Sonja Münzenmaier von Charlottes Haarmode misst den Abstand zwischen den Friseurstühlen. Auf manche Plätze muss verzichtet werden. Foto: Alexander Müller

Salons auf Wiedereröffnung am Montag vorbereitet – Enormer Ansturm der Kunden

Untertürkheim - Seit Tagen steht das Telefon von Sonja Münzenmaier nicht mehr still. Nach fünf Wochen Pause wollen unzählige Kunden schnell einen Termin, wenn ab Montag die Friseursalons öffnen dürfen. Endlich wieder waschen, schneiden und legen. Der Ansturm ist enorm. „Wir sind bereits für die kommenden zwei Wochen so gut wie ausgebucht“, freut sich Münzenmaier, die Inhaberin von Charlotte Haarmode in Obertürkheim. Die Kunden hätten mindestens genauso sehnsüchtig auf den Neustart gewartet wie sie selbst. Dennoch wird der Besuch beim Friseur seines Vertrauens nicht so aussehen, wie gewohnt. Das geht aus der gemeinsamen Richtlinie des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums und des Sozialministeriums hervor. Doch die Friseursalons sehen sich gut gerüstet, wenngleich vieles gewöhnungsbedürftig ist.

Vor Ort keine Terminvergabe

Das beginnt bereits mit der Terminvergabe. Die ist nur über das Telefon oder digitale Medien möglich. Zudem sollen bereits die Kundenwünsche, wie Schneiden, Färben oder auch eine Dauerwelle, festgelegt werden, um die Kommunikation im Salon selbst auf ein Minimum reduzieren zu können. „Das ist in der Regel bereits der Fall, schließlich muss ich auch die nötige Zeit einplanen können“, erklärt Münzenmaier. Da sie trotzdem mit einem Ansturm vor Ort rechnet, hat sie sich eine Absperrkette besorgt, mit der sie unerwünschte Laufkundschaft vor dem Laden halten kann. Außerdem soll während der Ladenöffnungszeit ein Anrufbeantworter geschaltet werden, „um nicht Zeit zu verschwenden, die für die Frisur benötigt wird“.

Weniger Stühle

Denn die Vorgaben regeln auch die Arbeit im Salon. Jeder Kunde muss bereits beim Betreten eine Mund-Nase-Schutz-Maske, eine sogenannte Community-Maske, tragen. Zudem muss die Möglichkeit am Eingang bestehen, die Hände desinfizieren zu können. Vor allem muss zwischen Kunden aber ein Sicherheitsabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Die Konsequenz: „In den vergangenen Tagen haben wir die Abstände genau bemessen“, erklärt Münzenmaier. Dadurch entfallen einige Plätze.

Gar auf 50 Prozent der Stühle beläuft sich dies bei Anh Maler. Zudem setzt sie auf Abstandsmarkierungen auf dem Boden in ihrem Salon Anh Vu Frisuren in Untertürkheim. Die Mitarbeiter müssen neben der Maske auch Handschuhe tragen. Jegliche Tätigkeiten dürfen nur durchgeführt werden, wenn die Haare vorher im Salon gewaschen wurden. Nach jedem Kunden müssen der Stuhl und auch das Werkzeug neu desinfiziert werden. Zudem dürfen nur Einweg-Halskrausen benutzt werden und nach Möglichkeit auch Einweg-Umhänge. Diese sind derzeit aber so gut wie ausverkauft, sind sich alle einig. Als Ausgleich können die Umhänge auch nach jedem Kunden bei 65 Grad gewaschen werden. „Für den Mehraufwand müssen wir von den Kunden einen kleinen Aufschlag verlangen“, sagt Mahler. Dieser liege bei ein bis zwei Euro. Das größte Problem aus Sicht der Friseurmeisterin ist aber, dass auf eine Kommunikation mit den Kunden weitgehend verzichtet werden soll. Wenn nötig, soll diese lediglich indirekt über den Spiegel per Blickkontakt erfolgen. „Wir haben sehr viele Stammkunden, die wollen nicht nur ihre Frisur besprechen, sondern sich auch nach uns erkundigen“, ist Mahler überzeugt.

Rasieren verboten

Nicht das einzige Problem. Beim Färben und beim Schnitt könnten die Bänder der Masken an den Ohren stören. „Dann muss der Kunde die Maske kurzfristig eben mit den Händen vor dem Gesicht festhalten“, sagt Fabian Tietz. Für ihn sei dies die einzige gängige Praxis. Auch in seinem Salon FT Haare in Hedelfingen muss auf Tätigkeiten im Gesicht wie Augenbrauenzupfen, Wimpernfärben, Bartpflege oder Rasieren verzichtet werden. „Ein nicht unwichtiger Teil unseres Aufgabenfeldes.“ Aufgrund der großen Einschnitte wollen er und viele seiner Kollegen in den kommenden Wochen zunächst auf einen Ruhetag verzichten. „Mittelfristig muss sich das aber auch zum Schutz der Mitarbeiter wieder einspielen“. Den Verdienstausfall von sechs Wochen könne man auch durch Mehrarbeit nicht komplett ausgleichen, aber wenn „wir jetzt wieder durchstarten können, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“

Mit den bestehenden Richtlinien kann die Friseur-Innung Stuttgart-Ludwigsburg im Zeichen der Corona-Pandemie gut leben. „Wir haben an der Ausarbeitung direkt mitgewirkt“, erklärt Obermeister Uwe Volz. Wichtig sei in erster Linie, dass die Friseure nun endlich wieder ihre Arbeit aufnehmen könnten. Denn für viele sei der Verdienstausfall der vergangenen Wochen bereits existenzbedrohend. In der ersten Zeit rechnet Volz mit verstärkten Kontrollen und mahnt daher zur Einhaltung der Richtlinien. Wohlwissend, dass diese auch eine deutliche Mehrbelastung bedeutet. Trotz aller Probleme ist für Mahler wie für alle Friseure eines klar: „Hauptsache die Haare werden wieder schön und die Kunden fühlen sich wohler.“

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