Eine Führung durchs Festzelt gewährt Einblicke in Bereiche, die sonst nicht sichtbar sind, wie die Küche. Foto: Jakob Henke - Jakob Henke

Das Dinkelacker-Festzelt bietet montags bis freitags Führungen an, bei der Zeltbesucher Bereiche zu sehen bekommen, die sonst nicht zugänglich sind. Herzstück sind die vier Bierböcke.

Bad CannstattDas Dinkelacker-Festzelt ist schon wegen seiner Größe respekteinflößend. Auf 4300 Quadratmetern tummeln sich an vollen Tagen bis zu 7200 Leute. Um eine reibungslose Versorgung der Gäste mit Essen und Trinken zu gewährleisten, ist eine unglaubliche Arbeitsleistung notwendig. Wie ein solcher Großbetrieb 17 Tage ohne Probleme laufen kann, das zeigt Festzeltmanager Valentin Hillengass in seinen Führungen, in denen hinter die Kulissen des Zeltes geblickt wird.

„Mit mir sieht man, was 99 Prozent der Zeltgäste nicht mitbekommen“, erklärt Hillengass. Die Führung beginnt auf der Empore, von welcher man das komplette Zelt überblickt. An diesem Dienstag ist es relativ leer, aber „an einem Samstag finden hier im Zelt 14 400 Menschen in zwei Schichten Platz.“ Um dem Besucherandrang gerecht zu werden, hat man den Betrieb in Früh- und Spätschicht aufgeteilt. Das bedeutet: Für die erste Welle Zeltgänger ist um 16 Uhr Zapfenstreich. „Danach wird das Zelt geräumt, geputzt und alles wieder so hergerichtet, wie es morgens schon aussah. Um 17 Uhr darf die zweite Welle Gäste ins Zelt.“ Hillengass führt in einen kleineren Raum, der es in sich hat. In ihm wird einer von zwei 16 000-Liter-Tanks gelagert, die das Festzelt mit Bier versorgen. Jede Nacht werden diese containergroßen Behältnisse mit der nötigen Menge Gerstensaft aufgefüllt. Aus gutem Grund: „Nach einem Samstag im Zelt sind die Tanks normalerweise leer.“ Damit das Bier angenehm kühl wird, ist in das System eine Kältestation integriert. Dabei ist die Bilanz ernüchternd: Nur ein Prozent des Bierverbrauches ist alkoholfreies Bier.

Es geht weiter in die Küche. 60 Köche sind im Einsatz, alle 1,7 Sekunden geht ein Essen über die Theke. Für Hillengass dabei wichtig: „Es ist alles handgemacht und frisch zubereitet. Es wird auch nicht viel Essen weggeworfen, weil wir alles möglichst zeitnah zubereiten. Wir backen beispielsweise immer nur eine Kiste Brötchen auf einmal auf.“ Den Betreibern ist es lieber, dass etwas ausgeht, als dass es weggeworfen werden muss. Auch in der Küche folgt alles einer klaren Ordnung: Jede Speisenart, ob Gegrillt oder Gekocht, hat seinen eigenen Abschnitt, von welchem es die Kellner dann abholen.

Nach der Küche geht es auf die Bühne des Festzeltes. Zwischen den Instrumenten bekommt man ein vages Gefühl, wie es sich anfühlt, vor tausenden Wasengängern zu musizieren. „Wir haben insgesamt neun Bands, die alle komplett live spielen“, erzählt Hillengass. Dabei sind diese klaren Lärmschutzbedingungen unterworfen: An den Lautsprechern auf der Bühne sind sogenannte Dezibelstopper befestigt. Wird der Grenzwert von 91 Dezibel überschritten, regelt sich die Anlage von selbst herunter.

Ein Herzstück des Festzeltes sind die vier Bierböcke. Hier wird die Versorgung mit dem kühlen Getränk sichergestellt Dabei setzt man auch hier auf modernste Technik: Sogenannte Bierjets sorgen dafür, dass die Maß möglichst schnell voll ist. Dabei reicht ein Knopfdruck von einem der 30 Zapfer und bis zu sechs Krüge lassen sich an der zapfhahnähnlichen Vorrichtung befüllen.

Den härtesten Job im Zelt haben wohl die 160 Kellner. Es kann durchaus sein, dass diese zehn Maßkrüge auf einmal tragen müssen. „Erfahrene Kellner schaffen sogar 14 bis 16.“ 15 Kilometer am Tag, 40 Gäste pro Bedienung, das verlangt Respekt. Die Kellnerinnen im Zelt, erzählt Hillengass, haben alle ein dickes Fell. Sollte sich dennoch ein Gast daneben benehmen, sorgen 60 Sicherheitskräfte für Ruhe. Hillengass begann selbst als Kellner bei Klauss und Klauss, mittlerweile betreibt er eine Veranstaltungsfirma, arbeitet auch an großen Festivals wie Rock am Ring mit. Der Wasen ist trotzdem für ihn die größte Herausforderung. „Das Schwierige ist: Alles muss so geplant sein, dass der Betrieb 17 Tage lang funktionieren kann.“ Deswegen beginnt die Vorbereitung für das nächste Volksfest bereits im November.

Man merkt es bei diesem Blick hinter die Kulissen: So ein Festzelt, das ist ein eigener kleiner Mikrokosmos, in dem mehrere hundert Hände zusammen anpacken müssen, damit es läuft. Was denn für ihn die Besonderheit des Wasens sei? „Der Wasen hat seinen eigenen Charme.“

Unter www.klauss-und-klauss.de/aktionen/zeltführung können sich Interessierte anmelden. Die Führungen sind Montag bis Freitag um 12 und 14 Uhr.

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