Bezirksbeirat Peter Mielert und die Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch ließen sich von Rolf Kaltenberger, Sabine Günderot und Robert Schäfer (von links) das Konzept von „Das Kaufhaus“ erläutern. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch war nach dem Besuch des Inklusionsbetriebs „Das Kaufhaus“ begeistert. Das Sozialkaufhaus in der Kreuznacher Straße überzeugt durch seine Kreativität.

Bad CannstattIm Rahmen ihrer Vor-Ort-Termine im Wahlkreis stattete die Grünen-Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch dem Inklusionsbetrieb „Das Kaufhaus“ in der Kreuznacher Straße einen Besuch ab – und war sehr angetan. „Das ist ein wunderbares Projekt, das Menschen Arbeit gibt und auch zusammenbringt, Inklusion lebt und nachhaltig ist.“ Peter Mielert, Sprecher der Grünen-Bezirksbeiratsfraktion, kennt zwar die Einrichtung, war jedoch von der Kreativität, die an den Tag gelegt wird, und den Aktionen begeistert.

Das Sozialkaufhaus hat seit 15 Jahren seinen Sitz in der Kreuznacher Straße, seit zwei Jahren firmiert es unter „Das Kaufhaus“ und wird als Inklusionsbetrieb geführt. Mindestens 40 Prozent der Beschäftigten müssen schwerbehindert sein. 16 Mitarbeiter sind im Kaufhaus tätig. Davon fünf Azubis, die ihre Ausbildung in den Bereichen Verkauf oder Logistik auch in Teilzeit absolvieren können. Ideal beispielsweise für Alleinerziehende.

50 Prozent der Kunden bedürftig

Etwa 50 Prozent der Kunden in der Kreuznacher Straße sind bedürftig. Bonuscard-Inhaber bekommen beim Einkauf 30 Prozent Rabatt auf die Waren, ausgenommen bei Neuwaren. Diese werden zum Angebot von der Einrichtung zugekauft, etwa Unterwäsche und Socken. Auch Studierende bekommen 20 Prozent Ermäßigung. „Das wird derzeit getestet“, erläutert der Fachbereichsleiter Rolf Kaltenberger. Jeden Samstag bezahlen Senioren ab 63 Jahren ebenfalls 20 Prozent weniger. „Das kommt gut an.“ Denn die Dunkelziffer vor allem älterer Mitmenschen bei den Bedürftigen dürfe nicht unterschätzt werden. „Manche trauen sich auch nicht aufs Amt, um eine Bonuscard zu beantragen.“ Fünf Sozialkaufhäuser der Neuen Arbeit gibt es, drei in Stuttgart, eines in Esslingen und eines in Plochingen. „Bei uns wird keiner diskriminiert“, betont Kaltenberger. Das Kaufhaus bietet eine Vorteilcard an, die auf Nachweis zu erhalten ist und weitere 30 Prozent Ermäßigung bringt.

Spenden werden auch abgeholt

Im Kaufhaus in Bad Cannstatt gibt es alles für den täglichen Bedarf. „Das hängt natürlich auch von den Spenden ab.“ Das Spendenaufkommen sei früher höher gewesen. Dennoch kommen täglich 2 bis 2,5 Tonnen an Spenden zusammen. Große Mengen werden kostenlos abgeholt, auch Möbel, etwa bei Wohnungsauflösungen, die ebenfalls durchgeführt werden.

Zum Fuhrpark des Unternehmens zählen zwei Siebeneinhalb-Tonner, drei Kleinlaster und ein Dreieinhalbtonner mit Kofferaufbau. Die Waren kommen zunächst ins große Logistikzentrum in Zuffenhausen. Etwa 20 bis 30 Spenden gehen täglich ein. Wer nicht in die Einrichtung kommen will oder kann, dem stehen auch in Stuttgart zehn Kleidercontainer zur Verfügung, die Kirchengemeinden angeschlossen sind.

Auch Firmen spenden Waren. So gab es bereits Gartenmöbel und Waschbecken. „Da können wir auch eine Gegenleistung anbieten.“ Bei der Deutschen Bank wurde nach einer Spende ein Fahrradtag durchgeführt. Mitarbeiter der Fahrradstation der Neuen Arbeit am Cannstatter Bahnhof checkten die Räder der Bankmitarbeiter. „Das nenne ich eine Win-Win-Situation.“

Gottesdienst mit Modenschau

An Ideen mangelt es der Einrichtung nicht. So gab es schon Second-Hand-Gottesdienste mit Modenschau. Angeboten werden Lesungen und Konzerte. Demnächst hält Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler seine Bürgersprechstunde im Kaufhaus. Dazu eingeladen ist auch ein Gebärdendolmetscher, sodass auch Gehörlose teilnehmen und ihre Fragen stellen können. Geplant sind gemeinsame Veranstaltungen, etwa mit der Initiative demenzfreundliches Bad Cannstatt. „Wir wollen die Bevölkerung enger zusammenbringen.“ „Das Kaufhaus“ ermöglicht auch Schülerpraktika.

www.daskaufhaus.de

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