Haushalte verbrauchen im Sommer wenig, im Winter viel Gas. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Deutschland ist zum Gassparen angehalten. Aber wo ist das größte Einsparpotenzial? Daten zeigen, wer wie viel verbraucht.

Rund 1600 Gigawattstunden Gas verbraucht Deutschland derzeit pro Tag. Das ist eine für Normalverbraucher kaum vorstellbare Zahl. Sie wird im Laufe des Winters noch deutlich steigen – und ist wichtig, weil sie ein Gefühl gibt. Dafür, ob die befürchtete Gasmangellage eintritt oder nicht.

Weil sich weder die heimische Gasförderung noch der Import beliebig steigern lassen, hängt vieles am Verbrauch. Dafür unterscheidet die Bundesnetzagentur zwei Arten von Kunden: industrielle Großabnehmer mit mehr als 100 000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch sowie Privathaushalte und Gewerbe. Erstere haben eigene Gaszähler und sind Teil der sogenannten Registrierenden Leistungsmessung (RLM), der Verbrauch von Haushalten und Gewerbe wird mit Standardlastprofil-Zählern (SLP) ermittelt. Wer verbraucht mehr?

Das hängt von der Jahreszeit ab. Der Verbrauch der Industrie schwankt weniger stark als der von Kleinabnehmern, weil ein relevanter Teil der Energie in die Produktion fließt, die ja ganzjährig läuft.

Gasverbrauch der Industrie

Industrielle Großkunden haben in den letzten Jahren in der Summe zwischen 1000 und 2400 Gigawattstunden (GWh) pro Tag verbraucht. Im Sommer brauchen sie weniger als im Winter, zudem zeigt sich ein starkes Verbrauchsloch rund um den Jahreswechsel:

Gasverbrauch von Privathaushalten und Gewerbe

Der Verbrauch von Haushalten und Gewerbe ist viel stärkeren Schwankungen unterworfen. Bei der Industrie ist er im Winter doppelt so hoch wie im Sommer, bei Kleinabnehmern zehnmal so hoch. Darin spiegelt sich die Bedeutung des Gases fürs Heizen, die Warmwasseraufbereitung und beim Kochen.

Der Verbrauch ist daher stark witterungsabhängig: In kalten Wintern wird mehr verbraucht als in milden. Eine um ein Grad niedrigere Außentemperatur führt bei SLP-Kunden zu etwa sechs Prozent mehr Gasverbrauch. Das hat die Bundesnetzagentur errechnet.

Im Herbst steigt also der Anteil von Haushalten und Gewerbe am Gasverbrauch stark an. Falls ähnlich viel geheizt wird wie in den vergangenen Jahren, verbrauchen SLP-Kunden ungefähr von Mitte November an gleich viel Gas wie die Industrie. Mit dem Auslaufen der Heizperiode im März oder April ist die Industrie dann wieder für einige Monate der größere Gasverbraucher.

Das zeigt, wie hoch die Bedeutung von Gasheizungen für den Verbrauch ist. Die Warmwasserzeugung oder Kochgas spielen nur eine sehr geringe Rolle, wie die Verbrauchswerte von Haushalten und Gewerbe in den Sommermonaten zeigen.

Der Gasverbrauch ist zudem relativ stark von der Temperatur abhängig. Die Bundesnetzagentur berechnet daher einen temperaturbereinigten Verbrauch. Im grünen Bereich liegt er, wenn mindestens 25 Prozent weniger Gas verbraucht werden als in den Vorjahren bei ähnlichen Temperaturen üblich. Der gelbe Bereich zeigt eine Einsparung von 15 bis 25 Prozent, im roten Bereich ist eine Einsparung von weniger als 15 Prozent oder sogar ein Mehrverbrauch. Derzeit liegt der Verbrauch im gelben Bereich.

Die folgende Darstellung macht die temperaturbereinigte Einsparung besser sichtbar:

Diese und viele weitere Daten zur Energie in Deutschland zeigen wir regelmäßig aktualisiert in diesem Beitrag.