Anwohner Michael Brunnquell will bei der Erörterung auch Einwände gegen den Abstellbahnhof an der Augsburger Straße vorbringen. Foto: Mathias Kuhn - Mathias Kuhn

Viel Lärm gibt es bereits vor dem Bau des S21-Abstellbahnhofs in Untertürkheim. 370 Einwendungen haben Anwohner bei der Deutschen Bahn eingereicht. Sie fordern einen besseren Lärmschutz.

UntertürkheimNoch kann Michael Brunnquell einigermaßen ruhig schlafen. Der Wirtschaftsingenieur wohnt in der Augsburger Straße in unmittelbarer Nähe des alten Güterbahnhof-Areals. Dort soll der neue Abstellbahnhof für das Milliardenprojekt Stuttgart-21 errichtet werden. Die Genehmigung zum Neubau der Anlagen und der neun Kilometer langen Gleisanlagen steht noch aus. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens lädt das Regierungspräsidium am kommenden Mittwoch und Donnerstag in der Sängerhalle zur Erörterung ein. Anwohner und Verbände haben 370 Einwendungen eingereicht, zu denen die Deutsche Bahn Stellung bezieht. Auch Brunnquell, der in einer verantwortungsvollen Position als Ingenieur tätig ist, will seine Bedenken anbringen. „Wobei es für Arbeitnehmer schwierig ist, sich zwei Tage frei nehmen zu können“, ärgert er sich. Der Untertürkheimer will den Abstellbahnhof nicht verhindern. „Er darf aber nicht zur Verschlechterung der Wohn- und Lebensqualität der Untertürkheimer Bevölkerung beitragen“, fordert Brunnquell. Wie viele Bürger aus Untertürkheim und Luginsland befürchtet auch er eine deutliche Zunahme des Lärms.

Die jetzt zur Erörterung eingereichten Unterlagen hat der technikversierte Ingenieur genau studiert. Seine Kritik richtet sich gegen die Prämissen, die die Bahn als Vorhabensträgerin bei den Lärmschutzprognosen vorgibt. „Im Lärmgutachten wird als Prognosen-Nullfall ein Betrieb im Jahr 2030 herangezogen.“ Die reale Geräuschbelastung aus dem aktuellen Betrieb werde dagegen ignoriert. „In den vergangenen Jahren hatten wir bis auf wenige Bremsvorgänge durch Güterzüge kaum Lärmbelastungen in der Nacht.“ Das werde sich mit Inbetriebnahme des Abstellbahnhofs ändern. Er ist ein wichtiger Teil des Ringkonzepts, das den neuen Tiefbahnhof ermöglicht. Züge sollen künftig dort abgestellt, gereinigt und zusammengestellt werden – bei Tag und Nacht. Zu dem im Neckartal vorhandenen nächtlichen Geräuschpegel durch vorbeifahrende Züge, die nahen Bundesstraßen, die Stadtbahnen und die Industriebetriebe kommen zusätzliche Lärmquellen. Deswegen fordert Brunnquell entsprechende Schallschutzmaßnahmen – und zwar direkte Vorkehrungen wie Schutzwände auf dem Bahnhofsgelände. „Die Kompensation der erhöhten Lärmbelastung nur durch passive Maßnahmen wie Schallschutzfenster lehnen wir ab. Dadurch würde sich eine dauerhaft gesunkene Lebens- und Schlafqualität ergeben, weil beispielsweise der Schlaf bei geöffnetem Fenster nicht mehr möglich wäre.“ Die Bahn lehne bisher Lärmschutzwände allerdings aus wirtschaftlichen Gründen ab. „Wenn diese zwischen den Gleisen angebracht werden müssten, wäre eine kleinere Abstellfläche vorhanden.“ Als Immissionsgrenzwerte für die Nacht müssten generell 49 dB(A) oder sogar der Richtwert der TA Lärm für Wohngebiete, der bei 40 dB(A) liegt, herangezogen werden.

Aber: Gleichzeitig dürften Schallschutzwände das Erscheinungsbild Untertürkheims nicht verschlechtern, so Brunnquell. „Die Wände können begrünt oder gemeinsam mit Schülern ansprechend gestaltet werden.“ Das Ortsbild müsse erhalten bleiben. Dies sei eine Schicksalsfrage für den Stadtbezirk. „Fachgeschäfte schließen, Untertürkheim darf nicht weiter an Attraktivität verlieren“, gibt sich Brunnquell kämpferisch. Er hofft auf Mitstreiter, die sich einmischen und zur Erörterung gehen. Zudem hat er eine Unterschriftenaktion auf seiner Homepage www.laermschutz21.wordpress.com ins Leben gerufen. Erreichbar ist er über: laermschutz21@gmx.de.

Die Erörterung in der Sängerhalle ist am Mittwoch, 15. und am Donnerstag, 16. Januar von 9 bis 19.30 Uhr.

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