Das Cannstatter Tor ist am Samstag, 13. April, zum letzten Mal geöffnet. Foto: Rehberger - Rehberger

Das Bahnhofsrestaurant in Bad Cannstatt hat am 13. April zum letzten Mal geöffnet. Gastronom Wolfgang Lang will kürzertreten. Die Räumlichkeiten werden saniert. Wann und wie es weitergeht, ist noch offen.

Bad Cannstatt Aus der Wartehalle für die Bahn-Passagiere der ersten und zweiten Klasse wurde ein gastronomischer Betrieb mit Geschichte. Jetzt droht der Bahnhofsgaststätte eine längere Pause. Denn das Cannstatter Tor hat am Samstag, 13. April, zum letzten Mal geöffnet. Seit 2004 führte Wolfgang Lang das Restaurant. „Jetzt bin ich fast 70 Jahre alt und will mich verkleinern.“ Denn der Gastronom hat noch weitere Betriebe, etwa die Alte Ziegelei in der Burgholzstraße, das Luginsland in der Fellbacher Straße und den Hengstsetter Hof in Althengstett. Und da die Bahn die Räumlichkeiten komplett sanieren will, nutzt er die Gelegenheit. „Die Räume sind in die Jahre gekommen, eine Sanierung daher dringend nötig“, beschreibt Lang. 150 Sitzplätze bietet das Cannstatter Tor, einen barrierefreien Zugang – und als Dank für die Gäste noch einen Abschieds-Rostbraten mit Spätzle oder Pommes und Salat für zehn Euro.

Das Bahnhofs-Restaurant hat eine lange Geschichte, die viele Jahre mit dem Namen Atz verbunden war. 1956 übernahm Hans Atz die Bahnhofs-Gastronomie. Er hatte unter 100 Bewerbern den Zuschlag erhalten. Die Gaststätte übergab er 1967 seinen Söhnen Hans und Gerd Atz, die neuen Schwung reinbrachten. Es wurde renoviert und umgebaut, die „Scheune“ und die „gute Stube“ und schließlich der „Atz’sche Bahnhof“ eröffnet, ein Selbstbedienungsrestaurant und ein Handelsbereich mit Backshop und für Waren für den täglichen Bedarf. Am 31. März 1994 übergaben sie die Bahnhofs-Gastronomie an Alexander Laub, blieben als Festwirte auf dem Volksfest für Schwabenbräu.

Nachfolger Laub, der auch später als Volksfest-Wirt im Schwabenbräu-Zelt tätig war, betrieb bis Ende 2002 das Bahnhofs-Restaurant, zu dem auch „Die gute Stube“, die „Scheuer“, der „Blitz-Schwob“, der Backshop mit Tabakwaren und Toto-Lotto-Annahmestelle gehörten. Der Pachtvertrag wurde aufgelöst. Die Deutsche Bahn wollte auf Erlebnis-Gastronomie setzen. 40 Mitarbeiter verloren ihren Job, zahlreiche Stammtische und die Jazz-Society mussten sich umorientieren.

Zweieinhalb Jahre wurde umgebaut und saniert, die alte Raumhöhe der Wartehalle von 6,50 Meter wurde hergestellt, nach harten Verhandlungen mit dem Denkmalamt, Parkettboden verlegt, die Küche erneuert. Geschäftsmann Achim Sautter, der schon in den Bahnhöfen Balingen, Rottweil, Schwenningen, Überlingen, Radolfzell und Freudenstadt betrieb, eröffnete im Mai 2004 das Can mit Expressbar und Restaurant. Hell und transparent ist es geworden – doch der erwartete Besucherzuspruch blieb aus. Nach nur zwei Monaten wurde die Reißleine gezogen und das Can wieder geschlossen. „Wir haben die erwarteten Zahlen nicht erreicht“, begründete Sautter damals. Im Dezember 2004 übernahm der erfahrene Gastronom Wolfgang Lang die Räume und eröffnete das Cannstatter Tor nach einer Umgestaltung. Der Bahnhofshallen-Charakter war weg, die Räume farblich gestaltet. Von einer Wand prangte eine Zeichnung der Sieben Schwaben in Aktion. Das Restaurant wurde wieder rustikaler gehalten, das Speisenangebot auf gut-bürgerlich angelegt, es gab Mittagstisch. Wann und wie es mit dem Bahnhofsrestaurant weiter geht, ist offen.

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