Der Clown auf dem Todesrad als wagemutiger Artist. Quelle: Unbekannt

Der 50-jährige Clown Bello Nock verkörpert im Weltweihnachtscircus nicht nur die spaßige Seite, auch zeigt er gefährliche Vorführungen.

Bad CannstattEr zählt zu den Menschen, deren Begegnungen man nicht vergisst: Bello Nock. Zuletzt, vor vier Jahren im Weltweihnachtscircus getroffen, fallen einem bei ihm zwei Begriffe ein: Spaß und Gefahr. Beides liebt und lebt er – seit einem halben Jahrhundert. Und beides könnte auch als Motto für diese Saison des Weltweihnachtscircus auf dem Wasen gelten. Der 50-jährige Clown aus den USA hält nicht nur 14 Weltrekorde, er liebt den Zirkus, speziell den Weltweihnachtscircus. „Wenn Du hier herkommst, ist es besser, als dir erzählt wurde und wenn du wiederkommst, besser, als es war.“ Ihm gefallen der Aufführungsort, die internationalen Artisten, die hier zusammenkommen, die Atmosphäre und das Licht.

Beste Voraussetzungen für den Top-Artisten, um mal als aufgepusteter Riesenclown aus einem Luftwürfel das Manegenprogramm zu eröffnen und dann auf das Todesrad zu steigen, um zu zeigen, dass auch er ein absolut ernst zu nehmender Akrobat ist. Er überrascht die Besucher am laufenden Band. Und das ist eines der Geheimnisse seines Erfolges. Wenn er unter die Zirkuskuppel klettert und plötzlich fällt, weiß zuerst keiner, dass er an Bungee-Jumping-Seilen hängt, die ihn auffangen und er nicht einfach kopfüber hinabfliegt und sich verletzt.

Und wenn das Duo Ballance seinen herausragenden Kraftakt zeigt, sich gegenseitig mit unglaublicher Energie entgegen der Schwerkraft im Raum bewegt, dann gelingt es Bello Nock locker einen fließenden Übergang zu schaffen, indem er die Kraftübungen weiterführt. Schließlich zieht er dafür eine kleine Puppe heraus.

„Zirkusarbeit ist Kunst“

Apropos hängen: Nock hängt öfter mal auch über Hochhäusern oder der Freiheitsstatue kopfüber am Seil eines Hubschraubers. In diesem Jahr war er in China, Russland, Japan, Mexiko unterwegs, erzählt er, der auch immer ausreichend Philosoph ist: „Zirkus ist Balance, Leben ist Balance.“ Jeder versucht, seine Balance zu finden im Leben. „Keiner zwingt uns dazu“, sagt er. Schon gar nicht, zu den gefährlichen Vorführungen. Das sagt einer, der den Zirkus aus Leidenschaft macht. Und ab und zu gibt es auch mal ein Misslingen. Und die Menschen merken, dass sie in der Wirklichkeit sind. Nock bemerkt, dass Kinder und Erwachsene durch das viele Filmeschauen auf dem Handy immun werden. „Sie denken, Du hast Tricks.“ Nein, im Zirkus erleben sie Wirklichkeit. „Normale Menschen mit extremem Talent“, beschreibt es Nock. Seine Arbeit ist sein Leben, aber sein Leben ist nicht nur Arbeit. Es ist harte Arbeit, sagt er. Aber es sei auch Kunst. Den Produzenten Henk van der Meijden bewundert er für die Kunst, zu wissen, welche Vorstellung einzigartig wird und wie er sie vorher plant. Nock hat auch Nachwuchs: Sein Sohn Alex (32) machte ihn zum Großvater. Er hat eine Tochter Amariah (26) und seine 23-jährige Tochter Annaliese hat als Frau so viele Saltos im Rhönrad geschlagen wie keine andere und damit einen Weltrekord.

Auch Nock hat sich zuletzt vor zwei Jahren mit einer Kanone über einen Helikopter in Los Angeles schießen lassen, in ein Luftkissen. Die Nummer war besonders gefährlich wegen der rotierenden Helikopterblätter und ihres Luftzugs. Er hat es geschafft und lächelt verschmitzt. Im Weltweihnachtscircus war mal eine lebende Kanonenkugel, Robin Valencia, erinnert er sich. In seiner Freizeit fährt er mit dem Motorrad durch brennende Hindernisse. A propos Feuer: Sein neuester Plan spielt an einem Vulkan in Äthiopien. Er will über den aktiven Vulkan im Sommer nächsten Jahres auf einem 3000 Meter langen Seil balancieren. Er wird von drei Vulkanexperten beraten und war schon einmal dort. Etwa 45 Minuten werde es dauern, bis er von der einen Seite des Kraters auf der anderen Seite ist. Fallen wäre dann tödlich. Denn, etwa 100 Meter unter ihm befindet sich die Lava, das heiße Gestein. Auch hier wird er gleich drei Weltrekorde einfangen. Es werde kein Seil sein, über das er gehe, sondern eines aus einem nicht brennbaren, synthetischen Material. Das wird eine ganz besondere Herausforderung außerhalb des Zirkuslebens für ihn, auf die er gespannt ist. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit. Und er wird noch viel Nachdenken über den erfolgreichen Zirkus, der drei Dinge braucht: Balance, Geschichte und Wechsel. Sie machen den Zirkus aus. Immer wieder neu. Das erlebt er im Weltweihnachtscircus. „Du kannst um die Welt fliegen, aber niemals die Besten sehen.“ Die besten Artisten findet er im Weltweihnachtscircus. Und nach der Saison im Weltweihnachtscircus wird er heimfliegen zu seiner Enkelin nach Florida. Darauf freut er sich und strahlt übers ganze Gesicht.

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