Wilder Müll, wie hier in der Daimlerstraße, kann über die Gelbe Karte gemeldet werden. Foto: Sebastian Gall - Sebastian Gall

Seit 22 Jahren gibt es die „Gelbe Karte“, mit der sich Bürger bei der Stadt beschweren können oder Ideen einbringen können. Die Möglichkeit wird von Jahr zu Jahr häufiger wahrgenommen.

Bad Cannstatt Bereits seit 22 Jahren gibt es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt die sogenannte Gelbe Karte. Sie ist ein Instrument für die Bürger, um direkt mit der Stadt zu kommunizieren. Über die Gelben Karten können sie auf Missstände aufmerksam machen, Verbesserungsvorschläge einbringen und mit eigenen Ideen zur Stadtentwicklung beitragen.

1997 wurde dieses Ideen- und Beschwerdemanagement in Stuttgart eingeführt. Es wurde ein Team gebildet, das sich in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen um Belange der Bürger kümmert und dafür sorgt, dass deren Anliegen verfolgt werden. Gelbe Karten liegen zum einen an der Infothek des Rathauses sowie in den einzelnen Bezirksämtern aus. Zum anderen gibt es auch verschieden Möglichkeiten seine Anliegen online – über die Homepage der Stadt oder die StuttgartApp – einzubringen.

Dabei war zu Beginn mit dem großen Erfolg des Systems nicht zu rechnen. Gerade einmal 314 Gelbe Karten gingen 1997 bei der Stadt ein. Ein Jahr später hatte sich diese Zahl aber bereits verdoppelt. 2001 wurde mit 1803 Gelben Karten erstmals eine vierstellige Zahl erreicht. Insgesamt wurden seit der Einführung 88 200 Fälle registriert. Im diesem Jahr haben sich die Bürger mit 11 750 Anliegen an die Landeshauptstadt gewandt. Der bisherige Rekord. Letztes Jahr waren es noch rund 10 700. Auch deshalb ist man bei der Stadt mit dem System zufrieden: „Die Gelben Karten haben sich bewährt. Die Zahl der Eingaben steigt seit 2013 kontinuierlich, dass belegt, dass die Bürger unser Angebot gerne nutzten.“, heißt es bei der städtischen Pressestelle. Das liege auch daran, dass man den Dienst vor allem weiter vereinfacht und dem digitalen Wandel angepasst habe.

In der Zeit vom 1. Januar bis 30. September dieses Jahres wurde bei rund 81 Prozent der Gelben Karten Kritik geübt beziehungsweise Störungen gemeldet, bei acht Prozent der Eingaben wurden Ideen und Vorschläge eingebracht, zwei Prozent enthielten ein Lob und bei neun Prozent wurden Fragen gestellt. Von den 11 750 Gelben Karten konnten insgesamt 66 Prozent ausgewertet werden. Davon wurde etwas weniger als die Hälfte der Bürgerwünsche erfüllt, 27 Prozent konnten weiterverfolgt und ein Viertel konnte nicht umgesetzt werden. Das hat verschiedene Gründe: „Es können Gesetze oder die Interessen Dritter dem Anliegen entgegenstehen. Manchmal fehlen auch die entsprechenden Mittel oder die Fälle liegen nicht in der Hand städtischer Stellen.“

Verkehr und Sauberkeit sind die Schwerpunktthemen. Viele Gelbe Karten enthalten ganz konkrete, sachbezogene Hinweise, zum Beispiel zur Verkehrssicherheit: Das können Stolperfallen auf Gehwegen, Fahrbahnbeschädigungen, umgefallene Verkehrszeichen oder sonstige Verkehrsbehinderungen sein. Beim Thema Sauberkeit wird die Stadt hauptsächlich auf wilden Müll und verunreinigte Grünflächen aufmerksam gemacht.

Auch Anwohner der Cannstatter Eisenbahnstraße haben ihrem Ärger schon über die Gelben Karten Luft gemacht. Dort hat ein Abschleppunternehmen nachts Autos auf seine Hof gestellt und somit Lärm verursacht. Im letzten Jahr gab es Beschwerden bezüglich der Sperrung des Neckarradwegs.

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