Die Kita Memeler Straße soll abgerissen und neu gebaut werden. Foto: Iris Frey - Iris Frey

Im Stadtbezirk Mühlhausen fehlen Kita-Plätze, insbesondere für Kinder von drei bis sechs Jahren. Zudem hat die Kita Memeler Straße einen Einstellungs-Stopp. Sie soll abgerissen und wieder neu gebaut werden.

MühlhausenBei der Versorgung mit Kindertagesstätten-Plätzen sieht es in Mühlhausen schlecht aus, wie Monika Painke von der Jugendhilfeplanung der Stadt Stuttgart kürzlich im Bezirksbeirat erklärte. „Gäbe es die Gesamtstadt nicht, würden viele Eltern in die Röhre schauen“, sagte Painke. Als Gründe für die schlechte Versorgungslage führte sie an, dass die Geburtenzahlen gestiegen seien. 2012 wurden in Stuttgart 16 128 Kinder im Alter von Null bis drei Jahren gezählt, 2018 waren es 18 351 Kinder. Der prozentuale Versorgungsgrad sei nicht mit gestiegen. Stadtweit gebe es eine Versorgungsquote von 44,9 Prozent bezogen auf alle Altersgruppen für Kita-Plätze von acht Stunden und mehr.

Dazu kam noch von der Bürgersprechstunde die Frage, wie es mit der Kita Memeler Straße aussieht, die wohl saniert werden soll. Es gebe dort einen Aufnahmestopp. Painke bestätigte, dass die Einrichtung umgebaut werden soll.

Bei den Drei bis Sechsjährigen gebe es stadtweit eine 70-prozentige Versorgung. Auf Mühlhausen bezogen gebe es bei den unter Dreijährigen einen Versorgungsgrad von 38 Prozent. Im vergangenen Jahr hätten 64 Kindern keinen Platz in Mühlhausen gefunden. Geplant seien 58 Plätze. Doch das sei zu wenig. Bei den Drei- bis Sechsjährigen betrage der Versorgungsgrad 88,3 Prozent in Mühlhausen. Das bedeute, dass Eltern für 140 Kinder einen Platz stadtweit suchten.

In Mühlhausen gebe es 700 Kinder im Alter von Null bis drei Jahren und 700 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Zahlen seien leicht gestiegen. Ihnen stünden 213 Ganztagesplätze zur Verfügung für Null- bis Dreijährige und 417 Plätze für Drei- bis Sechsjährige. Geplant würden zwei Gruppen für Null- bis Dreijährige und zwei Gruppen für Drei- bis Sechsjährige. Durch Neubauprojekte soll versucht werden, Entlastung zu schaffen. Vieles verzögere sich, auch durch die Auslastung der Ämter, so Painke. Bei den Bauprojekten im Welsweg gehe es gut voran auch im Rilkeweg würden zehn Plätze für Null- bis Dreijährige geschaffen. Auch ins Ökumenische Zentrum Neugereut soll eine Kita ziehen.

Abriss der Kita Memeler Straße

In der Memeler Straße werde die Kita abgerissen und neu gebaut, um mehr Ganztagesplätze und mehr Plätze für Null- bis Dreijährige zu ermöglichen. Es seien Baukosten für den kommenden Haushalt beantragt. „Wir hoffen, dass es Ende 2020 zur Vergabe kommen könnte und eineinhalb Jahre später dann zur Fertigstellung“, so Painke. „Ich war überrascht vom Aufnahmestopp“, sagte die Mitarbeiterin der Jugendhilfeplanung. Sie hoffe, dass es nochmals überdacht werde und ein ausreichend großes Ausweichquartier gefunden werde, bis der Neubau entsteht. Dem Bezirksbeirat Mühlhausen riet sie, darauf zu drängen, dass möglichst wenig Kita-Plätze reduziert werden. Bei allen Nachverdichtungsprojekten würde nach Möglichkeiten für Kitas geschaut.

In der Gesamtstadt gebe es eine Versorgungsquote von 107 Prozent auf dem Papier, also mehr Plätze, als es Kinder gebe. Doch nicht abgezogen würden in der Statistik die Plätze bei Umbau und Sanierung. Bezirksbeirätin Heike Funk (CDU) schlug vor, diese einzurechnen. Johannes Jäger (SPD) kritisierte, dass auch die konfessionellen Träger eigene Wartelisten hätten. Die Zahlen seien deshalb nicht eindeutig. Painke erklärte, dass es Verhandlungen mit den freien Trägern gebe, die Wartelisten zu vereinheitlichen. Jäger appellierte, an aufgeschlüsselte Zahlen für die Stadtbezirke. Diese versprach Painke, das nächste Mal mitzubringen.

Eine Warteliste für Drei- bis Sechsjährige werde nicht geführt, nur für die Null- bis Dreijährigen. Da seien vergangenes Jahr 64 Kinder draufgestanden, die keinen Platz in Mühlhausen gefunden hätten. Gerd Schmid (FDP) appellierte, auch eine Warteliste für die Drei- bis Sechsjährigen in allen Kitas zu führen. Und Ferhat Gündüz (Grüne) bat, Eingewöhnungsphasen schneller zu machen, dass es nicht ein halbes Jahr dauere. Johannes Schlichter (CDU) fragte nach der Walchenseestraße und den Möglichkeiten des Kinder-Transportes von Mönchfeld nach Hofen. Painke erklärte, hier sei die Frage, wer es bezahle und aus welchen Mitteln. Sie werde den Wunsch mitnehmen, dass das Interesse groß sei. Melih Göksu (Grüne) frage nach den Kooperationen mit privaten Einrichtungen. Painke erklärte, auch diese würden von der Stadt unterstützt. Hartmut Brust (Freie Wähler) fragte nach der Personalsituation der Erzieherinnen. „Alle Träger haben unbesetzte Stellen“, so Painke. Genaue Zahlen hatte sie nicht. Bezirksvorsteher Bohlmann forderte Painke auf, beim nächsten Besuch zu präzisieren, wie die Stadt auf die Unterdeckung reagiere.

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