Quelle: Unbekannt

In der Stadtteilbibliothek ist derzeit eine kleine, feine Ausstellung zu sehen: Unter dem Titel „Untertürkheim im Wandel“ werden die bauliche Veränderungen im Ort dokumentiert.

Untertürkheim In der Stadtteilbibliothek Untertürk heim ist bis zum 10. Januar 2020 eine kleine stadtgeschichtliche Ausstellung zu sehen: Der hiesige Bürgerverein präsentiert unter dem Titel „Untertürkheim im Wandel“ Fotos, die die wichtigsten baulichen Veränderungen im einst beschaulichen Wengerterort dokumentieren, der sich im 20. Jahrhundert zu einem der führenden Industriestandorte Württembergs entwickelte. Es ist eine Zeitreise überwiegend in Schwarz-weiß. Einen Vorher-Nachher-Vergleich sucht man indes vergebens. Jeder wisse ja, wie es jetzt aussehe, meint Klaus Enslin, der Vorsitzende des Bürgervereins Untertürkheim-Rotenberg.

Anlass für die Schau sei das 60-jährige Bestehen der Ortsbücherei gewesen, berichtet Enslin. Die Leiterin der Einrichtung habe ihn gefragt, ob es denn Fotos vom Ort aus den 1950er- und 1960er-Jahren gebe. „Das war gar nicht so einfach“, räumt er ein. Enslin selbst musste passen, er lebt erst seit 1981 in Untertürkheim. Aber er habe sich umgehört – und stieß so auf Rolf Hild. Dieser wohnt seit Jahrzehnten in der Widdersteinstraße und hat die Veränderungen vor der eigenen Haustür mit der Kamera festgehalten. Der Aha-Effekt ist dabei garantiert: Wer erinnert sich noch daran, dass bis 1983 Autos durch die heutige Fußgängerzone fuhren? Wer weiß noch, dass die Widdersteinstraße früher Schulstraße hieß und dort gleich zwei Schulen standen? „Sie wurde im Jahr 1936 umbenannt, weil es in Stuttgart durch die Eingemeindungen mehrere Schulstraßen gab“, erzählt Enslin.

Kaum wiederzuerkennen ist auch der heutige Leonhard-Schmidt-Platz zwischen Bahnhof und Post auf einer Aufnahme um 1930 – den abgelichteten Gasthof Bahnhof gibt es lange schon nicht mehr. Auch der nahe Storchenmarkt im Ortskern ist eines jener Bauprojekte der Neuzeit, die das Ortsbild Untertürkheims nachhaltig veränderten. Die Wallmersiedlung, die in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz steht, ist hingegen leicht wiederzuerkennen. Die fast 90 Jahre alten Fotos könnten von heute stammen – nur die Mode der Frauen und Kinder, die vor den 1929 bis 1931 im Bauhausstil errichteten Häusern abgelichtet wurden, entspricht nicht dem Zeitgeist. Der verantwortliche Architekt war Richard Döcker, der bereits 1927 für die experimentelle Weißenhofsiedlung des Deutschen Werkbunds zwei Gebäude konzipiert hatte. Auf dem Killesberg ist derzeit eine Ausstellung über ihn zu sehen, „die wollen wir im nächsten Jahr nach Untertürkheim holen“, kündigt Enslin an. Zu sehen sind auch Aufnahmen aus dem Archiv des Haus der Geschichte, die Untertürkheim im Jahr 1904 zeigen. „Damals war der Ort noch nicht so zugebaut“, sagt Enslin mit Blick auf Ackerflächen und Gemüsebeete vor den Toren des Ortes. Und die Weinberge waren einst von dutzenden Mäuerchen durchzogen – bis zur Rebflurbereinigung in den 1970er-Jahren.

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