Anwohner fühlen sich hinter Gitter am Balkon. Foto: Michael Micke (z) - Michael Micke (z)

Nicht alle Anwohner begrüßen die Taubenabwehr mit engmaschigen Netzen im Sturmvogelweg. Doch die GWG begründet die Maßnahme, dass eine Mehrzahl der Mieter dies möchte.

NeugereutAls der 81-jährige Adolf Penzelnstadler kürzlich von einer Reise nach Neugereut zurückkehrte, staunte er nicht schlecht, was da vor seinem Balkon hing: ein schwarzes, engmaschiges Netz. Er wusste zunächst nicht, was das sollte, schilderte er den Fall, und dachte an Bauarbeiten. Doch bald stellte sich heraus, dass der Vermieter eine Taubenabwehrmaßnahme installiert hatte. Im Treppenhaus hing eine Information. Die GWG als Vermieterin der Häuser im Sturmvogelweg 2-6 hatte ihre Hochhausfassaden mit Netzen verhängt.

Die Maßnahme wurde so kurzfristig bekannt gegeben, dass die Mieter keinerlei Chance hatten, sich dagegen zu wehren, beklagt eine Mieterin im Treffpunkt, der Zeitschrift des Bürgervereins Neugereut, in einem Leserbrief. Nun lebe man quasi hinter Gittern. Das schränke die Lebens- und Wohnqualität ein. Auch der Senior fühlt sich in seiner Aussicht gestört. Er hätte gerne mindestens eine Lücke von zwei Metern noch im Netz gehabt, damit er richtig herausschauen kann. Doch so hängen die Nylon-Netze vor ihm mit 2,5 auf 2,5 Zentimetern offen im Flächenquadrat. Er hat sich bei der GWG beschwert. Doch es sei gesagt worden, dass eine Öffnung der Netze nicht möglich sei, weil es dann nicht so effektiv sei. Seinen schönen Balkon könne er so nicht mehr richtig genießen, sagt der Mieter. Auch weitere Mieter kritisieren die Maßnahme.

Die GWG Stuttgart erklärt auf Nachfrage, dass in der Wohnanlage seit längerem ein Taubenproblem bestehe und Balkone mit Taubenkot verschmutzt wurden und durch die Vögel eine Lärmbelästigung bestand, so Carolin Arnolds, Sprecherin der GWG. Es seien nicht alle Mieter gleichermaßen betroffen gewesen, deshalb habe man anfangs nur vereinzelt Netze angebracht. Doch die Tauben seien auf andere Balkone ausgewichen. Aufgrund der hohen Nachfrage der Bewohner habe sich die GWG dafür entschieden, alle Balkone mit einem Taubenabwehrnetz auszustatten. Ein Auslassen einzelner Balkone sei der GWG nicht nachhaltig erschienen. „Mit dem Netz möchten wir zudem vermeiden, dass langfristig materielle Schäden durch den Vogelkot sowie Gesundheitsrisiken für die Bewohner entstehen.“

Einzelne Beschwerden habe die GWG erhalten. Sie seien beantwortet worden. Auch hat sich die Geschäftsstelle mit der Koordinatorin der Sozialen Stadt Neugereut und einer Ansprechpartnerin des Ordnungsamts zur Besprechung weiterer Maßnahmen getroffen. So soll ein Taubenhaus auf dem Dach probeweise installiert werden. Dies werde geplant. Die Netze bestünden aus nicht brennbarem Material. Rechtsanwalt Stefan Conzelmann vom Mieterverein Stuttgart erklärt, dass der Vermieter bei Beschwerden den Mangel Taubenkot reagieren und Maßnahmen ergreifen müsse. Es gebe aus dem Jahr 2007 vom Amtsgericht Berlin Schöneberg eine Entscheidung vom 3. September (AZ: 16b C 180/07): Dem Vermieter wurde Recht gegeben, als er schwarze Taubennetze anbrachte.

Das Taubenproblem in Neugereut ist nicht neu. Auch im Bereich des Einkaufszentrums gab es immer wieder in der jüngsten Vergangenheit Probleme. Bei der Neugestaltung der Passage wurden deshalb die Bäume ausgetauscht und kleinkronige Bäume gesetzt. Auch wurden von Seiten der Stadt Tauben gezählt, um festzustellen, ob ein Taubenturm oder Taubenschlag eingerichtet werden muss. Weitere Maßnahmen sind dort bislang nicht bekannt.

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