Hat gut lachen. Festwirt Hans-Peter Grandl hat sich als Festwirt durchgesetzt. Foto: Thomas Niedermüller (z) - Thomas Niedermüller (z)

Hans-Peter Grandl ist im 20. Jahr Festwirt auf dem Cannstatter Volksfest und Vorreiter in vielen Bereichen. So hat der 61-Jährige dafür gesorgt, dass Wasenbesucher sich in Tracht kleiden.

Bad Cannstatt Wenn Hans-Peter Grandl an den Start seiner Festwirtkarriere denkt, muss er schmunzeln. Zum Frühlingsfest 1998 sprang er kurzfristig für Walter Weitmann ein. Innerhalb von sieben Wochen stellte er ein Festzelt auf die Beine und feierte Wasenpremiere. Zum Volksfest 2000 sollte er das Hofbräu-Zelt von Weitmann übernehmen. Es kam zu keiner Einigung. Weitmann baute stattdessen sein Zelt auf und verkaufte Fürstenbergbier auf den Wasen. Grandl’s Hofbräuzelt musste bei Null anfangen und sich das Publikum hart erarbeiten. Das hat er geschafft. „Das waren herbe Zeiten mit Millionen Schulden.“ Das Zelt beim Frühlingsfest begann mit 1500 Plätzen, hat mittlerweile 5000, auf dem Volksfest gibt es Platz für 6000 Gäste. Das Zelt ist nahezu täglich voll, die Stimmung ausgelassen.

Dazu gibt Grandl in vielen Bereichen den Vorreiter. Der 61-Jährige sorgte dafür, dass Tracht auf dem Wasen salonfähig wurde. Freitags und samstags bildeten sich vor seinem Zelt Schlangen. Alle wollten Einlass. Wer Tracht trug, bekam Zugang. „Das hat einen Hype ausgelöst“, erinnert sich der Festwirt. „Und die Kollegen haben mitgezogen.“ Heute muss keiner mehr weit fahren, um Trachten zu bekommen. Damals undenkbar.

Grandl setzte früh auf Bands. Bis zu zehn Musikgruppen hat er für die 17 Tage verpflichtet. Am Wochenende sind es sogar drei am Tag. Da sorgen Charivari und die Filderspatzen tagsüber für volkstümliche Musik, abends gibt es Party. „Die Akzeptanz ist groß. Da sind dann drei Generationen im Zelt, die sich amüsieren.“ Der Festwirt, der im Olympiapark München bei der Haberl-Gastronomie erste Erfahrungen sammelte, war es auch, der Veranstaltungen und Events durchführte, Persönlichkeiten aus allen Bereichen auf den Wasen lockte. „Das mache ich nicht mehr. Inzwischen gibt es so viele Einladungen aufs Fest.“ Grandl beansprucht für sich, Champagner auf dem Wasen eingeführt zu haben. „Damit mehr Bier verkauft wird.“ Denn Frauen würden nicht den ganzen Besuch über auf Bier setzen, sondern gerne auch etwas anderes trinken. Also führte Grandl das „Grandele“ ein, ein 0,4 Liter geeister Steinkrug gefüllt mit Champagner. „Sind die Frauen zufrieden, können die Männer auch Bier trinken.“

Im zehnten Jahr setzt Grandl aufs „ökologische Gewissen“. Zusammen mit Claus-Peter Hutter von NatureLife International – „Wir kennen uns schon lange“ – wurden Abläufe, Lieferantenwege hinterfragt, auf Regionalität gesetzt, freiwillig CO2 kompensiert und Hektarweise Wald geschaffen, der CO2 bindet. Inzwischen wurden 85 Hektar auf den Philippinen, Laos, Vietnam und Sri Lanka gepflanzt. So entstanden 42 5000 Bäume in Mischkultur.

Ans Aufhören denkt der Festwirt noch nicht. „Ich fühle mich noch jung und habe Spaß dabei.“ Jüngst wurde erst der Vertrag mit der Brauerei verlängert. „Ich kann also noch ein bisschen genießen.“ Seine Tochter Marina hilft mittlerweile in der Festzelt-Organisation mit und unterstützt ihren Vater.

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