Die Kreuzung Foto: Elke Hauptmann

Die Hauptradroute 2 von Stuttgart-Ost über Wangen nach Hedelfingen soll in drei Bauabschnitten bis Ende 2023 realisiert werden. In einem ersten Schritt sind zwei neue Kreisverkehre auf den Otto-Konz-Brücken vorgesehen.

Hedelfingen - Die Stadt Stuttgart geht den Ausbau der Hauptradroute 2 zwischen Stuttgart-Ost und Hedelfingen an. Bis Ende 2023 soll eine durchgängige Wegeverbindung für Radfahrer entlang der Hauptverkehrsachsen geschaffen werden. Über die dafür vorgesehenen Umbaumaßnahmen informierten Andreas Hemmerich und Martin Hasenäcker vom Amt für Stadtplanung und Wohnen in dieser Woche die Bezirksbeiräte in Wangen und Hedelfingen. Diese erneuerten ihre Kritik am Routenverlauf.

Die Realisierung erfolgt demnach in drei Bauabschnitten. Begonnen wird im August 2021 in Wangen. Bis Juli 2022 soll dort am Verkehrsknotenpunkt Hedelfinger Straße/Otto-Konz-Brücken/Kemptener Straße ein Kreisverkehr entstehen, keine 100 Meter weiter wird auch aus dem Kreuzungsbereich Otto-Konz-Brücken/Kesselstraße/Autohof/Aral-Tankstelle ein kleinerer Kreisel. Den der Wangener Bezirksbeirat allerdings für völlig überflüssig hält. Die Verkehrsplaner argumentieren, damit einen Gefahrenpunkt entschärfen und die Zufahrt zum Gewerbegebiet Kesselstraße verbessern zu wollen. Die Lokalpolitiker indes mutmaßen, dass dieser Kreisel vor allem einer besseren Verkehrsanbindung des neuen AWS-Betriebshof in der nahe gelegenen Gingener Straße dienen soll.

Rückstaus befürchtet

Dass der Doppel-Kreisel funktioniert, davon sind die städtischen Verkehrsplaner überzeugt. Sie sehen Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer: Radfahrer könnten im Mischverkehr „mitschwimmen“, für Fußgänger würden neue Überwege angelegt und auch der Autoverkehr werde verflüssigt. Im Normalfall sei mit geringen Wartezeiten zu rechnen, erläuterten Hemmerich und Hasenäcker anhand einer sogenannten Mikrosimulation. Nur wenn die Stadtbahn komme, die ampelgeregelt mitten durch den großen Keisel fährt, könnte es für Autofahrer etwas dauern. In der Theorie funktioniert das bestens, in der Realität aber wird es Chaos geben, die Bezirksbeiräte befürchten lange Rückstaus. Zumal auch der von ihnen gewünschte Bypass von der Hedelfinger Straße auf die Otto-Konz-Brücken nicht kommen wird. Zum einen fehle es an diesem Eck schlicht am nötigen Platz, zum anderen sehen die Verkehrsplaner darin ein enormes Gefährdungspotenzial für Radfahrer.

Poller am Bärenplätzle

Begrüßt wurden von den Wangener Bezirksbeiräten einige Begleitmaßnahmen – aber auch nur, weil die Stadt damit langjährige Forderungen erfüllt. So soll am Bärenplätzle ein Jahr lang ein Durchfahrtsverbot getestet werden. Die Stadt will dafür Poller in der Biberacher Straße setzen und so den Verkehr aus der Ravensburger Straße zurückführen. Die Lokalpolitiker sprechen sich jedoch dafür aus, zunächst provisorisch mobile Sperren aufzustellen und erst die Ergebnisse von Zählungen und Kontrollen abzuwarten, ehe Poller fest im Boden verankert werden. Noch vor dem Baubeginn soll der Versuch starten.

Landwirtschaftliche Wege aufgerüstet

Zudem sollen die Nähterstraße zwischen Langwiesenweg und Landhausstraße und der landwirtschaftliche Weg hinter dem Kodak-Areal zwischen Alosenweg und Kemptener Straße einen neuen Fahrbahnbelag und Beleuchtung erhalten. Diese Route abseits der Hedelfinger Straße ist heute schon eine von Radfahrern rege genutzte Verbindung zwischen Wangen und Hedelfingen und wird es künftig nach Meinung der Bezirksbeiräte erst recht sein. Anders als die städtischen Verkehrsplaner glauben sie nicht daran, dass die Mehrheit der Fahrrad-Berufspendler, die gern schnell vorankommen will, die Hauptradroute 2 nutzen wird, sondern eher die verkehrsarme Alternative.

Kreisverkehr auch in Hedelfingen

Ab Juli 2022 steht der zweite Bauabschnitt zwischen Otto-Konz-Brücken und Hedelfinger Platz auf dem Programm, sein geplantes Ende ist März 2023. Unter anderem ist ein neuer Wender in der Hedelfinger Straße vorgesehen, zudem könnte ein zweiter Zugang zur Endhaltestelle der Stadtbahnlinien 9 und 13 entstehen, was die Hedelfinger Bezirksbeiräte sehr begrüßen. Ob dieser technisch machbar wäre, prüfe man nun.

Am Hedelfinger Platz selbst wird die Situation für Radfahrer dann wieder unübersichtlich, sofern der Verkehrsknotenpunkt nicht umgestaltet wird. Seit Jahren wünschen sich die Hedelfinger dort einen Kreisverkehr – und die Chancen stehen laut Hemmerich und Hasenäcker nicht schlecht. Die Umgestaltung zum Kreisel sei nicht nur zur Umsetzung der Hauptradroute 2, sondern auch zur Verbesserung der städtebaulichen Situation und „insbesondere zur Aufwertung für den Fußverkehr notwendig“. Zählungen hätten hier erstaunlich hohe Werte ergeben, so Hemmerich. Ein Kreisverkehr biete „großes Potenzial“, allerdings dürfte er im Berufsverkehr ähnlich stark überlastet sein wie die heutige ampelgeregelte Kreuzung, räumte er ein.

Ganzheitliches Konzept in Arbeit

Nachdem der Gemeinderat im Doppelhaushalt 2020/2021 Planungsmittel in Höhe von 100 000 Euro bereitgestellt hat, sei man nun in der Vorplanung, informierten die Verkehrsplaner. Einbezogen würden dabei auch die Rohrackerstraße, die Amstetter Straße und die Otto-Hirsch-Brücken. „Es soll ein schlüssiges Gesamtkonzept erarbeitet werden, dass alle Verkehrsarten berücksichtigt, eine städtebauliche Aufwertung ermöglicht und dabei auch die Situation für die Wohn– und Geschäftsnutzung in der Ortsdurchfahrt Hedelfingen verbessert.“ Untersucht werden sollen daher auch Durchfahrtssperren im Alosenweg und in der Amstetter Straße, ein Kreisverkehr am Knoten Mittelkai sowie ein neuer Vollanschluss an die B 10.

Der dritte Bauabschnitt entlang der Ulmer Straße von der Inselstraße bis zur Wangener/Landhausstraße soll den Planungen zufolge im März 2023 beginnen und bis Jahresende abgeschlossen sein.

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