Die Hedelfinger Quelle: Unbekannt

Auch die überarbeitete Version der Hauptradroute ist von den Bezirksbeiräten in Wangen und Hedelfingen abgelehnt worden. Nun soll heute der Gemeinderat eine Entscheidung zu den Plänen treffen.

WangenHeute Nachmittag wird der Gemeinderat über die Realisierung der Hauptradroute 2 zwischen Stuttgart-Ost und Hedelfingen abstimmen. Nachdem der Ausschuss für Umwelt und Technik am Dienstag bereits mehrheitlich zugestimmt hat, gilt ein positives Votum als wahrscheinlich. Das Stadtparlament würde sich damit allerdings gegen den erklärten Willen der Bezirksbeiräte Wangen und Hedelfingen entscheiden. Diese hatten die Pläne zunächst in einer gemeinsamen Sitzung vor einer Woche mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgelehnt, weil die Planung „Stückwerk“ sei, zu viele Parkplätze entfielen und der Umbau von Verkehrsknoten nicht zu einer Verkehrsentlastung führen werde.

Auch in den neuerlichen Sitzungen am Montag und Dienstag bekräftigten beide Gremien ihre ablehnende Haltung. Baubürgermeister Peter Pätzold hatte zwar in einer Stellungnahme um Zustimmung geworben und betont, die Verwaltung halte weiter an der überarbeiteten Vorplanung fest, weil sie die „bestmögliche Lösung“ sei. Aber in fast schon trotzigem Tonfall merkte er an: „Eine Entscheidung trifft letztendlich der Gemeinderat.“

In Wangen begrüßte man einhellig die mit der Planung verbundene dauerhafte Einführung von Tempo 30 in der inneren Ulmer Straße, in der Hedelfinger, der Wasen- und Inselstraße sowie die in Aussicht gestellten Begleitmaßnahmen in der Nähterstraße, die ja schon seit Jahren vom Bezirksbeirat gefordert werden. Die Vorplanung zur Hauptradroute selbst allerdings wurde mit fünf (CDU, Freie Wähler und SPD) zu zwei Stimmen (Grünen und SöS-Linke-Plus) bei einer Enthaltung (SPD) abgelehnt.

CDU-Bezirksbeirat Marijan Laszlo erklärte, es sei nicht nachvollziehbar, dass die vom Bezirksbeirat vorgeschlagene Alternativradroute zwischen Landhausstraße und Rinkenberg über die Nähterstraße als Fahrradstraße in der neuen Vorlage nicht hinreichend untersucht wurde. Dieser Weg könnte aus Sicht der CDU über die Insel-/Wasenstraße zum Wangener Marktplatz weitergeführt werden. Dass der Abschnitt über die Höhbergstraße zwischen Rinkenberg, Kemptener Straße und Alosenweg nicht umgesetzt werden kann, „können wir inzwischen nachvollziehen“. Kritisch sieht Laszlo auch die Auswirkungen der Umbaumaßnahmen. Die zugrunde gelegten Modellrechnungen würden „das erlebte Verkehrsgeschehen im Stadtbezirk insbesondere in Stoßzeiten“ nicht berücksichtigen. Peter Selig-Eder (SÖS-Linke-Plus) hingegen sieht in der Planung einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Man müsse Anreize schaffen, damit mehr Menschen aufs Rad umsteigen – oder auf den E-Tretroller, wie Gerhard Föll (Grüne) hinzufügte. Für Selig-Eder ist das Konzept nicht konsequent genug. So kritisierte er die Schaffung neuer Parkplätze als „Zugeständnis an die Autofahrer“.

Die Mehrheit der Hedelfinger Bezirksbeiräte zeigte sich über Geschwindigkeit der Reaktion und Entscheidungsfindung überrascht. „So schnell haben wir von Bürgermeister Pätzold noch nie eine Antwort erhalten“, meinte CDU-Bezirksbeirat Hans Eisele . Dies und die Zugeständnisse, die Pätzold im Brief machte, seien der Erfolg der strikten Ablehnung in der vergangenen Woche, meinte sein Parteikollege Mario Graunke. Hauptkritikpunkt der Hedelfinger war, dass die Radwegplanung kurz vor dem Hedelfinger Platz aufhöre. Im Antwortbrief sicherte Pätzold den Hedelfingern nun zu, dass „die Umgestaltung des Hedelfinger Platzes zu einem Kreisverkehr der prioritär zu verfolgende Lösungsansatz ist“ und er sich für Mittel für die Umgestaltung des Platzes im Doppelhaushalt 2022/23 einsetzen werde. Erfreuliches Entgegenkommen, anerkannte auch Karin Kaiser von den Freien Wählern. Dennoch ist die Skepsis groß. „Wir wollen ein Gesamtkonzept für die Hauptradroute inklusive des Hedelfinger Platzes. Sonst erhalten wir nur Stückwerk“, mahnte auch SPD-Bezirksbeirätin Carmen Mammoser-Walddörfer. Eberhard Schweizer von den Grünen verstand zwar die Bedenken, will „jetzt aber endlich einen Knopf an die Radroute machen und nicht weitere Monate diskutieren und auf sie warten müssen.“ Dem Wunsch schloss sich Raili Salmela (SÖS-Linke-Plus) an.

„Wir sind zwar weiter der festen Überzeugung, dass der Bau der Hauptradroute im Abschnitt zwischen Einmündung Alosenweg und Hedelfinger Platz zu längeren Staus, aber unter bestimmten Umständen würden wir der Beschlussvorlage zustimmen“, wollte Graunke eine Brücke bauen. Vage Lippenbekenntnisse reichen ihnen aber nicht mehr aus. Fünf Voraussetzung müssten zuvor erfüllt sein: Der Baubeginn erfolgt erst nach der verbindlichen Einstellung von Haushaltsmitteln. Der Radverkehr in der Amstetter Straße wird weiterhin als Mischverkehr geführt. Der Anschluss an den Radschnellweg aus Esslingen erfolgt nicht über den Hedelfinger Ortskern. Zudem sollte der alternative Rad-Feldweg zwischen Alosenweg und Kemptener Straße neu asphaltiert und beleuchtet werden und fünftens: Am neuen Kreisverkehr an der Autohof-Kreuzung wird die Einrichtung eines Bypasses aus Fahrtrichtung Hedelfingen in Richtung B 10 untersucht.

Hohe Hürden, die dazu führten, dass die beiden Grünen-Bezirksbeiräte und Salmela dem Antrag ablehnten. „Jedem Punkt könnte ich als Einzelforderung zustimmen, aber nicht als Voraussetzung für den Start der Hauptradroute, sonst erleben wir diese nie mehr“, so Schweizer. CDU-, Freie-Wähler und SPD-Bezirksbeiräte stimmten dem ergänzenden Antrag zu und warten nun auf das Votum in der heutigen Sitzung des Gemeinderats.

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