Die erste von drei Runden ist geschafft! Der GSV Pleidelsheim stimmt sich nach dem Abpfiff in Blaufelden auf das nächste Spiel ein. Foto: Andreas Hennings

Der GSV Pleidelsheim siegt in der ersten Relegationsrunde an der bayerischen Grenze gegen den SV Wachbach. Dank Toren in der Nachspielzeit und der Verlängerung.

„Weiter, immer weiter!“ Diese Worte von Oliver Kahn anno 2001 schrieben Geschichte, trieb er Bayern München damit doch quasi zur Last-Minute-Meisterschaft. Daniel Pfeiffer war damals gerade fünf Jahre alt, seine Erinnerung daran dürfte vage sein. Und doch schlüpft der heutige Kapitän des GSV Pleidelsheim am Mittwochabend im ersten Relegationsspiel um den Aufstieg in die Landesliga in die Rolle Kahns, treibt sein Team ebenso entscheidend an.

0:1 liegt der GSV gegen den SV Wachbach zurück, die Nachspielzeit läuft. Als der Linienrichter ein aus GSV-Sicht strittiges Foul anzeigt, stürmen mehrere Pleidelsheimer Spieler zu ihm, beschweren sich. Auch Pfeiffer stürmt hin. Nicht aber, um mit einzustimmen, sondern um seine Mitspieler zurückzupfeifen und zum Verteidigen zu animieren. Seine klare Geste ans ganze Team: Auf geht’s, hier ist noch nichts verloren. Keine Minute später gleicht Pleidelsheim aus.

Bis zum Abpfiff ist Zittern angesagt

Es ist das späte Tor in der 92. Minute, das Pleidelsheim die Verlängerung beschert. Nach einer Flanke von Kevin Sirch trifft Robin Bender – beide wie Pfeiffer seit Jahr und Tag beim GSV – per Kullerball ins lange Eck. Und in der Verlängerung geht es gut weiter. Pleidelsheim als Vizemeister der Bezirksliga Enz/Murr dominiert jetzt gegen den Hohenlohe-Vizemeister. Und trifft in der 97. Minute gleich auch zum 2:1. Diesmal vollendet Patrick Sirch nach einem langen Ball von Mirsad Vejselovic platziert ins lange Eck, nachdem die überrumpelte Abwehr Sirch einen entscheidenden Vorspruch ließ.

Fortan ist zittern angesagt. In der zweiten Hälfte der Verlängerung rennt Wachbach an. Doch die GSV-Abwehr hält stand und köpft all die hohen Bälle aus der Gefahrenzone. Auch Keeper Uwe Düding klärt einmal stark in höchster Not gegen einen auf ihn zustürmenden Gegenspieler. Dann ist es geschafft: Pleidelsheim hat das erste von drei Relegationsspielen überstanden, darf weiter vom Durchmarsch in die Landesliga träumen. Das freut auch all jene gelb gekleideten Pleidelsheimer, welche die 100-Kilometer-Anfahrt in den neutralen Spielort Blaufelden an der bayerischen Grenze auf sich nahmen.

Spielort, „wo die Welt schon längst aufgehört hat“

Dorthin, wo der Sportplatz-Sprecher selbstironisch sagt: „Ich weiß, dass die Welt für euch hier längst aufhört, für uns geht sie hier aber weiter“. Wo die Hauptattraktion eine 800 Jahre alte Linde ist, die nach einem Blitzschlag zwei Stämme hat und zu den ältesten Bäumen Süddeutschlands zählt. Und wo während des Spiels vier Autokennzeichen ausgerufen werden, weil „der landwirtschaftliche Verkehr nicht durchkommt und die Gefahr besteht, dass eigenhändig abgeschleppt wird“.

Bei der Feier nach Abpfiff war der holprige Start längst vergessen. „In der ersten Hälfte waren wir überhaupt nicht auf dem Platz. Nichts von dem, was uns auszeichnet, haben wir gezeigt“, sagt Trainer Marcus Wenninger. Die zweite Hälfte sei besser gewesen, der Ausgleich daher verdient. „Wenn auch im Zeitpunkt natürlich glücklich.“

Nächster Gegner sind die Sportfreunde Lauffen

Immerhin: Zu Chancen war der GSV zu Beginn dennoch gekommen, Binder (8.) und Patrick Sirch (14.) zielten aber zu ungenau. Wachbach war bestimmend, ohne gefährlich zu werden. Eine Ausnahme: Das 1:0 fiel nach einer Ecke aus kurzer Distanz (35.). Im zweiten Durchgang wurde Pleidelsheim besser, vergab durch Vejselovic eine Riesenchance (49.) und hatte Glück, als ein Gegner die Oberlatte traf (71.). Bemerkenswert: Der von Verletzungen gebeutelte GSV-Kader bewies ein langen Atem, während Wachbach – mit 13 Ersatzspielern – nicht mehr zum 2:2 kam. „Die Verlängerung steckt uns jetzt aber natürlich in den Knochen“, so Wenninger.

Die nächste Runde: Regenerationszeit bleibt nicht: Am Sonntag um 15 Uhr spielt der GSV in Bad Friedrichshall gegen den Unterland-Vize SF  Lauffen, der gegen den Rems/Murr-Vize TSV  Schornbach 4:0 gewann. Die Vorzeichen für Pleidelsheim sind unverändert. Nach dem überraschenden zweiten Platz geht es wieder darum, das Erlebnis zu genießen und zu schauen, was möglich ist. Der Sieger der Partie trifft am 25.  Juni im alles entscheidenden Spiel in Renningen auf Landesligist VfB Neckarrems.

GSV Pleidelsheim: Düding – K. Sirch, Cardinale, Hachmann – Porubek (69. Theurer), Pfeiffer, Vejselovic – Weilguny (46. Schlipf, 69. Deyhle), P. Sirch, di Romana (58. N. Weiden).