Der Kulturforum-Vorsitzende Wolf Wölfel organisiert das Programm. Foto: Mathias Kuhn - Mathias Kuhn

Das Kulturforum Uhlbacher Rathaus feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Seit 20 Jahren wird ein abwechslungsreiches Programm angeboten. Wolf Wölfel, der Vorsitzende, gestaltet es maßgeblich mit.

Uhlbach Der Kulturhausverein begeht dieses Jahr ein kleines Jubiläum: Vor 20 Jahren haben die Ehrenamtlichen und die Stadt mit dem Umbau des Alten Rathauses Uhlbach zum heutigen kulturellen Treffpunkt im Stadtteil begonnen. Vor Beginn an war den Vereinsmachern klar: Im selbstfinanzierten Bürgerhaus wollen sie ein attraktives Kultur- und Bildungsprogramm bieten. Der Vereinsvorsitzende Wolf Wölfel berichtet wie das gelingt.

Vor 20 Jahren war das Rathaus noch eine Baustelle. Wie waren die Anfänge?
Ende 1999 wurde der Verein gegründet. Das Rathaus war verfallen, die Stadt wollte es an Privatinvestoren verkaufen. Uhlbacher kämpften für den Erhalt des Gebäudes. Es sollte ein Bürgerhaus werden. In Verhandlungen mit der Stadt erklärte sich der Verein bereit, den Umbau zum Bürgerhaus in die Hand zu nehmen. 900 000 Mark waren veranschlagt, der Verein musste 200 000 Euro in Eigenleistung tragen. Der Umbau zog sich bis 2003 hin. Kulturveranstaltungen waren damals bereits das Vereinsziel?
Von Beginn an wollten wir ein Bürgerhaus mit Kulturangebot. Wir sind mittlerweile das einzige sich selbst finanzierte Bürgerhaus. Wir bekommen keine Zuschüsse der Stadt. Das Gebäude ist Eigentum der Stadt, Besitzer ist aber unser Verein. Wir müssen alles selbst machen. Die Stadt ist nur verantwortlich für Dach und Fach, also für die Außenfassade. Für alles andere, was innerhalb der Fenster und Türen liegt, ist der Verein verantwortlich. Wir müssen diese Kosten erwirtschaften. Wie schaffen Sie das?
Wir haben drei Säulen: Vermietungen, Mitgliedsbeiträge und eigene Veranstaltungen. Wir können die Räume vermieten für Meetings von Firmen beispielsweise. Beliebt ist das Fachwerkgebäude für Trauungen. Das historische Rathaus ist ein Wunschtrauort. Wir haben deshalb ein spezielles Betreuungsteam für die 40 Trauungen im Jahr. Die Mitgliedsbeiträge dienen dann als gesicherter Faktor?
Durchaus. Wir haben immerhin mehr als 225 Mitglieder. Der Jahresbeitrag von 24 Euro ist nicht üppig, ergibt aber immerhin mehr als 5000 Euro. Mit ihnen können wir fest kalkulieren. Das zeigt aber auch, dass der Verein und das Rathaus eine feste Größe im Stadtbezirk ist. Zudem sollte das Kulturprogramm keine Verlust einfahren?
Natürlich. Wir haben übers Jahr noch nie draufgelegt. Die Veranstaltungen sind begehrt. Beim Vortrag über den Mount Everest kamen 80 zahlende Besucher. Uns gingen fast die Stühle aus. Bei solchen Terminen erzielen wir Überschüsse. Aber es steckt viel ehrenamtliche Arbeit dahinter. Das Spektrum des Kulturprogramms ist weit. Sie bieten Vorträge, klassische Konzerte, Kabarett, Folklore, Ausstellungen, das Brock-Terzett und Rock. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Programmpunkte aus?
Wir erhalten permanent Angebote von Künstlern und Vortragenden. Unser Programm und das Rathaus als Spielstätte sind mittlerweile bekannt. Künstler, die hier gastiert haben, kommen gerne wieder. Sie loben die familiäre Atmosphäre. Der Raum ist schnuckelig. Der Kontakt zum Publikum ist hautnah, die Besucher gehen mit und die Referenten werden aufgenommen. Wir schauen, dass wir von allem etwas bieten. Ein buntes Programm, für jeden etwas. Zudem entwickeln Sie neue Vortragsreihen wie zum Thema Klimawandel. Ein Steckenpferd von Ihnen als Physiker?
Ja, wir greifen aktuelle Fragen auf. Wir wollen zukunftsträchtige Themen verständlich machen. Ein Anliegen von mir ist, komplizierte Sachen einfach darzustellen. Im März wird Thomas Weber, der ehemalige Daimler-Forschungsvorstand, einen Vortrag Innovationen für die Mobilität der Zukunft halten. Im Herbst ist ein Boschmanager vorgesehen. Die Grundlage bildete eine Vorlesung über das Thema „Was ist Energie überhaupt“. Kurz darauf war ein Wasserstoffexperte zu Gast. Er machte uns die überragende Bedeutung von Wasserstoff als Speichermedium klar. Ihre persönlichen Kontakte als Wissenschaftler sind dazu Gold wert. Gilt dies auch für Referenten von Reisevorträgen?
Ja. Einerseits haben wir in Uhlbach einige Bewohner, die über tolle Reisen berichten können. Andererseits besuche ich auch Vorträge in anderen Einrichtungen. Viele Referenten kenne ich seit Jahrzehnten, wie Eberhard Köhler von den Globetrottern. Er hat sich zu seinem 60. Geburtstag eine Drohne gekauft. Er ist weltweit unterwegs und macht bei uns im März unter dem Motto „Welt aus der Vogelperspektive“ einen Vortrag nur mit Drohnenaufnahmen. Wieder etwas Innovatives. Dieses Entdecken von neuen Sachen fasziniert mich. Das Gewohnte ist langweilig. Wie wichtig sind Superfotos?
Nicht nur. Die Mischung macht’s. Mir ist es wichtig, dass wir auch Hintergrundinformationen vermitteln. Vor Kurzem haben wir beim Vortrag viel über die Antarktis gelernt. Der Referent hat viel mit Diagrammen gearbeitet. Das war hochinteressant. Apropos Bildung. Man kann im Rathaus auch Fremdsprachen lernen. . .
Ja, die Mutter unseres Pfarrers, Judith Spaeth-Goes, macht einen anspruchsvollen Französischkurs. An vier Abenden wird über aktuelle Themen gesprochen. Dies ist ein genauso wichtiger Baustein wie unser Weinseminar, an dem wir nur selten im Rathaus sind, dafür mehr Weinerzeugern und deren Weine verkosten. Ein Anliegen vom Kulturforum ist es auch Uhlbacher zu Wort kommen zu lassen. Viele Uhlbacher können ja Spannendes aus ihrer Welt berichten, seien es Expeditionen, künstlerische Arbeiten oder Musik. Und wie kommt das Brock-Terzett nach Uhlbach?
Einen der drei Musiker, Kurt Eisele, kenne ich schon lange. Im Herbst gab’s das erste Konzert im Gemeindehaus. Es war ausverkauft. Im März spielt das Terzett erneut. Mit der Rockgruppe Caverns gastierten wir Ende Januar in der neuen Turn- und Mehrzweckhalle. Wir waren der erste Konzertveranstalter dort. Wir sind offen für Neues, riskieren etwas.

Das Interview führte Mathias Kuhn.

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