Bundespräsident Theodor Heuss (links) und Bauingenieur Otto Konz weihten am 31. März 1958 den Stuttgarter Hafen ein Foto: Archivfoto: Hafengesellschaft - Archivfoto: Hafengesellschaft

Der Stuttgarter Neckarhafen wurde am 31. März 1958 eingeweiht. In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat sich der Hafen bedeutend gewandelt. Das zeigt auch die Ausstellung, die am 9. April im Rathaus eröffnet wird.

HedelfingenÜber den Otto-Konz- und den Otto-Hirsch-Brücken wehen bunte Wimpel – Nationalflaggen. „Eine Reminiszenz an die Zeit vor 60 Jahren“, sagt Hafen-Chef Carsten Strähle. Am 31. März 1958 säumten Zehntausende Stuttgarter die Kaimauern oder standen auf den Hafenbrücken und feierten. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss weihte mit einer Fahrt auf dem Neckar den neuen Stuttgarter Hafen ein. Die Landeshauptstadt wurde zur Hafenstadt. Sie war damit auch auf dem Wasserweg mit den Industriezentren an Rhein und Ruhr sowie mit den Seehäfen in den Niederlanden und Belgien verbunden. Stuttgarts damaliger Oberbürgermeister Arnulf Klett prophezeite, dass der Hafen „Stuttgarts Tor zur Welt“ werden würde. Eine mutige Prognose. Viele Kritiker bezweifelten den Sinn des „Häfeles“. Ein Karikaturist skizzierte Lohengrin auf einem Schiff im Hafen und untertitelte die Zeichnung frei nach Wagner mit „Nie sollst Du mich befragen, wird sich der Hafen tragen?“

In den vergangenen sechs Jahrzehnten – das zeigt die Ausstellung, die am 9. April im Stuttgarter Rathaus eröffnet wird – hat sich der Neckarhafen gewandelt, an Bedeutung gewonnen. Vor 60 Jahren waren die beiden Hafenbecken die Endstation für die Binnenschiffe. Der Neckar floss noch in seinem alten Flussbett – dort, wo heute die Hafenbahnstraße verläuft. „Erst 1968 erfolgte der Durchstich. Seitdem ist der Neckar bis Plochingen schiffbar. Das Hafenbecken 1 wurde zur Bundeswasserstraße, der alte Neckarflusslauf auf Höhe der Otto-Konz-Brücken/Bruckwiesenweg gekappt“, erklärte Hafen-Pressesprecher Johannes Zeller anhand von Luftaufnahmen aus der Gründerzeit. Auch dies war eine kontrovers diskutierte Entscheidung. Der Gemeinderat entschied sich 1965 mit einer knappen 29 zu 21 Stimmen-Mehrheit für den Ausbau. Schließlich verloren Landwirte wertvolles Ackerland, Wangen und Hedelfingen ihre Erholungsgebiete am Neckar. Aber: Im Zuge dieser Erweiterung wurden auch die Bundesstraße 10 sowie die Otto-Hirsch-Brücken neu gebaut.

Der Güterumschlag boomte in den 60er-Jahren. Teilweise lagen vier Schiffe nebeneinander an den Kais. Kohle, Getreide, Agrarprodukte sowie Baustoffe für die Aufbaujahre wurden tonnenweise entladen. Der Hafen war Garant für die Versorgung der Bevölkerung und er schaffte Arbeitsplätze. Doch mit dem Aufstieg der Bundesrepublik und Baden-Württembergs zu einer Exportregion wandelte sich die Funktion des Neckarhafens.

Kohleberge und Getreidesilos früherer Tage sind weitgehend verschwunden und auch die „Shell-Insel“ mit ihren Öltanks gehört der Vergangenheit an. Vom Umschlagort für Massengüter hat sich der Hafen zu einer trimodalen Logistikdrehscheibe für die Region entwickelt. „Für unsere wirtschaftsstarke Region ist es wichtig, dass Rohstoffe sowohl auf dem Wasser- und Schienenweg in den Hafen gelangen, dort auf Lastwagen umgeladen und die gefertigten Waren im Gegenzug aus der Region zu den Kunden in der Welt exportiert werden können“, sagt Strähle. Der Hafen übernehme eine Daseinsvorsorge für die Metropolregion und er wirft Gewinn ab. Sechs Millionen Euro überweist die städtische Hafengesellschaft an die Landeshauptstadt.

„Aber wir müssen bei allem Erfolg darauf achten, dass wir uns entwickeln und dass der Hafen lebendig bleibt“, warnt Strähle. So hat sein Vorgänger Willi Heckle die Zeichen der Zeit Anfang der 90er-Jahre erkannt. Er machte den Weg frei für das wasserseitige Containerterminal. Die Firma Götz nahm einen Container-Linienverkehr zu den Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen auf und baute ihn aus. Die Umschlagfläche wurde und wird gerade wieder erweitert. Ein weltweit agierendes Unternehmen aus Dubai hat das Terminal übernommen. „Zweidrittel des Umschlags wird zwar auf der Schiene gemacht, aber die Unternehmen setzen darauf, dass sie im Hafen alle Möglichkeiten, nämlich Bahn, Schiff und Lastwagen, nutzen können“, sagt Strähle. Die Verlängerung der Schleusenkammern sieht er deswegen als eine Voraussetzung dafür an, dass der Stuttgarter Hafen auch künftig das Tor zur Welt bleibt.

Von 9. April bis 4. Mai werden die 60 Jahre Neckarhafen anhand einer Ausstellung im Stuttgarter Rathaus erlebbar gemacht. Fotos und Zeitungsausschnitte laden zur Zeitreise ein. „Wir bringen den Hafen in die Stadt“, sagt Strähle. Am 21. und 22. Juli wird das Jubiläum dann mit einem großen Hafenfest gefeiert.

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