Der Besuch im Saunagarten des Leuze wird teurer. Foto: Bäderbetrieb Stuttgart - Bäderbetrieb Stuttgart

Besucher der Sauna im Leuze müssen ab 5. Juni mehr zahlen. Der neue Tarif sorgt nicht nur bei den Badegästen für eine heiße Debatte.

Stuttgart-OstAm 1. Juni tritt Teil zwei der neuen Tarifstruktur der Stuttgarter Bäderbetriebe in Kraft – und sorgt für Wellen. Wie berichtet, enthält das Tarifgefüge schon seit 1. Januar einige Verbesserungen, wie den freien Eintritt für Kinder bis einschließlich sechs Jahre. Das Ziel ist laut den Bäderbetrieben, insgesamt eine deutlich schlankere Tarifstruktur einzuführen. Außerdem müsse man wegen neuer Steuerregelsätze den All-inclusive-Tarif im Leuze abschaffen, da sonst auch der Anteil am Schwimmen mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet wird, wie schon seit 2015 die Sauna.

Mit den neuen Preisen im Leuze geht es nach einer Umstellungsphase von 5. Juni an für einige Besucher richtig ins Geld. Kurioserweise für die, die oft gar nicht baden wollen. Zwei Stunden Schwimmen und Sauna kosten künftig 15,50 Euro statt 10,10 Euro, das sind stolze 53 Prozent mehr. Die drastische Erhöhung ist nicht zuletzt auf Druck von Stammgästen des wegen Sanierung geschlossenen Mineralbads Berg entstanden. Die haben dagegen protestiert, dass es im Leuze nur einen Tarif für Schwimmen und Sauna zusammen gäbe. Wer nicht in die Schwitzkabinen wolle, müsse trotzdem dafür zahlen, argumentierten sie.

Von 1. Juni an haben die Schwimmer nun ihren Willen, aber nicht besonders viel davon. Statt bisher 10,10 Euro für zwei Stunden Schwimmen und Sauna zahlen sie künftig 9,50 Euro, um in den Frei- oder Hallenbecken ihre Bahnen zu ziehen. Dafür wird es für alle die deutlich teurer, die beides oder nur Sauna wollen. Die 15,50 Euro statt bisher 10,10 Euro sind im regionalen Vergleich zwar noch im Rahmen, gegen die überaus ruppige Erhöhung gibt es aber Protest.

Heftige Reaktionen erwartet

Für Peter Jerg aus Fellbach treffen die neuen Preise „ins Mark und besonders in die Geldbörse.“ Jerg ist sich sicher, dass „die Besucherzahlen zurückgehen werden“, zumal die Erhöhung teils noch drastischer sei, da ja auch die Super- und Bonuskarten entfallen würden. Die Wertkarte mit 20 Prozent Nachlass ist für ihn keine wirklich Entlastung, da man dafür 400 Euro investieren müsse, was ja sicher nicht jeder könne. Sein Fazit: „So trifft es halt wieder mal die Armen.“

Eine heftige Reaktion erwartet auch Richard Hellbach aus Bad Cannstatt. „Ich bin gespannt, wie die Damen und Herren an der Leuze-Kasse den Stress aushalten, wenn sie mit den zornigen Reaktionen derjenigen konfrontiert sind, die von der neuen Preiskonstellation noch nichts erfahren haben, und das werden viele sein“, schreibt er. Für ihn wäre es zumindest eine „Abfederung“ der Erhöhung, wenn man im Gegenzug die Basiszeit von zwei auf drei Stunden erhöhen würde. Abgewendet vom Leuze hat sich Uschi Kniss – nach 35 Jahren. Die Rentnerin aus Stuttgart trifft es besonders hart. Bisher hat sie sich eine Monats-Dauerkarte für drei Stunden um 174 Euro gegönnt. Die gibt es im neuen Tarif nicht mehr. Die günstigste Alternative wären drei Zehnerkarten für insgesamt 285 Euro. Damit könnte sie dann zwar 33 Mal ins Leuze, aber ohne Aufzahlung nur zwei statt bisher drei Stunden. Uschi Kniss geht jetzt ins F3 nach Fellbach.

Und was ändert sich im MineralBad Cannstatt? Dort sinkt zwar der Basistarif von 8,80 Euro um 30 Cent auf 8,50 Euro, günstiger wird das Vergnügen aber nur für diejenigen, die nicht länger als zwei Stunden bleiben wollen. Bisher galt der Basistarif für zweieinhalb Stunden, von 1. Juni an werden es 30 Minuten weniger sein. Kurzum – wer bisher die zweieinhalb Stunden ausgenutzt hat und auch künftig so lange im Bad sein will, zahlt mehr als bisher. Konkret müsste er für die 30 Minuten 1,40 Euro nachzahlen, was den Preis auf 9,90 Euro erhöht. Dafür könnte er dann aber insgesamt 2 Stunden und 40 Minuten bleiben, da die Nachzahlzyklen jeweils 20 Minuten betragen. Eines steht also fest: Gemessen an der Badezeit wird der Eintritt im Mineralbad Cannstatt teurer.

Erboste Freibadbesucher

Fast unbemerkt hat sich mit den neuen Tarifen auch für die Freibäder eine Veränderung ergeben. Bisher konnte man Zehnerkarten kaufen, die wie Dauerkarten in allen Freibädern gültig waren. Jetzt gelten die Zehnerkarten nur noch in dem Bad, in dem sie gekauft werden. Die Bäderbetriebe begründen dies mit einer Angleichung an das Verfahren von Hallen- und Mineralbädern und verweisen Sparwillige, die mehrere Freibäder mit einem Ticket nutzen wollen, auf die Geldwertkarte. Christel und Reinhold Weh wollen als Stammgäste aber nicht einsehen, warum man ein funktionierendes System ändern muss. Sie nutzen Freibäder abwechselnd und müssten jetzt jeweils Zehnerkarten kaufen – oder eben die teure Geldwertkarte. Für Reinhold Weh ist die keine Alternative, da er mit der Geldwertkarte an der Kasse anstehen muss, während er den Abriss seiner Zehnerkarte am Einlass direkt abgeben kann. Ihre Forderung: Die Bäderbetriebe sollen diese Änderung wieder kassieren.

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