Helmut Nanz im Büro seiner Stiftung, die ihren Sitz im früheren Firmenverwaltungsgebäude in der Augsburger Straße 554 hat. Foto: Elke Hauptmann - Elke Hauptmann

Der frühere Unternehmer gilt heute als einer der wichtigsten Stifter Stuttgarts. Wir sprachen mit dem 76-Jährigen über die Beweggründe für sein Engagement.

ObertürkheimHelmut Nanz war Vorstandsvorsitzender der Nanz-Gruppe, die 1996 im Lebensmittelkonzern Edeka aufgegangen ist. Noch immer betätigt sich die Familie unternehmerisch, stellt darüber hinaus einen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zur Verfügung. Vor gut 20 Jahren hat er die nach ihm benannte gemeinnützige „Helmut Nanz Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung“ gegründet. Es blieb nicht allein bei diesem Engagement – Helmut Nanz gilt inzwischen als einer der wichtigsten Stuttgarter Stifter. Wir sprachen mit dem 76-Jährigen über seine Beweggründe. Herr Nanz, was hat Sie damals bewogen, die Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung zu gründen?
Es waren im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen habe ich damals gesagt, wir können nicht alles Geld ins Familienunternehmen reinvestieren, sondern wir müssen auch etwas für die Allgemeinheit tun. Für mich gehört Geben einfach dazu, wenn es einem selbst gut geht. Zum anderen sollte auch die nächste Generation der Familie eine Verpflichtung übernehmen, sich aber nicht nur um Firmenanteile kümmern, sondern ebenso um etwas Gemeinnütziges. Man muss Kindern vermitteln, dass Geld nicht vom Himmel fällt und man mit Engagement etwas erreichen kann. Und Sie kamen gleich auf die Idee, die Kunst zu fördern?
Nicht ganz, zunächst initiierten wir eine Umweltstiftung, weil Ende der 1990er-Jahre das Thema Umweltschutz groß aufkam. Wir haben dann aber gesehen, dass da schon sehr viel Arbeit geleistet wurde, gerade auch durch zahlreiche Stiftungen. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Aktivitäten in den pädagogischen Bereich zu verlagern. Aus der Stiftung für Umweltpflege und Kunst wurde die Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung. Was sind die Ziele der Stiftung?
Es ist in der Satzung festgeschrieben, dass wir Einrichtungen wie die Musikschule und Musikhochschule, die Schulen generell, in ihrer Arbeit unterstützen. Es ist mein Wunsch, mit Kunst, speziell der Musik, jungen Menschen nicht nur Wissen, sondern auch Muße zu vermitteln. Der Fokus unserer Stiftung ist deshalb vor allem auf die Nachwuchsförderung gerichtet. Weshalb braucht es eine solche Stiftung?
Der Musikunterricht fällt heute häufig aus oder es fehlen Musikinstrumente. Selbst die verhältnismäßig gut ausgestattete Musikschule Stuttgart braucht immer wieder mal ein neues Instrument oder benötigt Geld für bestimmte Projekte. Der Staat kann hier nur in begrenztem Umfang Unterstützung leisten. Wir sind sozusagen das Sahnehäubchen auf dem Kuchen der Finanzierung.

Haben Sie denn ein besonderes Verhältnis zur Musik?
Das Interesse ist natürlich da. Ich spiele selbst Klavier, liebe Musik – früher Jazz, heute Klassik. Das spiegelt sich in meinen Aktivitäten wieder – ob es die Bachakademie ist oder das Stuttgarter Kammerorchester, die Ludwigsburger Schlossfestspiele oder der Knabenchor collegium iuvenum.

Mit welchem Kapital ist die Stiftung ausgestattet?
Ich kann es ad hoc gar nicht genau sagen, aber es ist eine gute einstellige Millionenzahl. Wir bauen das Vermögen ständig auf, stecken jedes Jahr einen kleinen Teil in das Stiftungskapital. Die Erträge werden für die Projekte verwendet.

Wie viele Projekte unterstützen Sie mit Ihrer Stiftung?
Das variiert sehr stark. Neben etlichen kleinen Dingen sind es meistens sechs bis zehn größere Projekte jährlich. Fürs nächste Jahr haben wir sechs Projekte ganz unterschiedlicher Art ausgewählt.

Können Sie einige Beispiele nennen?
Das Stuttgarter Kammerorchester feiert 2020 sein 75-jähriges Bestehen und zu diesem Jubiläum erhält es von uns einen Zuschuss. Dann unterstützen wir das Kesselblech Brass Festival der Musikhochschule im Juli und das Musikfest für Kinder und Jugendliche der Musikschule im November. Auch an der Domsingschule fördern wir ein Projekt.

Wie hoch fallen die Zuwendungen aus?
Die Summen sind recht unterschiedlich. Schon 500 Euro sind für manche Antragsteller sehr wichtig. Zum Beispiel für einen Kindergarten, der Instrumente anschaffen will, oder für eine Kirchengemeinde, die eine Weihnachtsaufführung plant. Es können aber auch mal einige tausend Euro für eine besondere Veranstaltung sein. Prinzipiell wollen wir den Einzelbetrag nicht zu hoch ansetzen und Mitstifter gewinnen, um die Projekte auf eine breite Basis zu stellen. Unsere Förderung ist auch nicht auf Dauer angelegt, sondern auf maximal drei Jahre. Wir leisten in der Regel nur eine Anschubfinanzierung.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekte aus?
In erster Linie fragen wir uns, ob sie pädagogisch interessant sind oder aus der Historie heraus etwas Besonderes. Wir haben ein Gremium, in dem Familienmitglieder vertreten sind, das über die Zuwendungen entscheidet. Da wir eine gemeinnützige Stiftung sind, prüfen wir natürlich, ob die Vorhaben auch förderwürdig sind.

Wird die Stiftung mit Förderanträgen überhäuft?
Dadurch, dass unser Stiftungszweck ziemlich klar definiert und nicht so weit gefasst ist, können wir verschiedene Dinge von vornherein ablehnen. Wir haben zum Beispiel in unserer Satzung stehen, dass nur Projekte von Einrichtungen mit Sitz in Stuttgart gefördert werden können. Durch diese regionale Begrenzung hält sich die Zahl der Anträge in Grenzen. Aber es sind immer noch genug, wir erhalten jede Woche Anfragen. Der Unterstützungsbedarf ist hoch.

Ist die Stiftungsarbeit für Sie Herzensangelegenheit oder Verpflichtung?
Es ist in erster Linie Herzensangelegenheit. Es macht doch Freude, zum Beispiel ein Konzert vom collegium iuvenum zu hören. Dass wir die Aufführung mitfanziert haben, erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Es ist in gewisser Weise aber auch Verpflichtung. Es braucht einfach Stiftungen. Der Staat kann nicht alles leisten und soll es auch nicht.

Sehen Sie sich als Wohltäter?
Nein. Der Begriff Wohltäter hat so etwas Missionarisches. Das bin ich nicht. Ich helfe lediglich in einigen Bereichen aus. Mäzen trifft es wohl eher. Aber ich kann sagen, dass ich stolz bin auf die Stiftungsarbeit und werde so lange wie möglich weitermachen.

Die Fragen stellte Elke Hauptmann.

Zur Person

Der Unternehmer Helmut Nanz studierte Betriebswirtschaftslehre und stieg 1969 als Mitglied der Geschäftsleitung in das Lebensmittel-Filialunternehmen der Familie ein. Von 1982 bis 1998 war er Vorstandsvorsitzender der Nanz-Gruppe. Die Märkte wurden 1996 an Edeka verkauft. Inzwischen betreibt Nanz unter der Holding ZAR Nanz medico zusammen mit Mitgesellschaftern bundesweit mehrere Zentren für ambulante Rehabilitation. Weitere geschäftliche Schwerpunkte sind internationale Immobilienentwicklung und -verwaltung.

De r Stifter Im kulturellen Bereich betätigt sich Helmut Nanz unter anderem als Vorsitzender der Stiftung des Stuttgarter Kammerorchesters, ist Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Ludwigsburger Schlossfestspiele und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart, Stiftungsrat der Stiftung Stuttgarter Musikschule und Vorstand der Jugendstiftung collegium iuvenum. Außerdem
ist er Ehrenpräsident der DRF Luftrettung e.V.

Der Privatmann Helmut Nanz, 1943 in Stuttgart geboren, ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und elf Enkelkinder. Er lebt in Stuttgart und am Tegernsee, sammelt Musikautographen.

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