Vor der Mahle-Zentrale an der Pragstraße hieß es: Arbeitskampf. Foto: Sebastian Gall - Sebastian Gall

Damit protestieren sie gegen den Plan des Unternehmens, in den Stuttgarter Standorten Stellen zu streichen und das Werk in Öhringen ganz zu schließen.

Bad CannstattDas laute Fiepen der Trillerpfeifen, die dröhnenden Buh-Rufe und die Kampfansagen der Redner auf der von Gewerkschaft und Betriebsrat einberufenen Kundgebung vor der Mahle-Zentrale an der Pragstraße waren noch in der Neckarvorstadt zu hören. Der Grund für die Demonstration: Der Automobilzulieferer Mahle hatte in diesem Jahr angekündigt, 380 Stellen an den Standorten in Stuttgart streichen zu wollen und das Werk in Öhringen mit rund 240 Mitarbeitern zu schließen.

Solidarischer Protest

Dazu Uwe Schwarte, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Mahle: „Unsere Arbeitgeber bei Mahle machen bisher keine großen Anstalten, uns hier eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Stattdessen sieht es so aus, dass die Standorte in Deutschland einfach auslaufen sollen – nicht nur bei Mahle, sondern auch bei anderen Autozulieferern.“

Und so waren nicht nur Mitarbeiter aus Stuttgart gekommen, sondern auch vom Standort in Gaildorf und natürlich aus Öhringen. Selbst aus Portugal waren drei Mitarbeiter angereist um sich mit ihren deutschen Kollegen zu solidarisieren und zusammen zu protestieren.

“Es ist ja ganz klar, dass sich die Automobilindustrie in einem Wandel befindet und auch die Zuliefer schauen müssen, wie sie diesen gestemmt bekommen“, sagt ein Demonstrant aus Öhringen, der anonym bleiben will. Es könne aber nicht sein, dass das Zukunftskonzept ist, Leute rauszuwerfen und damit den Profit konstant zu halten. Die Mitarbeiter seien offen dafür, die Zukunft gemeinsam mit dem Unternehmen zu gestalten.

Da nicht nur Mahle mit den Zukunftsaussichten zu kämpfen hat, waren auch Arbeiter aus anderen Unternehmen vor Ort. So protestierten auch Mitarbeiter von Daimler aus Untertürkheim und von den Bosch Standorten in Feuerbach und Waiblingen mit. „Es geht nicht nur um Mahle, sondern um die ganze Automobilbranche. Und die ist ein Riesenmotor für das Land Baden-Württemberg. Wir sind hier um das zu erhalten“, sagt Marko Schneider vom Bosch-Standort in Waiblingen. In jedem zweiten Betrieb in den baden-württembergischen IG Metall-Branchen stehen nach einer Umfrage unter rund 200 Betriebsräten aktuell Kostensenkungen an. Ein alarmierendes Signal.

In Baden-Württemberg hängen rund 470 000 Arbeitsplätze an der Automobilindustrie. Sie ist damit das größte Zugpferd auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Um das zu erhalten, wurde gestern ordentlich Lärm gemacht. sg/dpa

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