Mit diesem Foto wirbt die Filmcommission Foto: Max Leitner (z) - Max Leitner (z)

Filmcommission Region Stuttgart wirbt mit Postkartenset für besondere Schauplätze. Jedes Jahr etwa 300 bis 400 Anfragen von Filmschaffenden.

Hedelfingen Jedes Jahr bringt die Film Commission Region Stuttgart ein Set mit elf ganz speziellen Postkarten heraus – die Motive sind interessante Orte, die sich als Kulisse für Dreharbeiten anbieten. Die Postkartenserie soll Filmschaffende und Drehbuchautoren inspirieren – und vielleicht wird dadurch auch mal ein Kinofilm in Hedelfingen gedreht. Die Kreuzkirche ist nämlich im diesjährigen Postkartenset – einem in der Branche wichtigen Marketinginstrument – enthalten. Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum von Bauhaus war es den Initiatoren der Aktion ein großes Anliegen, dieses weltweite Kulturereignis aufzugreifen.

Der Bauhaus-Gedanke wurde in Weimar geboren und von dort aus in die ganze Welt getragen, eine Moderne die sich selbst immer wieder neu erfand und weiterentwickelte. Auch hier in den Regionen. Noch heute steht der Begriff Bauhaus für Funktionalität und Ästhetik. Mit der Weissenhofsiedlung entwickelte sich 1927 in Stuttgart eines der einflussreichsten Vorbilder der aufkommenden modernen Architektur. Inspiriert von der Bewegung des Neuen Bauens entstanden mittels neuer, hochwertiger Werkstoffe und innovativer Bautechniken sachliche, zweckbetonte Bauten. Nachwirkungen dieser Zeit zeigen sich bis heute in der kubistischen Bauweise moderner Architektur – rationalisiert, typisiert – und trotzdem individuell.

Neuartige Bauweise

Auc h die Hedelfinger Kreuzkirche ist ein Dokument dieser Epoche: „Das Äußere der Kirche: nun, es will das getreue Abbild des Inneren sein, ohne Zutaten und falschen Schein.“ So beschreibt der Architekt Paul Trüdinger den Außenbau der 1930 eingeweihten Kirche und folgt damit dem Konzept des Neuen Bauens – aus Raumprogramm und Grundriss folgern die Fassaden. Durch die neuartige Bauweise mittels eines Stahlskeletts konnte die Kirche innerhalb von nur einem Jahr fertiggestellt werden.

Der Stuttgarter Fotograf Max Leitner hat es geschafft, den unverwechselbaren Stil zu dokumentieren und selbst kleine Kunstwerke erschaffen. Die Motive, alle in einer ganz besonderen wie kraftvollen Stimmung aufgenommen, stammen aus den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb und werden als mögliche Drehorte präsentiert. Zum Beispiel die beiden Stationsgebäude der Stuttgarter Standseilbahn zum Waldfriedhof im puristischen Bauhausstil. Aber auch das ebenfalls 1929 eröffnete Heslacher Bad, dessen mit horizontalen Lichtbändern versehenes Dach von neun Stahlbetonbögen getragen wird. Diese neuartige Konstruktionsweise gehörte damals zu den Strömungen des Neuen Bauens im Umfeld der Bauhaus-Architektur. Abgelichtet hat Leitner ebenso die Wohnstadt Asemwald aus dem Jahre 1959 – die Architekten Otto Jäger und Werner Müller wurden von der Idee der vertikalen Stadt von Le Corbusier inspiriert – und das „Laufwasserkraftwerk“ in Bad Cannstatt. Es gilt als der gelungenste Kraftwerksentwurf von Paul Bonatz. Der nahtlose Übergang der einzelnen Gebäudeteile, die über Eck ausgebildeten Fenster, sowie die Sichtbetonfassade sind deutliche Stilelemente des damals aufkommenden Architekturstils des Neuen Bauens. Natürlich fehlt auch die Weißenhofsiedlung nicht: In nur wenigen Monaten wurden damals 33 kubische Flachdachhäuser gebaut, die aufgrund ihrer visionären Architektur Teil des Unesco-Weltkulturerbes sind – Leitner hat sie in der Abenddämmerung aus der Vogelperspektive fotografiert. Weitere Motive sind der Badepavillon der Villa Märklin in Göppingen, die Pause in Mössingen, das Haus Krohmer in Mauren, das Gebäude Walter Knoll in Herrenberg und das Haus auf der Alb in Bad Urach. Insgesamt wurden 3000 Postkartensets gedruckt. Sie sind auf Anfrage bei der Film Commission erhältlich.

Die Aktion, berichtet Julia Büchele von der Film Commission, wurde 2010 zum ersten Mal durchgeführt. Und sie trage Früchte, berichtet Büchele stolz. Tatsächlich würden auf diese Weise Orte als Drehkulisse bekannt: So werde zum Beispiel die stillgelegte Kläranlage im Oeffinger Weidachtal, die 2017 ein Postkartenmotiv war, immer wieder angefragt. „Im Durchschnitt hat die Film Commission jedes Jahr etwa 300 bis 400 Anfragen von Filmschaffenden, sowohl zur Location- als auch zur Produktionssuche.“ Oft würden sich die Filmemacher direkt bei den jeweiligen Motivgebern mit einer Drehanfrage melden, weshalb man keine konkreten Informationen darüber habe, wie häufig welcher beworbene Ort als Kulisse dient. Büchele betont jedoch, dass jedes Jahr in der Region Stuttgart „eine große Anzahl von Filmen und Serien“ entstehe.

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