So könnte die Marktstraße Foto: Visualisierung: g2-Landschaftsar - Visualisierung: g2-Landschaftsarchitekten

Die Fußgängerzone der Cannstatter Altstadt soll ein ansehnliches Erscheinungsbild erhalten – durch individuelle Möblierung, mobile Pflanzkübel und ein neues Leitsystem. Der Bezirksbeirat begrüßte dies.

Bad CannstattDie Cannstatter Altstadt soll ein ansehnliches Erscheinungsbild erhalten. Das Vorhaben wurde in diesem Jahr konkret angegangen. Im Rahmen des Projekts „Stadtteilzentren konkret“ ging es um das Möblierungskonzept für die Marktstraße und ein Stadt- und Kulturleitsystem. Aus dem Investitionsfonds „Lebendige Stadtteilzentren“ stehen 600 000 Euro zur Verfügung, wovon auch 50 000 Euro für die Revitalisierung von Ladenlokalen in Geschäftsstraßen auftauchen. Anfang des Jahres wurde das Vorhaben mit den entsprechenden Anforderungen ausgeschrieben und drei Testentwürfe vergeben, die im Oktober von einer Jury unter Einbeziehung des Bezirkes bewertet wurden. Der Siegerentwurf wurde jetzt dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt vorgestellt, der sich zufrieden zeigte.

„Der Raum verlangt mehr Qualität“, erläuterte Hermann-Lambert Oediger vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Nicht nur bei der Möblierung. Frieso Gauder von g2-Landschaftsarchitekten stellte den Siegerentwurf vor. Es weist ein individuelles Banksystem auf, das ausbaubar ist und einen starken Wiedererkennungswert schafft. „Es werden Aufenthaltsbereiche und freie Flächen geschaffen. Das Gestaltungskonzept sieht ein modulares Banksystem vor, das variabel auf die jeweilige Örtlichkeit angepasst, reagieren kann.“ So seien Ausführungen als Hockerbank, mit Rückenlehne oder Armlehnen oder einzelne Hocker/Drehstühle modular kombinierbar. „Die Pflanzkübel werden in gleicher Formensprache entwickelt.“

Ruhiger Gesamtcharakter

Die Standorte werden gebündelt – es sind keine Einzelbänke vorgesehen – um dem öffentlichen Raum einen ruhigeren Gesamtcharakter zu geben und den Eindruck der Überfrachtung zu reduzieren. An Platzaufweitungen wie dem Thaddäus-Troll-Platz, der Aufweitung am Erbsenbrunnen und dem Jakobsbrunnen seien punktuell Drehstühle mit Rückenlehne oder Hocker vorgesehen. „Spiel- und Fitnesspunkte sind an der Stadtkirche sowie am Platz des Jakobsbrunnens verortet.“ Vorgesehen sind auch Stehtische, an denen beispielsweise in der Mittagspause das Essen eingenommen werden kann. „Diese sind in anderen Städten sehr beliebt.“ Vorgesehen ist ein modulares System aus robuster, nicht behandelter Holz-/Stahlkonstruktion, wobei die Sitzbänke auf den Belag aufgeschraubt und die Elemente bei Bedarf einfach demontiert werden können. Basismodul ist die Hockerbank, die mit Rücken- und Armlehnen und erhöhter Sitzfläche ausgestattet werden kann. „Das so genannte Rentnerbänkle schafft für Senioren komfortables Sitzen mit Rücken- und Armlehnen zum sicheren Aufstehen.“ Die Pflanzkübel sollen in lockerer Anordnung Akzente setzen, die Kübel sind mit Wasserspeicher ausgestattet. Für bequemes Sitzen seien auch Lounge-Möbel realisierbar.

„Wir sind froh, dass es vorangeht“, stellte Peter Mielert (Grüne) fest. Er regte an, dass bei den Fahrradbügeln eine Querstange sinnvoll sei, um auch Kinderfahrräder abstellen zu können. „Alles, was gemacht wird, stellt eine Verbesserung dar“, befand Roland Schmid (CDU). Das Holz sei für die Atmosphäre zuträglich. Marcel Schlatterer (SPD) hält das Konzept für gut, für Siegfried Deuschle (Die FrAKTION) ist es „vom Ansatz her eine gute Lösung“. Das Vorhaben sollte dabei auch auf den Marktplatz ausgeweitet werden, regte das Gremium, das die Planung begrüßte, einstimmig an.

Am 28. Januar ist ein Info- und Ausspracheabend vorgesehen, bei dem dann auch das geplante Fußgängerleitsystem vorgestellt wird. Herwig Schneider, Geschäftsführer von design und mehr, präsentierte die Vorplanung. Zur Fußball-WM 2006 wurde in der Innenstadt bereits ein Leitsystem installiert, das jetzt variiert für Bad Cannstatt umgesetzt werden soll. Statt der Stuttgartfarbe Gelb wird Rot verwendet. Auch die Cannstatter Kanne findet sich auf den Schildern. Sie sollen mit den bereits vorhandenen Wegweisern des Vereins Die Altstadt Bad Cannstatt harmonieren. Gewerbliche Ziele sind darauf nicht zu finden, sondern nur kulturelle. An einzelnen Wegweisern, den Hauptinformationen, sind zudem Übersichtspläne und ein Stadtplan vorgesehen. „Der kann so gestaltet werden, dass er für Sehbehinderte ertastbar ist“, so Schneider. Gedacht ist an eine Wegeführung vom Bahnhof Cannstatt bis zur Wilhelmsbrücke, wobei einzelne Äste abzweigen und auf weitere wichtige Punkte hinweisen. „Wir sind noch in der Vorplanung“, beschrieb der Geschäftsführer. Die einzelnen Module der Hinweistafeln sind austauschbar, so dass bei Änderungen nicht die ganze Tafel ausgetauscht werden muss. Der Bezirksbeirat hielt auch diese Planung für gelungen und eine gute Lösung.

Umsetzung ab 2021

Nach dem Aussprache- und Infoabend geht es an die Entwurfsplanung, werden die konkreten Ergebnisse nochmals dem Gremium vorgestellt, ehe es dann an das Genehmigungsverfahren geht. „Eine bauliche Umsetzung ist dann für Anfang 2021 möglich, beschrieb Stadtplaner Oediger, der sich über das positive Votum freute: „Das ist ein wichtiges Signal.“ Der Vorlauf zeihe sich, weil alles zusammen umgesetzt werden soll. Oediger gab zu bedenken, dass bei den nächsten Haushaltsplanungen gleich an Unterhaltungsmittel für beide Maßnahmen zu denken sei.

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