Wulf Wager (in Uniform der Stadtgarde zu Pferd), Hauptmann Stephan Kahlen (Mitte) und Oberlieutenant Martin Motschenbacher zeigen, wie die Uniformen des Cannstatter Schützencorps aussehen könnten. Foto: Martina Fürstenberger - Martina Fürstenberger

Eine Truppe Männer will beim Volksfestumzug 2020 erstmals wieder als Schützencorps auftreten. Dazu wurde am Donnerstagabend im Küblerhaus eigens eine neue Abteilung des Cannstatter Volksfestvereins gegründet.

Bad Cannstatt Als König Wilhelm vor 200 Jahren zum Volksfest zog, ließ er sich von der Stuttgarter Stadtgarde zu Pferd und vom Bürgerlichen Schützencorps von Cannstatt begleiten. Eine Truppe Männer will diese Tradition wieder aufleben lassen und beim Volksfestumzug 2020 erstmals wieder als Schützencorps auftreten. Dazu wurde am Donnerstagabend im Küblerhaus eigens eine neue Abteilung des Cannstatter Volksfestvereins gegründet. Stephan Kahlen und Martin Motschenbacher werden die Gruppe als Hauptmann beziehungsweise Oberlieutenant anführen.

Wulf Wager, der als Vorstand des Volksfestvereins die junge Abteilung begleitet, erklärt die historischen Hintergründe: „Bürgerwehren wurden im Mittelalter zur Verteidigung der Städte gegründet. Jede Zunft war für einen bestimmten Abschnitt zuständig. Im 18. Jahrhundert wurden die Bürgerwehren uniformiert.“ Mit dem Aufkommen der stehenden Heere verloren die Bürgerwehren ihre ursprüngliche Funktion und wurden aufgelöst oder dienten nur noch repräsentativen Zwecken. „König Friedrich I. hat die Bürgerwehr damals verboten, doch sein Nachfolger König Wilhelm I. hat sie wieder eingeführt, und zwar zur Ordnung des landwirtschaftlichen Volksfestes.“ Wie die Männer damals ausgesehen haben, weiß man ziemlich genau: Auf einem historischen Bild sind die Uniformen samt Kopfbedeckung und Ausrüstung von allen Seiten abgebildet. Zum dunkelgrünen Rock, so beschreibt es eine Quelle aus dem Hauptstaatsarchiv, trägt man grüne Beinkleider, ein Stutzengewehr und einen kurzen Säbel. „Eine Besonderheit sind die Zylinder mit Roßhaarbusch, das hat sonst keine andere Bürgerwehr“, so Wager. Nur der Kommandant trägt einen Schiffhut.

Rund 20 Männer hatten sich im Küblerhaus zur Gründungsversammlung eingefunden, langfristig soll das Schützencorps aus 30 Männern bestehen. Die Uniformen werden bei einem Spezialausstatter in Auftrag gegeben. Für die Ausstattung gibt es 20 000 Euro vom Volksfestverein, 20 000 Euro aus Landesmitteln, weitere 20 000 Euro sollen durch Spenden und Sponsoren eingeworben werden. Die Waffen will man sich vorerst bei einem Verein aus Neuhausen ausleihen.

Wer mitmachen will, muss Mitglied im Volksfestverein sein oder werden, außerdem wird ein „gesitteter Lebenswandel“ verlangt. Frauen müssen draußen bleiben. „Es soll in zwei bis vier Jahren einen Spielmannszug und einen Musikzug geben, wo auch Frauen dabei sein werden“, so Wager. Der Musikverein Bad Cannstatt und der Spielmannszug des Kübelesmarktes wollen hier mitwirken.

„Wichtig ist: Wir sind kein paramilitärischer Verein, sondern ein Ehrencorps“, betont Stephan Kahlen. Auch als Karnevalsverein sehe man sich nicht. Ziel sei vielmehr die Förderung der Heimatkunde und Heimatpflege. Damit das Ganze bei Auftritten gut aussieht, muss nun geübt werden: Das richtige Marschieren soll bis nächstes Jahr ebenso sitzen wie die maßgeschneiderten Uniformen. Kahlen und Motschenbacher werden dabei unterstützt von Björn Schwarze (Lieutenant), Swen Schwarm (Oberjäger), Robert Rodzga (Fähnrich), Stephan Neuser (Oberfourier), Jürgen Kniebühler (Zahlmeister) und Thomas Heilig (Kämmerer). Die Stadtgarde zu Pferd, deren Rittmeister Wulf Wager ist, ist die Patenwehr der neuen Truppe. Erstmals vorstellen will man sich am 14. und 15. März beim Landesverband der historischen Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg/Hohenzollern in Crailsheim.

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