Seit 20 Jahren saniert Dieter Meixner das elterliche Haus in der Lämmleshalde. Jetzt hat er Ärger mit Nachbarn und dem Baurechtsamt. Foto: /Edgar Rehberger

Seit 20 Jahren saniert Dieter Meixner das elterliche Haus in der Lämmleshalde. Jetzt hat er Ärger mit Nachbarn und dem Baurechtsamt. Ihm werden bauliche Verstöße vorgeworfen, die er entfernen muss.

Bad Cannstatt - Nachbarn helfen sich gegenseitig. So jedenfalls hat es Dieter Meixner von seinen Eltern vermittelt bekommen und praktiziert es entsprechend. Der handwerklich geschickte Rentner packt an, wenn er darum gebeten wird. Doch mittlerweile ist er davon nicht mehr so überzeugt. Denn er fühlt sich gegängelt und gepiesackt. „Ich bin nervlich am Ende. Ich will doch bloß meine Ruhe haben.“ Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Ein Schreiben vom Baurechtsamt der Stadt hat ihm den Rest gegeben. Darin wird er aufgefordert, bauliche Maßnahmen in der Vorgartenfläche seines Hauses in der Lämmleshalde bis spätestens 11. August zurückzubauen.

Baukontrolle im Juni

Bei einer Baukontrolle auf seinem Grundstück im Juni seien „verschiedenste baurechtliche Verstöße“ festgestellt worden. Es geht um einen Holzverschlag und einen Sichtschutz zum Nachbargrundstück, einen Pfosten, einen Torbogen, eine Montagegrube und einen Schuppenanbau. Ihm wird unterstellt, die Stellplätze überdachen zu wollen und auf dem Nachbargrundstück zu entwässern. „In der Grube ist eine Wasserzisterne geplant, die wieder geschlossen wird“, führt Meixner aus und die Entwässerung auf dem Nachbargrundstück weist er weit von sich. „Wir haben eine gemeinsame Regenrinne.“

Ungleichbehandlung kritisiert

Immer gehe es gegen ihn, wittert Meixner System dahinter. Es geht ihm um die Ungleichbehandlung. „Was die anderen alles gemacht haben, interessiert keinen.“ Deshalb ist Meixner die Umgebung abgelaufen und hat alles notiert, was ihm aufgefallen ist. Beim Gebäude, Baujahr 1923 bis 25, handelt es sich um das elterliche Haus, in dem er auch aufgewachsen ist. „Viele hier kennen mich von klein auf.“ Doch inzwischen hat es in der beschaulichen Wohngegend, in der kleine Häuschen dominieren, einige Besitzerwechsel gegeben. Vor 20 Jahren habe er angefangen, das Haus zu sanieren. „Ich habe es meinen Eltern versprochen.“ Jede freie Minute, jeder Urlaub wurde genutzt. Vor sieben Jahren ist er selbst wieder ins Haus gezogen.

Polizei vor der Tür

Einmal klingelte der Schornsteinfeger an seiner Tür. Es sei moniert worden, dass er Paletten im Ofen verbrenne und giftige Abgase entstehen. Es wurde geprüft und gemessen. „Alles im grünen Bereich“, so das Ergebnis. Ein anderes Mal wurde vorgeworfen, Reifen zu verbrennen. Wieder prüfte der Schornsteinfeger – ohne Ergebnis. Dann stand die Polizei vor dem Haus, reagierte auf einen Anruf, es würde nach verbranntem Plastik riechen. Meixner fiel aus allen Wolken. Auch die Polizei zog unverrichteter Dinge ab. „Ich fühle mich diskriminiert“, schüttelt der 66-Jährige den Kopf. Auch bei der Dämmung der Außenfassade des Fachwerkhauses musste er nachweisen, dass alles ökologisch korrekt abgelaufen ist.

Widerspruch eingelegt

Meixners Problem: Vor knapp zehn Jahren hat er sich seine Maßnahmen bei einer Begehung mit Vertretern des Baurechtsamtes mündlich absegnen lassen, nicht jedoch schriftlich. Der Versuch, telefonisch Kontakt mit der Behörde aufzunehmen, scheiterte. Gegen die Aufforderung, alles zurückzubauen, wird Meixner erst einmal Widerspruch einlegen. Alles hinzuschmeißen und aufzugeben? Das ist dem inzwischen angeschlagenen Rentner auch schon in den Sinn gekommen. „Ich habe meinen Eltern versprochen, das Haus zu sanieren“, wischt er die Gedanken schnell vom Tisch. „Hier bin ich aufgewachsen.“ Unterstützung erhält er von Freunden aus der Nachbarschaft. Dem Ehepaar ist ähnliches widerfahren. Fast elf Jahre kämpfte es vor Gericht um sein Recht und lässt seitdem kein gutes Haar an den Behörden. Es werde mit zweierlei Maß gemessen, viel Willkür sei spürbar. „Man wollte uns mürbe machen.“ Da war ganz langer Atem nötig. Auf der Strecke bleibt dabei die gute Nachbarschaft. Nichts ist mehr mit sich gegenseitig helfen.

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