Die Volksbank Leonberg-Strohgäu will ihre Präsenz in Gerlingen zukunftsfest machen. Was das Großprojekt für das Ortszentrum bedeutet – und welche neuen Angebote geplant sind.
Gegensätzlicher hätten die Nachrichten am Mittwoch dieser Woche nicht sein können. Am Vormittag verkündet die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller in Ditzingen zum Abschluss des Geschäftsjahrs einen Umsatzrückgang von 16 Prozent. Dazu im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von sieben Prozent in den Auftragsbüchern. Wenige Stunden später kündigt die Volksbank Leonberg-Strohgäu in der Nachbarstadt Gerlingen an, ihr Gebäude am Rathausplatz zu Gunsten eines Neubaus abreißen zu wollen.
Der sich über dem Erdgeschoss erhebende dreistöckige Neubau soll sich außerdem als Gesundheitshaus etablieren: Unter anderem ein Hausarzt wird dort Einzug halten. „Der Standort der Volksbank Leonberg-Strohgäu am Rathausplatz bleibt also erhalten und wird langfristig gesichert“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Held.
Große Investition der Volksbank Leonberg-Strohgäu in Gerlingen
Wie hoch die Investitionssumme an dem nach Leonberg zweitgrößten Standort im Verbund ist, ist unklar. Held will keine Zahlen nennen, auch nicht zum Budgetrahmen, so lange das Vorhaben nicht bewilligt ist. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats wird voraussichtlich am 3. November sein Einvernehmen erteilen. „Die Signale aus den Fraktionen sind positiv“, sagt der Bürgermeister Dirk Oestringer optimistisch.
„Wir wollen ab 2026 in die detaillierte Planung gehen“, führt Vorstandschef Held aus. „Wenn wir Ende des Jahres 2028, Anfang 2029 einziehen können, wäre es für uns gut“, sagt Hans Jung, Inhaber der Hausarztpraxis Juliusgarten. Der Ditzinger Standort des Juliusgarten bleibe von den Plänen unberührt, so Jung. Das Gerlinger Vorhaben sei eine Antwort auf die gestiegene Nachfrage. Schon jetzt versorge die Praxis immer mehr Patienten aus Gerlingen, inzwischen hat der Juliusgarten deshalb einen kleinen Interimsstandort in Gerlingen. „Wir brauchen Fläche in Gerlingen“, sagt Jung, denn „der Bedarf wird steigen“. Ein Aufzug soll dann auch Liegendtransporte ermöglichen.
Neubau in Gerlingen mit Bank, Gastronomie und Ärzte unter einem Dach
So elementar die medizinische Versorgung für die Bürger ist, so elementar sind für den Mediziner attraktive Standortbedingungen, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Der neue Gerlinger Standort sei dafür eine „extrem elegante Lösung“, so Jung.
Die Bank wiederum möchte eine „moderne, zukunftsorientierte und energieeffiziente“ Filiale schaffen, „mit Mitarbeitenden vor Ort für alle Serviceleistungen wie auch für die Beratung und Betreuung von Privat- und Firmenkunden“ sagt Vorstandschef Jürgen Held. Das Kreditinstitut wird im Erdgeschoss des neuen Gebäudes angesiedelt, ebenso auf dieser Ebene ist eine Gastronomie mit Außenterrasse vorgesehen.
Im ersten Stock werden sowohl Räume für Beratungsgespräche für die Bank vorgehalten als auch welche für Ärzte. Praxisräume sind außerdem im zweiten Stock eingeplant. Der dritte Stock ist für Mieter aus dem weiten Feld des Gesundheitsbereichs vorgesehen. Die Raumaufteilung werde flexibel sein, heißt es von Bankenseite. In der Tiefgarage entstehen 14 neue Parkplätze.
Das Bestandsgebäude wurde in den 1970er Jahren gebaut und Anfang der 1990er Jahre umgebaut. Die Raumaufteilung mit einer großen Schalterhalle entspreche jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine moderne Bank, heißt es. Auch die technische Gebäudeausstattung sei veraltet und anfällig, teilt das Kreditinstitut mit. Eine Sanierung sei daher nicht mehr wirtschaftlich, macht Vorstand Wolfgang Ernst deutlich.
Volksbank-Baustelle wird zur Herausforderung für Gerlingen
Abriss und Neubau werden für die Gerlinger Innenstadt zunächst zur Herausforderung: Die Baustelle werde einer „Operation am offenen Herzen“ gleichen, sagt Bürgermeister Dirk Oestringer. Nicht nur die Bank will sämtliche Dienstleistungen an einem Interimsstandort anbieten. Auch der Innenstadtverkehr wird trotz des Baus weiterhin rollen müssen.
Gleichwohl: Der Neubau sei „ein klares Bekenntnis zu Gerlingen“ und „eine Investition in die Zukunft“, sagt der Bürgermeister: Am Ort verbleibe eine umfassende Bankdienstleistung, und die medizinische Versorgung nebst Angeboten im Gesundheitssektor bleibe auf Jahre hinaus gesichert. Außerdem werde der Rathausplatz belebt. Im Zusammenspiel mit der Sanierung des Alten Rathauses werde all dies zur Belebung der gesamten Innenstadt beitragen, ist der parteilose Bürgermeister überzeugt.