Quelle: Unbekannt

Die Chancen der hauseigenen Sammlung weiß die Präsentation nicht zu nutzen: Die Arbeiten von deutschen Künstlern von der Nachkriegsavantgarde bis in die jüngste Zeit entwickeln keine kommunikative Vernetzung, sondern stehen wie isoliert nebeneinander. Es fehlt am kuratorischen Kitt.

SindelfingenSchwarz, Rot und Glitzerpaste zeigen, wo es langgeht. Die Deutschlandfahne, die Josephine Meckseper mit Bling-Bling im Goldstreifen umgemodelt hat, ist das Aufmacherbild zur neuen Sammlungspräsentation im Sindelfinger Schauwerk. Die Direktorin Barbara Bergmann setzt diesmal allein auf Künstler, deren Wurzeln in Deutschland liegen. Doch den „Heimvorteil“, wie sich die Ausstellung nennt, wissen die rund 130 Arbeiten nicht zu nutzen, obwohl große Namen aufgeboten werden. Ein monumentales Nagelrelief von Zero-Altmeister Günther Uecker trifft auf den morbiden Symbolismus eines Anselm Kiefer, ein hölzerner Allerweltskerl von Stephan Balkenhol wacht über Konkret-Konstruktivistisches wie etwa Thomas Lenks räumlich gestaffelte Quadratplatten. Was alldem fehlt, ist der kuratorische Kitt, der im Spiegel der Kunst etwas aufzeigt. Seien es Wandlungen in Gesellschaft und Kultur, seien es stilistische Entwicklungslinien. Selbst auf die einfachste Ordnungsmöglichkeit, die Chronologie, hat man verzichtet. Als wäre es nur darum gegangen, die Ausstellungsräume vollzukriegen.

Dabei wäre das Potenzial zu einer kommunikativen Vernetzung der Werke durchaus da gewesen. Zum Beispiel bei den weißen Reinräumen von Ben Willikens. Greifen sie nicht unter dem Vorzeichen der neoklassizistischen Architekturfantasie jene verknappten Volumina auf, mit denen Minimalisten wie Christoph Freimann Raum und Fläche füllen? Und wenn Georg Baselitz in seinem imposanten Kopfstehgemälde „Die Arbeiter marschieren voran“ den sozialistischen Realismus aufs Korn nimmt, hätte das doch einen Anlass geboten, über die künstlerischen Echos der deutschen Teilung nachzudenken. Am Ende aber spiegelt die Auswahl nur sich selbst und die Vorlieben des 2015 gestorbenen Museumsgründers Peter Schaufler. Distanziertem Formalismus hat er gegenüber emotionaler Welthaltigkeit meist den Vorzug gegeben. Da bleibt Helmut Middendorfs „Feuerschlucker“ ein expressiver Außenseiter, auch Walter Stöhrers schwarz-bunte Farbgespenster tanzen auf verlorenem Posten.

Bis 30. Juni. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 15 bis 16.30 Uhr (nur mit Führung), Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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