Der Gemeinderat hat die Mittel zur Sanierung des Bürgersaals im Bezirksrathaus bewilligt. Foto:  

Nach zwei Jahren Umbau will die Verwaltung ins Bezirksrathaus zurückkehren. Publikumsverkehr im Interimsquartier Bürgerhaus wieder ab September möglich.

Hedelfingen - Geht es nach dem Wunsch von Kai Freier, soll das Bezirksamt Ende des Jahres wieder an seine angestammte Wirkungsstätte zurückkehren: Ins Rathaus in der Amstetter Straße. „Zwei Jahre sind dann einfach genug“, unterstreicht der Hedelfinger Bezirksvorsteher sein Ziel. Denn bereits seit Januar 2020 ist die Verwaltung mit Bürgerbüro und Bürgerinfo in seinem Interimsquartier im Bürgerhaus am Hedelfinger Platz untergebracht. Der Grund dafür ist die Sanierung und der Einbau eines Aufzugs im altehrwürdigen Bezirksrathaus aus dem Jahr 1910. „Wir müssen irgendwann einmal wieder hier aus dem Bürgerhaus heraus“, denkt Freier auch an die Vereine, die die Räume in dem ehemaligen Schulhaus sonst nutzen. Der Musikverein, Akkordeonclub oder auch Gymnastikgruppen müssen seitdem auf andere Orte ausweichen. Zudem verliere man zunehmend die Glaubwürdigkeit. Denn zunächst war man von einer Umbauzeit zwischen neun Monaten und einem Jahr ausgegangen. „Wenn es sich jetzt noch über die zwei Jahre hinaus erstrecken würde, wäre das irgendwann nicht mehr plausibel erklärbar“, ist Freier überzeugt.

Pläne für Bürgersaal entdeckt

Der Grund für die lange Verzögerung wurde erst bei der Sanierung entdeckt: der historische Saal im Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes. Im vergangenen Jahr erhielt das Hedelfinger Rathaus einen Aufzug, wurde barrierefrei erschlossen. Gleichzeitig wurde das Schmuckstück energetisch auf Vordermann gebracht und die Büros für die heutigen Anforderungen ausgerüstet. Im Zuge der Vorbereitungen bekamen die Verantwortlichen einen historischen Bauplan in die Finger. Dabei stellte sich heraus, dass vor mehr als 100 Jahren ursprünglich ein Bürgersaal im Obergeschoss vorgesehen war. Vermutlich in den 1920er und 1930er Jahren wurde der mit einer Stuckdecke versehene Raum unter dem Dach geteilt und in zwei Büros umgewandelt. Schnell wurde der Wunsch laut, diesen wieder herzurichten. Schließlich benötigen die Hedelfinger einen größeren Saal. Die Bezirksbeiratssitzungen finden bislang im Trauraum im ersten Stock statt. Bei brisanten Themen mit vielen Besuchern wird es schnell eng. Der neue Saal soll aber nicht nur den Lokalpolitikern vorbehalten sein. „Er bietet Chancen für den gesamten Stadtbezirk, seine Vereine und Institutionen“, ist Freier überzeugt. So könnten dort auch Proben, Vorträge, Ausstellungen oder Konzerte stattfinden.

Allerdings konnte der Umbau nicht wie erhofft, während der Sanierung des Rathauses durchgeführt werden. Dies hätte den Etat gesprengt. Mit immerhin 490 000 Euro schlägt der Umbau nach den Prognosen zu Buche. Das Geld wurde nun vom Gemeinderat der Stadt bewilligt. „Wir sind sehr dankbar, dass die Stadträte die Mittel zur Verfügung gestellt haben“, betont Freier, „das ist bei dieser Summe gerade in Corona-Zeiten nicht selbstverständlich“. Vor wenigen Tagen stand nun ein weiterer Termin mit den städtischen Ämtern, der Architektin und dem Landesamt für Denkmalpflege an. „Es müssen noch einige Details hinsichtlich der Statik geklärt werden“, sagt Freier. Dennoch gibt sich der Bezirksvorsteher optimistisch, den angedachten Termin des Umzugs Ende des Jahres halten zu können. „Zur Not müssen wir eben einige Tage noch mit ein wenig Baulärm leben.“

Bezirksamt ab September wieder für Publikumsverkehr geöffnet

Hingegen sehr viel schneller bahnt sich eine Lösung für den Publikumsverkehr in der Interimsunterkunft im Bürgerhaus an. Denn bislang stehen Kunden, die ihren Pass verlängern lassen, ein Auto anmelden, den Rentenantrag ausfüllen oder das Aufgebot für die Hochzeit bestellen wollen, vor verschlossenen Türen. Nur nach vorheriger Terminvereinbarung sind die zuständigen Mitarbeiter für sie da. Denn das Bezirksamt ist im Gegensatz zu etlichen Einrichtungen in anderen Stadtbezirken nach wie vor nicht öffentlich zugänglich. Grund dafür ist die Mehrfachnutzung des Hauses. Neben dem Bürgerbüro im Erdgeschoss befindet sich die AWO-Begegnungsstätte, im Untergeschoss das Jugendhaus, im ersten Stock die Bürgerinfo des Bezirksamtes und im Obergeschoss die Stuttgarter Musikschule. Allerdings gibt es kaum Aufenthaltsflächen, lediglich das Treppenhaus steht zur Verfügung. „Das führt unweigerlich zu Kollisionen der Besucher“, weiß Freier, „die bislang gültigen Abstandsregelungen konnten so nicht eingehalten werden.“ Zudem dient das Treppenhaus auch als Fluchtweg. Dennoch soll nach den Planungen des verantwortlichen Stuttgarter Ordnungsamtes das Bürgerbüro in Hedelfingen ab September wieder öffnen – wie in allen kleineren Einrichtungen. Wie stadtweit üblich richtet sich das Bezirksamt auch danach. Wenigstens ein erster Schritt hin zu wieder mehr Normalität – wenngleich noch immer im Interimsquartier.