Bei Daimler gehen die Verhandlungen über das Sparprogramm in die entscheidende Phase. Die Stimmung ist jetzt schon ziemlich gereizt.
Stuttgart - Bei dem Stuttgarter Autobauer Daimler haben die Verhandlungen über die Zukunft der einzelnen Standorte begonnen. In den Gesprächen zwischen Unternehmen und Betriebsrat soll festgelegt werden, welchen Beitrag die Standorte zum konzernweiten Sparziel beitragen. Im Sommer hatte Daimler das 2019 beschlossene Sparprogramm infolge der Corona-Krise noch einmal verschärft. Allein beim Personal sollen rund zwei Milliarden Euro eingespart werden.
Was das für die Standorte bedeuten kann, macht ein Papier des Betriebsrats aus dem Werk in Stuttgart-Untertürkheim deutlich, das am Dienstag an die Beschäftigten verschickt wurde und das unserer Zeitung vorliegt. Darin berichten die Arbeitnehmervertreter von den Verhandlungen. Demnach verlangt das Unternehmen, bis zum Jahr 2025 im Werk rund 4000 Stellen abzubauen. Der Betriebsrat wollte sich nicht im Detail dazu äußern.
Batteriezellen am Neckar
Der Standort sei Daimler zu teuer, weshalb mehr Teile der Produktion an Werke im Ausland gehen sollen, um Untertürkheim weniger auszulasten. Die Konzernführung hat dem Betriebsrat zufolge angekündigt, Investitionen in Verbrennungsmotoren nicht mehr tätigen zu wollen. Außerdem sollen vereinbarte Produkte doch nicht am Neckar gefertigt werden.
Im Gegenzug will Daimler das Werk zu einem „Entwicklungs- und Befähigungsstandort für Elektromobilität“ umbauen. Unter anderem stehe die Fertigung von Batteriezellen am Neckar im Raum, so der Betriebsrat. Bislang kauft Daimler die Batteriezellen für seine Fahrzeuge bei chinesischen Herstellern ein und fertigt daraus anschließend erst die Batterien selbst.
Der Betriebsrat ist sauer
Das Werk in Untertürkheim hängt heute stark am Verbrennungsmotor. Damit ist der Standort von der Transformation hin zur emissionsfreien Mobilität besonders stark betroffen. Daimler hat sich verpflichtet, Untertürkheim für neue Technologien zukunftsfest zu machen. So hatte das Werk 2019 den Zuschlag bekommen, für künftige Elektroautos den elektrischen Antriebsstrang zu fertigen. Außerdem entsteht im Werk eine Batteriefabrik.
Der Betriebsrat ist von den neuen Forderungen dennoch überrascht. „Das entspricht weder unseren Vereinbarungen noch dem Leitwerkgedanken“, schreibt das Gremium um Betriebsratschef Michael Häberle. Was Daimler vorgelegt habe, sei „ein Katalog voller Provokationen, der für uns nicht infrage kommt“.
Man richte die Produktion für Antriebstechnologie auf „Electric First“ aus, teilte Daimler mit. Dabei gehe es auch um die strukturelle Anpassung und Neuausrichtung der Kapazitäten und Fertigungsumfänge. „Für den Standort Untertürkheim sowie die anderen Powertrain-Standorte werden Wege zur Umstellung der Wertschöpfung im Rahmen der Transformation erarbeitet.“ Die Gespräche gehen nächste Woche weiter.