Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist der künftige Fischbestand im Max-Eyth-See. Foto: Uli Nagel - Uli Nagel

Während die Stadt rund 650 000 Euro für erste Maßnahmen am Max-Eyth-See zur Verfügung stellen will, fordert der Umweltausschuss eine Bürgerbeteiligung für das geplante Seekonzept.

HofenDas Fischdrama im Max-Eyth-See, bei dem laut dem Württembergischen Anglerverein fast der komplette Tierbestand verendet ist, hat Bewegung in die zuständigen Ämter gebracht. Rund 650 000 Euro für ein erstes Maßnahmenpaket – so das Versprechen von Technikbürgermeister Dirk Thürnau gestern im Ausschuss für Klima und Umwelt – sollen nachträglich in den Haushaltsentwurf 2020/21 eingestellt werden. Allein das Installieren von festen Belüftungsanlagen, die den See praktisch per Knopfdruck mit sauerstoffreichem Wasser versorgen können, kostet 200 000 Euro.

Nach der Umweltkatastrophe sparten Bürger nicht mit Kritik an der Verwaltung und den zuständigen Bürgermeistern. Sie hätten viel zu spät reagiert und zudem kein „Notfallmanagement“ in der Schublade gehabt. Vorwürfe, die gestern Dirk Thürnau nicht unkommentiert im Raum stehen lassen wollte: „Wir haben nichts verpennt.“ Thürnau verwies auf die Tatsache, dass die Stadt bereits seit mehr als zehn Jahren sich dem brisanten Thema „Sauerstoffmangel“ gewidmet hätte. Seit 2008 wird über das Pumpwerk Hofen Frischwasser in den See geleitet. Seit 2011 ist zudem die Schleuse zum Neckar dicht, sodass über den Fluss kein nährstoffreiches Wasser mehr in den See gelangen kann. Dessen Nährstoffgehalt wurde zudem mehrfach mit Fällmitteln reduziert. „Zu guter Letzt haben wir 2017 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Umsetzung einer stationären Belüftungstechnik untersuchen sollte“, so der Technikbürgermeister, der gegenüber dem Umweltausschuss noch einmal betonte, dass eine Entschlammung des Max-Eyth-Sees nicht nur aufwendig, sondern mit rund zehn Millionen Euro sehr teuer wäre. „Ob es einen positiven Effekt hat, kann keiner versprechen“, sagte der Technikbürgermeister. Auch der Vorschlag, den See leer zu pumpen und anschließend zu vertiefen, ist allein schon wegen der extrem hohen Kosten keine Alternative. Bekanntlich wurde der See 1970 schon einmal leergefischt, abgelassen und anschließend mit Bauschutt aufgeschüttet. Worum es sich dabei handelt, weiß heute keiner mehr. Laut Altlastenatlas soll jedoch keine Umweltgefährdung vorliegen.

Einig waren sich sämtliche Fraktionen, dass sich die Bilder von massenhaft toten Fische nicht mehr wiederholen dürfen. „Die Stadt muss sich jedoch überlegen, wie viele Fische der See künftig verträgt“, sagte Gabriele Munk (Die Grünen). Eine weitere Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt zu verbessern, sehe sie in der Erweiterung der Schilfzone. Was Munk wichtig ist: ein runder Tisch, an dem auch Bürger und Nutzer des Max-Eyth-Sees Platz nehmen können. Auch Lucia Schanbacher wünscht sich ein städtisches Engagement in diese Richtung, denn der See und seine Umgebung werden vor allem von den Menschen genutzt, die sich keinen eigenen Garten leisten können. Philipp Hill (CDU) forderte ein für die Bürger transparentes Konzept, zumal deren große Betroffenheit sich in der harschen Kritik an der Verwaltungsspitze widergespiegelt hätte. Hannes Rockenbauch (SÖS) könnte sich eine weitere Renaturierung des Ufers vorstellen und Deborah Köngeter von der Fraktionsgemeinschaft PULS fragte, wer an dem Gutachten für den Fischbestand beteiligt sei. „Wir hatten in der vergangenen Woche ein intensives Gespräch mit dem Bezirksamt Mühlhausen, der Christoph-Sonntag-Stiphtung und dem Anglerverein“, sagte Wolfgang Schanz, Leiter des Tiefbauamts. Die künftige Anzahl der Fische sei natürlich sehr wichtig und müsse genau abgewogen werden. Entscheidend für die Zukunft des Max-Eyth-Sees sei jedoch, dass er künftig mit mehr Frischwasser als heute versorgt wird.

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