ihrer urbanen Umgebung ausbrechen und den Kontakt mit Pflanzen und Tieren suchen. So soll ihnen die Natur näher gebracht werden. Neben dem Normalbetrieb bietet der Stadtteilbauernhof auch einen selbstverwalteten Hort für 20 Kinder, die halbtags die Sommerrainschule – von der ersten bis zur vierten Klasse – und nachmittags und in den Ferien den Hort besuchen. Allerdings bangen die Kinder des Hortes um dessen Zukunft. Der Grund: Die finanzielle Förderung von Eltern-Kind-Gruppen wie dieser ist nur noch bis zum Schuljahr 2021/2022 gesichert. Deshalb haben sie Kommunalpolitiker verschiedener Parteien angeschrieben und hoffen nun auf deren Antwort und Unterstützung. Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn erhielt von der neunjährigen Leni einen Brief, in dem sie die Einzigartigkeit dieser naturnahen Einrichtung in Bad Cannstatt hervorhebt.

Kinder appellieren an Politiker

Leni schreibt, dass der Stadtteilbauernhof ein wichtiger Ort sei, an dem die Kinder nach der Schule Raum für ihre eigenen Ideen haben und sich ausleben können. „Ein wunderschöner Ort mit vielen Tieren und viel Raum zum Spielen.“ Abgeschlossen wird der Brief mit der Bitte an OB Fritz Kuhn: „Bitte helfen sie mit, dass der coole Hort auch für meinen Bruder Paul bestehen bleibt.“

Der neunjährige Nils hat einen Brief an die Jugend- und Bildungsbürgermeisterin der Stadt, Isabelle Fezer, geschrieben. Darin betont er, dass er, wenn er im Hort ist, nicht merkt, dass er überhaupt in der Stadt sei. Seine Mutter erinnert der Stadtteilbauernhof an ihre Kindertage an einem Ort, an dem die kleinen ganz für sich sein konnten. Auch Nils hat am Ende seines Briefes einen Appell für die Lokalpolitikerin parat: „Möchtest du nicht auch, dass noch viele Kinder nach mir im Hort eine tolle Zeit verbringen können?“

„Wir haben uns diese Aktion zusammen mit den Eltern der Kinder überlegt, weil es in den Familien natürlich ein Thema ist“, sagt Anette Betten, von der Eltern-Kind-Gruppe „Hort am Stadtteilbauernhof.“ Wirklich viele Antworten auf die Briefe – die nicht nur an OB Kuhn und Bürgermeisterin Fezer, sondern auch noch an viele weitere Politiker geschickt wurden – seien bei der Eltern-Kind-Gruppe allerdings noch nicht eingegangen. „Wir hoffen aber weiter“, so Betten.

Der Hort am Stadtteilbauernhof ist eine von Eltern selbstverwaltete Einrichtung für die Betreuung von Schulkindern und wird von der Stadt Stuttgart sowie dem Land Baden-Württemberg finanziell gefördert. Seit dem Jahr 2000 bietet er mit seiner einmaligen Lage auf dem Gelände des Stadtteilbauernhofs den Hort-Kindern die Möglichkeit, Natur und Tiere hautnah zu erleben. Drei pädagogische Fachkräfte begleiten die Kinder beim schulischen und außerschulischen Lernen und betreuen sie flexibel.

„Durch die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule geht für viele Eltern und Kinder die Flexibilität verloren. Manche Kinder wollen auch mal einen Nachmittag nicht in den Hort oder nur für wenige Stunden“, sagt Anette Betten. Die Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen fordern deshalb eine unbefristete finanzielle Unterstützung der Horte über das Schuljahr 2021/2022 hinaus, damit diese weiterhin Flexibilität und Individualität ermöglichen können. „Die beiden Programme könnten ja auch parallel laufen, was wir sehr begrüßen würden“, so Betten.

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